Wehrli, Johann Rudolf - Aarau
Wehrli, Friedrich - Aarau

 

1801

Johann Rudolf Wehrli wird am 20. Dezember 1801 in Küttigen bei Aarau geboren.

 

1814

Er beginnt 1814 eine Lehre bei Johann Wilhelm Gottschalk.

 

1818

Als Geselle geht er acht Jahre auf die Wanderschaft durch die Westschweiz, Deutschland (auch Nürnberg) und Österreich.

 

1824

Er arbeitet bei Johann Jakob Ulrich Bauer in Chur.

 

1828

Er wird in Aarau Meister, heiratet Rosina Brunner, geb. Schmid und eröffnet ein eigenes Geschäft.

 

 

             Zinn-Marken des Johann Rudolf Wehrli

 

 

Neben den üblichen Zinngegenständen (Teller, Platten; als besondere Spezialität Gegenstände für medizinische Zwecke: Kanülen, Bettpfannen, Spritzen in allen Größen, Katheter etc.) stellt er auch Zinnfiguren bzw. Zinnkompositionsfiguren her. 

Nachdem Rosina Wehrli stirbt, geht er eine zweite Ehe mit Elisabeth Frei aus Densbüren ein.

Als Zeichner und Graveure beschäftigt Johann Rudolf Wehrli einen seiner Brüder und den taubstummen "zwar ohne künstlerische Schulung, doch mit viel Geschmack und Verständnis arbeitenden" Gottlieb Käser.

Später wird als Hilfskraft noch "mit wenig Eignung" J. Stirnimann eingestellt.

 

1843

Nachdem Johann Wilhelm Gottschalk am 18. Februar 1843 stirbt, übernimmt er dessen Formen.

 

1847

Der Sohn Friedrich Wehrli wird am 30. September 1847 in Aarau geboren.

 

1857

Johann Rudolf Wehrli bekommt auf der dritten Schweizer Industrie-Ausstellung in Bern "für ein Assortiment Zinnspielwaaren" eine Broncemedaille. "Die Ausführung dieser Gegenstände ist in ihrer Art sehr schön und bemerkenswerth, als die einzige Anstalt dieser Art in der Schweiz."

 

1863

Friedrich Wehrli geht bei seinem Vater für drei Jahre in die Lehre.

 

1876

Johann Rudolf Wehrli stirbt am 11. Februar 1876.

Friedrich Wehrli übernimmt die Zinngießerwerkstätte "in ganz zusammengeschrumpftem Betriebe" und stellt J. Stirnemann als Hilfskraft ein.

 

1887

Nachdem der Betrieb "als unrentable Betätigung" immer weniger Umsatz macht, gibt er das Geschäft 1887 auf.

Damit erlischt in Aarau das Zinngießer-Handwerk. 

 

1919

Friedrich Wehrli stirbt am 12. Dezember 1919.

 

 

Fußbrettchen (Wege):

 

 

          Sigel Gottlieb Käser            Sigel F. Eggiman

 

 

Zinnfiguren und Zinnspielzeug:

 

Dr. Gustav Bossard schreibt u. a.:

"Die frühesten Modelle tragen den deutlichen Stempel der Frederizianischen und Napoleonischen Zeit. Die Uniformen sind bis ins Detail korrekt. Neben den kriegerischen Gestalten finden wir aber auch alle möglichen Typen aus dem bürgerlichen Leben. Der Einfluß der Maler Reinhard und König ist ein prägnanter bei der Darstellung von Bauern, Biedermeier-Herren und Damen.

Ausser den Menschen wurden aber auch Tiere aller Art reproduciert, Jagden, Menagerien, Promenaden und Theater, u.s.w. Von eigenem Reiz ist die Darstellung des Paradises, voll komischer Bilder die Soldaten-Fassnacht.

Die Modelle zu den Figuren stammen kaum von den Zinngiessern selbst. Der Einfluß des in Aarau wohnenden Kunstmalers J. Reinhard ist deutlich. Auch ist die Mitarbeit des Zeichners und Plastikers F. Eggiman bei Gottschalk nachgewiesen. In Wehrlis Werkstatt hat Gottlieb Käser, J. Stirnimann und zeitweise ein Bruder Wehrlis die künstlerische Arbeit ausgeübt."

Außerdem: Gartenfest im Biedermeier, Schweizer Truppen, Zoo, Türken, Volksleben, Turnfeste, persische und türkische Reiter, Stadtansichten, Zirkus, bayerische Chevaulegers.

 

Das Schweizer Landesmuseum Zürich übernimmt aus der ehemaligen Sammlung des Pfarrers Denier in Attinghausen eine große Anzahl von Formen; im Jahresbericht des Museums von 1908 wird aufgeführt, dass aus dieses Formen 1963 Blankgüsse angefertigt wurden, die noch ihrer Kolorierung harren.

Abbildungen sind bei Kollbrunner und auf der Webseite des Landesmuseums zu finden! 

   
 

Quellen:

Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band VII (Süddeutsche Zinngießer - Anhang), Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931

Schweizerisches Fest-Album - Historische Beschreibung der Haupt-Begebenheiten und der Volksfeste in der Bundesstradt Bern 1857, Burgdorf 1857 (Google books) 

Über die dritte schweiz. Industrie-Ausstellung in Bern 1857, Bern 1858 (Google books)

L. Meyer-Zschokke: Die Schweizer Zinnfiguren-Industrie in Wegleitung des Kunstgewerbemuseums der Stadt Zürich Nr. 13 - Ausstellung "Die Lithographie" 10. Juni bis 23. Juli 1916

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

John A Brown: Das Zinngießerhandwerk der Schweiz, Baden (Schweiz) 1930

Dr. Gustav Bossard: Die Zinngießer der Schweiz und ihr Werk, Band I - Zug 1920 und Band II - Zug 1934

Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München, 1979

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

 

 

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