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Wehrli, Johann Rudolf - Aarau |
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| 1801 |
Johann Rudolf Wehrli wird am 20. Dezember 1801 in Küttigen bei Aarau geboren. |
| 1814 |
Er beginnt 1814 eine Lehre bei Johann Wilhelm Gottschalk und bleibt als Geselle bei ihm bis 1822. |
| 1822 |
Nach Ablauf seines ersten Militärdienstes geht er acht Jahre lang auf die Wanderschaft durch die Westschweiz, arbeitet u. a. 1824 bei Johann Jakob Ulrich Bauer in Chur, dann Deutschland (auch Nürnberg) und Österreich (Messing- und Glockengießerei Jakob Veit Graßmayr in Feldkich/Vorarlberg; hier erlernte er den Messingguß). |
| 1833 | Er ist in Aarau Meister und eröffnet eine eigenen Werkstätte in der Milchgasse 155 bei dem Polizeidiener Samuel Hürner als Zinn- und Gelbgießer. |
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| Anzeige in Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote vom 21. Februar und 7. März 1833 | |
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Am 14. Juni 1833 heiratet er die Rosina Brunner, geb. Schmid (* 7. Juli 1805). |
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Das Ehepaar hat sieben Kinder, von denen alle, bis auf die am 4. Januar 1841 geborene Tochter Maria Dorothea Wehrli (später verheiratet mit dem Maler Traugott Schneuzinger von Aarau) sterben, z. B. Johann Rudolf Wehrli (* 8. Februar 1834; † 26. Juni 1852) oder Maria Luisa Wehrli (* 23. Mai 1842; † 22. Juli 1843) |
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Neben den üblichen Zinngegenständen (Teller, Platten; als besondere Spezialität Gegenstände für medizinische Zwecke: Kanülen, Bettpfannen, Spritzen in allen Größen, Katheter etc.) stellt er auch Zinnfiguren bzw. Zinnkompositionsfiguren her.
Als Zeichner und Graveure beschäftigt Johann Rudolf Wehrli einen seiner Brüder und den taubstummen "zwar ohne künstlerische Schulung, doch mit viel Geschmack und Verständnis arbeitenden" Gottlieb Käser. Später wird als Hilfskraft noch "mit wenig Eignung" J. Stirnimann eingestellt. |
| 1835 |
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| Anzeige in Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote vom 26. März 1835 | |
| 1837 |
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| Anzeige in Der Schweizer Bote vom 25. und 29. November 1837 | |
| 1844 | Rosina Wehrli, verww. Brunner, geb. Schmid stirbt am 25. März 1844 an den Folgen einer schweren Niederkunft. |
| Am 1. September 1844 heiratet der Witwer Johann Rudolf Wehrli die Elisabeth Frey aus Densbüren. | |
| Das Ehepaar hat den Sohn Jakob Friedrich Wehrli (* 30. September 1847). | |
| 1845 | Johann Rudolf Wehrli ist im Kanton Aargau Feldweibel beim Militär. |
| 1857 |
Johann Rudolf Wehrli bekommt auf der dritten Schweizer Industrie-Ausstellung in Bern "für ein Assortiment Zinnspielwaaren" eine Kupfermedaille. "Die Ausführung dieser Gegenstände ist in ihrer Art sehr schön und bemerkenswerth, als die einzige Anstalt dieser Art in der Schweiz." |
| 1859 | Nach dem Einwohner-Verzeichnis 1859 ist er Hausbesitzer des Anwesens Adelbändli Nro. 171. |
| 1863 | Friedrich Wehrli geht bei seinem Vater für drei Jahre in die Lehre. |
| 1866 | Meyer-Zschokke schreibt: "...nach kurzer Wanderschaft Lausanne (Zinngiesser Colomb), Basel (Zinngiesser Scholer) ...". Einen Zinngiesser Colomb gibt es nicht, es könnte eigentlich nur Philipp Lacombe gemeint sein. In Basel gibt es zu dieser Zeit weder in den Adressbüchern noch bei Dr. Gustav Bossard einen Zinngießer Scholer! |
| 1867 | Am 20. Juli 1867 erwirbt Johann Rudolf Wehrli das Bürgerrecht in Aarau (durch Bezahlung von fr 1.000). |
| 1868 | Er ist in der Kanzlei der Bezirksbehörde des Bezirks Aarau als Amtsrevisor tätig. |
| 1874 | Im Januar 1874 stirbt Elisabeth Wehrli, geb. Frey. |
| 1875 | Friedrich Wehrli heiratet. |
| 1876 |
Johann Rudolf Wehrli stirbt am 11. Februar 1876. Friedrich Wehrli übernimmt die Zinngießerwerkstätte "in ganz zusammengeschrumpftem Betriebe". J. Stirnemann ist immer noch als Hilfskraft beschäftigt. |
| 1877 | Das Haus Adelbändli ist umnummeriert in Nro. 172 |
| 1880 | Friedrich Wehrli nimmt mit Zinn- und Zinnspielwaren an der Aargauischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Aarau teil [im Katalog irrtümlich "Jakob Wehrli"]. |
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Meyer-Zschokke schreibt dazu: "Vom Jahre 1880 liegt noch ein Verzeichnis der an der Aargauer Industrie- und Gewerbeausstellung zur Schau gebrachten Zinnartikel vor. Es gibt interessanten Einblick über die damals noch fabrizierten Artikel und deren Preise. Die Hauptsache sind oben erwähnte chirurgischen Instrumente, das Zinngeschirr ist schon ganz schwach vertreten, erwähnenswert darunter sind 2 Kommunionskannen für die Gemeinde Oftringen (zu Frs. 35.-- das Stück), den größten Teil machen aber zu dieser Zeit bereits die Zinnfiguren aus. Für Knaben: Soldaten aller Art, Jagd, Kunstreiter, etc. (Schlacht mit 120 Figuren für Frs. 5,80, mit 150 Figuren Frs. 6.50, Artilleriekolonne im Marsch Frs. 11.50, Artillerie und Batterie 68 Stück Frs. 6.--). Für Mädchen: Dorf, Hühnerhöfe, Viehweiden, Markt (Hühnerhof, Meierhof, Markt mit je 40 Figuren zu Frs. 2.-- bis 2.80), Kuhweide, Pferdeweide, Hühner- und Gänseweide, je 18 Figuren zu 85 Rappen." |
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| 1884 | Friedrich Wehrli ist im Adressbuch mit Friedrich Wehrli-Haßler verzeichnet. |
| 1887 |
Nachdem der Betrieb "als unrentable Betätigung" immer weniger Umsatz macht, gibt er das Geschäft 1887 auf. Damit erlischt in Aarau das Zinngießer-Handwerk und die Zinnfiguren-Fabrikation. |
| Der Gemeinderath Aarau stellt Friedrich Wehrli-Haßler am 27. September 1887 ein Leumunds- & Rechtsfähigkeits-Zeugniss aus, in dem bestätigt wird, dass er in bürgerlichen Ehren und Rechten und gut beleumdet ist. | |
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Am 29. Dezember 1887 schreibt
Jakob Friedrich Emil Zschokke (* 5.
Juni 1808 in Aarau;
† 10.
März 1889 ebenda),
gewesener Pfarrer in Aarau an die Erziehungsdirektion des Kanton Aarau: |
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"Da sich Herr Fritz Wehrli, Zinngiesser, von Aarau, auf die im letzten
Amtsblatt ausgeschriebene Stelle eines Abwarts
[Hauswart
oder Hausmeister] und Pedellen an der Kantonsschule zu melden
wünscht, erlaubt sich der Unterzeichnete, sein Gesuch bestens zu
empfehlen. Herr Wehrli war während meines langjährigen Pfarramtes einer meiner nächsten Hausnachbarn, so dass ich glaube, ihne genau beurtheilen zu können. Ich fand in ihm stets einen braven Hausvater und tüchtigen Arbeiter in seinem Berufe. Er besitzt hinreichende Bildung, ist intelligent und sorgsam. Von seinem Betragen kann nur Vortheilhaftes gesagt werden, so dass er immer zu den geachteten Bürgern der Stadt gehörte. Aus diesen Gründen hege ich die Ueberzeugung, er werde auch mit jener Stelle verbundenen Verpflichtungen stets treu und gewissenhaft erfüllen! Indem ich ihn - wie gesagt - bestens empfehle, zeichne mit Hochachtung E. Zschokke gewesener Pfarrer in Aarau" |
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| 1888 | Im Adressbuch ist Friedrich Wehrli-Haßler als Pedell unter den Adressen Adelbändli Nro. 172 und Casinostraße 584 eingetragen. |
| 1889 | Prof. Kaspar Maier [1831-1895], der Rector der Aargauer Kantonsschule schreibt am 3. April 1889: |
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"Zeugnis Obwohl ich es sehr bedauern werde, wenn Herr Wehrli seine jetzige Stelle als Pedell der Kantonsschule aufgäbe, kann ich ihm doch nicht das Zeugnis verweigern, dass er seit Antritt dieser Stelle sich ununterbrochen als sehr gewissenhaft, treu, als sehr thätig und intelligent bewiesen und dass er in seinem Verhalten gegenüber Lehrern und Schülern immer viel Takt gezeigt hat. Auch in Bezug auf gute Ordnung und Reinlichkeit im Schulgebäude und auf rasche Ausführung gegebener Aufträge habe ich während seiner ganzen Dienstzeit durchaus keinen Anlass zu Klage gehabt. K. Maier dz. Rector der aarg. Ktsschule." |
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| 1896 | Im Adressbuch ist Friedrich Wehrli als Pedell unter den Adressen Adelbändli Nro. 172 und Bahnhofstraße 1442 eingetragen. |
| 1905 | Seine Ehefrau stirbt. |
| 1919 |
Friedrich Wehrli-Haßler stirbt als Pedell am 12. Dezember 1919 in Küttigen. |
| 1932 | Die Firma Fritz Hofmann Spielzeug A. G. vertreibt Neugüsse aus den vom Schweizerischen Landesmuseum Zürich zur Verfügung gestellten Originalformen. |
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Fußbrettchen (Wege): |
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Zinnfiguren- und Etiketten-Beispiele |
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Dr. Gustav Bossard schreibt u. a.: "Die frühesten Modelle tragen den deutlichen Stempel der Frederizianischen und Napoleonischen Zeit. Die Uniformen sind bis ins Detail korrekt. Neben den kriegerischen Gestalten finden wir aber auch alle möglichen Typen aus dem bürgerlichen Leben. Der Einfluß der Maler Reinhard und König ist ein prägnanter bei der Darstellung von Bauern, Biedermeier-Herren und Damen. Ausser den Menschen wurden aber auch Tiere aller Art reproduciert, Jagden, Menagerien, Promenaden und Theater, u.s.w. Von eigenem Reiz ist die Darstellung des Paradises, voll komischer Bilder die Soldaten-Fassnacht. Die Modelle zu den Figuren stammen kaum von den Zinngiessern selbst. Der Einfluß des in Aarau wohnenden Kunstmalers J. Reinhard ist deutlich. Auch ist die Mitarbeit des Zeichners und Plastikers F. Eggiman bei Gottschalk nachgewiesen. In Wehrlis Werkstatt hat Gottlieb Käser, J. Stirnimann und zeitweise ein Bruder Wehrlis die künstlerische Arbeit ausgeübt." Außerdem: Gartenfest im Biedermeier, Schweizer Truppen, Zoo, Türken, Volksleben, Turnfeste, persische und türkische Reiter, Stadtansichten, Zirkus, bayerische Chevaulegers.
Das Schweizerische Landesmuseum Zürich übernimmt aus der ehemaligen Sammlung des Pfarrers Denier in Attinghausen eine große Anzahl von Formen; im Jahresbericht des Museums von 1908 wird aufgeführt, dass aus dieses Formen 1963 Blankgüsse angefertigt wurden, die noch ihrer Kolorierung harren. |
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Katalog der Figurina Helvetica aus den Jahren 1947/48 über Nachgüsse der Alt-Aarauer-Zinnfiguren |
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Quellen: Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band VII (Süddeutsche Zinngießer - Anhang), Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931 Adressbücher Aarau (Geneal-Forum online) Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote vom 21. Februar 1833, 7. März 1833 und 26. März 1835 (digiPress) Der Schweizer Bote vom 25. und 29. November 1837 (digiPress) Schweizerischer Militär-Almanach für Offiziere und Militärpersonen, Dritter Jahrgang, Baden 1845 Google) Schweizerisches Fest-Album - Historische Beschreibung der Haupt-Begebenheiten und der Volksfeste in der Bundesstradt Bern 1857, Burgdorf 1857 (Google) Über die dritte schweiz. Industrie-Ausstellung in Bern 1857, Bern 1858 (Google) Gemeinnütziger Haus-Kalender oder der neue Richtige Bote auf das Schaltjahr 1868, Baden bei Joseph Huwiler (Google) Katalog der Aargauischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Aarau 1. August - 26. September 1880 (Google) L. Meyer-Zschokke: Die Schweizer Zinnfiguren-Industrie in Wegleitung des Kunstgewerbemuseums der Stadt Zürich Nr. 13 - Ausstellung "Die Lithographie" 10. Juni bis 23. Juli 1916 Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924 John A Brown: Das Zinngießerhandwerk der Schweiz, Baden (Schweiz) 1930 Dr. Gustav Bossard: Die Zinngießer der Schweiz und ihr Werk, Band I - Zug 1920 und Band II - Zug 1934 Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971 Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München, 1979 Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985 Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987 Herzlichen Dank an Alfred R. Sulzer für hilfreiche Hinweise, Unterlagen und Fotos! |
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| letzte Aktualisierung 25.10.2025 | |