Hilpert (Hilbert) - Coburg/Sachsen
Hilpert - Nürnberg
Stahl (Johann Ludwig Stahl's Hilperts seel. Erben Kunstwaaren-Verlag) - Nürnberg
   
1702

Am 27. Februar wird Andreas Hilpert (auch Hilbert), der Sohn des Weißgerbers Johann Hilpert, in der St. Petri-Kirche in Kulmbach getauft.

   
1717

Seine 1698 geborene Schwester Dorothea Margarethe Hilpert heiratet den Coburger Goldarbeiter Johann Gottfried Beyer, der mit dem Zinngießer Johann Jacob Beyer verwandt ist.

   
1720 Andreas Hilpert beendet erfolgreich eine Zinngießerlehre.
   
1727

Er legt die Meisterprüfung ab und wird in Coburg (damals Sachsen) Bürger und zum Zinn- und Kannengießermeister freigesprochen.

   
1729

Andreas Hilpert heiratet die Zinngießermeisterswitwe Anna Barbara Pfretzschner, eine geborene Sinn aus Unfind und Witwe des Coburger Zinngießermeisters Johann Georg Pfretzschner (* 1680; † 1727).

Anna Barbara Pfretzschner bringt die Tochter Anna Margarethe Pfretzschner mit in die Ehe.

Das Ehepaar hat mindestens drei Kinder: Kunigunde Barbara Hilpert (* 1730), Johann Gottfried Hilpert (* 3. September 1732, getauft 4. September 1732 - Gevatter ist Johann Gottfried Beyer, Gold- und Silberarbeiter) und Johann Georg Hilpert (getauft 17. Februar 1736 in Coburg).

Die Wohnung ist in der Spitalgasse in Coburg.

   
1730 Andreas Hilpert wird im Gebäuderegister der Stadt Coburg aufgeführt und zahlt für das Handwerk 25 fl.
Er wird Vormund der Kinder seiner verstorbenen Schwester.
   
1733 Nach den Stadtrechnungen wird im einige Jahre die halbe Bäth (Landessteuer, Hauptabgabe an den Landesfürsten) erlassen, "weil er bei den Spritzen (wichtige Stelle bei der Feuerwehr) Dienst tut".
   
1738 Johann Gottfried Hilpert besucht die Städtische Ratsschule.
   
1742 Der Rat der Stadt gibt Andreas Hilpert und Johann David Pfretzschner "deenen beeden Zinngießern" Bedeutung, "künfftig keinen Eich-Kopf oder Gemäß zu verkauffen, sey denn solches von dem Rats-Schröter ordentlich geachtet, und mit dem Raths-Zeichen gestempelt worden".
   
1746

Die 1742 erteilte Anordnung wird wiederholt. Als dritter Zinngießer wird Justus Friedrich Grünewald genannt.

Johann Gottfried Hilpert beginnt am 3. Januar 1746 eine Zinngießerlehre bei seinem Vater; er beendet sie erfolgreich am 13. Januar 1750.

   
1750

Auch Johann Georg Hilpert erlernt vermutlich zwischen 1750 und 1754 in der väterlichen Werkstätte in Coburg das Zinngießerhandwerk.

   
1753

Nach seinen Lehr- und Wanderjahren kommt Johann Gottfried Hilpert nach Nürnberg und arbeitet dort sieben Jahre als Geselle.

   
1760 Andreas Hilpert unterzeichnet am 27. März 1760 mit dem Obermeister Justus Friedrich Grünewald und dem Christian Gottlieb Busse einen Empfehlungsbrief für seinen Sohn Johann Gottfried Hilpert:
"Wir Ober- und sämtliche Meistere des löbl. ZingiesserHandwerks in der Herzogl. Sächß. Residenz-Stadt Coburg fügen hiermit jedermanniglich nebst Entbietung unserer freundlich und willigen Dienste zu wiessen, daß zu Ende gesezten Dato vor uns erschienen unser werther Mitmeister Andreas Hilpert alshier, und Namens seines Sohnes Johann Gottfried Hilpert zu vernehmen gegeben, wie nun gedachter Sohn bey ihm das ZingiesserHandwerk bekanntermasen ordentlich gelernet, und ihm nun schrifftlich gemeldet, wie er seines ehrlichen Auslernens und Verhaltens wegen eines schrifftl. beglaubten Scheins, den er an Ort und Ende seines Nierlassens fürlegen, und dessen sich seiner EhrenNothdurff nach gebrauchen könne, benöthiget wäre, mit angefügter Bitte, ihm dergleichen informa probante zu ertheilen. Wann wir dann seinen billigen Suchen nicht entstehen können, sondern vielmehr durch Bezeugung der Wahrheit seine Wohlfarth zu befördern uns pflichtig und schuldig erachtet: Als urkunden und bekennen wir hiermit bey denen Pflichten und Eiden, wormit der Zeit dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Franz Josias, Herzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westphalen, Landgrafen in Thüringen, Marggrafen zu Meissen, gefürsteten Grafen zu Henneberg, Grafen zu der Mark und Ravensberg, Herrn zu Ravenstein, Ritter des Königl. Pohln. weißen AdlerOrdens, unserem gnädigsten Fürsten und Herrn, wir verwandt und zugethan sind, daß uns und einem ganzen Handwerk nicht allein wissen, sondern auch unser HandwerksBuch ein solches des mehreren besagt, wasmasen obgedachter Johann Gottfried Hilpert den 3. Januarii ao. 1746 vor verdammelten Handwerk und offener Lade bey obernannten seinen Vater das ZingiesserHandwerk zu erlernen auf vier Jahr ordentl. aufgenommen und nachdem er solche vier Jahre unverruckt aneinander ausgestanden, sich auch mittler Zeit fromm, gehorsam, treu, fleisig, ehrerbietig und wohl wie einem ehrliebenden Lehrling eignet und gebühret, verhalten, hinwieder den 13. Januarii 1750 vor offener Lade und versammelten Handwerk frey, ledig und loß gesprochen worden, Gelanget demnach an Männigl. Standes und Würden nach denen dieser offene Brief zu sehen oder zu lesen vorkommt, sonderl. aber an alle ehrliche und zünfftige Meister vielbesagten ZingiesserHandwerks, unser reßpec Dienst und freundl. Bitten und Ersuchen, diesen vorstehenden allen nicht alleine völligen Glauben geben, sondern auch BriefZeigern Hilperten seiner zunfftmäsigen Lehre und Wohlverhaltens wegen durch geneigte Hülfe und Beförderung dieses ertheilten LehrBriefes fruchtlich geniesen zu lassen. Solches wird er hoffendlich seiner Schuldigkeit gemäs mit Dank erkennen, und um einen ieden willigst zu verdienen bereit leben, wir aber werden in der gleichen und andern Gelegenheiten es zu erwiedern nicht ermangeln. Gestalten dem zu Urkund und mehrerer Bekäfftigung dessen allen diesen Lehrbrief unter Anhängung unseres gewöhnlich brauchenden HandwerksInsiegels und eigenhändiger Unterschrifft ausgefertigt worden.
So geschehen Coburg den 27ten Martii im Jahr nach Christi Heilwerthen Geburt SIEBENZEHENHUNDERT UND SECHZIG
Just Friedrich Grünewald
Jetziger Zeit als Obermeister
Andreas Hilpert
Christian Gottlieb Buße"
   
 

Am 5. Juni 1760 ersucht Johann Gottfried Hilpert um Erteilung des Bürgerrechts in Nürnberg.

In seinem Gesuch zur Erteilung des Bürgerrechts heißt es: "Jetzt sei er im Begriff, das Meisterrecht anzusuchen, und bitte daher um das Bürgerrecht. Sein Vermögen bestehe außer dem, was zu den Bürger- und Meisterrechten erforderlich sei, noch aus 200 Gulden in bar, die er alle Zeit getreulich verlosungen [d. h. versteuern] wolle. Darüber gebe er seine Unterschrift und nenne als seine Zeugen den Rotbierbräuer Johann Ludwig Ammon und den Zinngießer Johann Wolffgang Pintz. Sollte er innerhalb vier Jahren seine Losung nicht ordentlich bezahlen, so wolle er des Bürgerrechtes wieder verlustig sein und wieder in die Hochfürstlich Sachsen-Coburg- oder Gothaschen Lande ziehen."

Seinen Lehrbrief der Obermeister und Meister des Zinngießerhandwerks zu Coburg legt er vor. 

Am 3. Juli 1760 wird er Bürger, fertigt am 14. Juli 1760 sein Meisterstück bei dem aus Halle stammenden Zinngießermeister Christian Gottfried Lorsch († 20. März 1787), und wird am 20. Juli 1760 zum Meister gesprochen.

 

Am 30. September heiratet er in der Conventstube bei St. Lorenz Maria Magdalena Pintz (* 1730; † 2. Mai 1798) die Tochter des "ehrbaren und kunstreichen" Zinn und Kannengießers Johann Wolffgang Pintz, auch Bintz oder Püntz (* 28. Juni 1691; † 30. August 1769), der auch "Capitain d'armes bei der löblichen Bürgerschaft in Nürnberg" ist.

   
     Stadt- und Meisterzeichen des Johann Georg Hilpert
   
 

Das Ehepaar hat drei Kinder, Johann Wolfgang Hilpert (* 25. April 1763) der unverheiratet bleibt, Eleonora Maria Hilpert (getauft am 1. August 1761; † 20. März 1816) und Sibylla Margarete Hilpert (getauft am 6. August 1768; † vor Februar 1801).

 

Die beiden Schwestern von Maria Magdalena Hilpert sind ebenfalls verheiratet, die eine mit dem Zinngießer Johann Jacob Marx († 2. Februar 1783), die andere mit dem Rotbierbrauer Johann Ludwig Ammon (getauft am 15. Februar 1723; † 11. Oktober 1772), dem Stammvater der Zinngießerfamilie Ammon.

 

Johann Gottfried Hilpert gehört nach dieser Heirat zu den etablierten Handwerkern der Reichsstadt Nürnberg.

Bis zu seinem Tod übt er die Zinngießerei im eigenen Haus "Hinterm Bergauer", Oberer Bergauerplatz L23 alt, spätere Haus-Nr. 8, aus.

   
1764

Johann Georg Hilpert arbeitet nach den üblichen Wanderjahren bis zu seinem Tod als Zinngießergeselle in der Werkstatt seines Bruders. Er bleibt unverheiratet und erlangt wahrscheinlich nie das Meisterrecht.

   
                                             Aus der Affenserie
   
 

Er war besonders als Bleifigurenmacher geschätzt. Roth schreibt in seiner Geschichte des Nürnbergischen Handels IV S. 100 über Johann Georg Hilpert: "Dieser Mann, welcher wegen der meisterhaften Formen, die er zu den in Zinn gegossenen naturhistorischen Vorstellungen, vielen Porträten berühmter Männer von Madaillon und vielerlei anderen Dingen mehr, verfertigt, konnte mit Recht Anspruch auf die Würde eines Künstlers machen. Seine Arbeiten wurden häufig nach Holland, Rußland, England etc. verschickt und noch nirgends mit solcher Vollkommenheit nachgemacht."

   
 
  Friedrich der Große (13 cm hoch) Joseph II, Kaiser von Österreich (12,8 cm hoch) Fürst in grüner Uniform (12,3 cm hoch)
       
 

"Wie die Bildnismedaillons sind auch die nachgenannten Zinnfiguren, die häufig das verbundene Monogramm JH tragen, als gemeinsame Arbeiten der Gebrüder Hilpert zu betrachten, zu denen später noch der Sohn des Johann Gottfried Hilpert, Johann Wolfgang Hilpert (* 25. April 1763; † 2. Mai 1800) hinzukommt."

 

"Von den Portraitmedaillons aus der Werkstatt von Hilpert lassen sich 54 Exemplare nachweisen. Die Medaillons, rund oder oval, ungefähr 8 - 10 cm im Durchmesser und farbig bemalt, zeigen zeitgenössische (Herrscher) Persönlichkeiten und waren als Wandschmuck gedacht. Die meisten Medaillons sind mit "Hilpert fecit" gekennzeichnet. Allerdings stammen nur die runden Medaillons von Johann Georg Hilpert, die ovalen hat sein Neffe Johann Wolfgang Hilpert geschaffen."

   
       
 
  Papst Pius VI. (Ø 9,5 cm) Friedrich der Große (Ø 7,4 cm) Maria Theresia (Originalgröße 11 x 9,7 cm)
       
 
  Friedrich Heinrich Jacobi (Ø 9,5 cm) Fürst de Ligne (Ø 9 cm) König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (Ø 9 cm)
   
1767

Johann Christoph Schellhorn wird vom 12. Juli 1767 bis 22. Juli 1771 bei Hilpert - in dessen mehr als 40-jährigen Tätigkeit als Meister offensichtlich als einziger Lehrling - ausgebildet.

1769 Johann Gottfried Hilpert übernimmt nach dem Tod seines Schwiegervaters Johann Wolffgang Pintz dessen Geschäft und Werkstätte.
   
1771 In Coburg geht es Andreas Hilpert und seiner Frau seit ein paar Jahren wirtschaftlich nicht sehr gut.
Im Ratsprotokoll vom 26. Februar 1771 wird als Notíz vermerkt:
"Verspricht Anna Barbara Hilpertin, Zinngießerin dies Orts, ihrer Hausfrau Annen Catharinen Höhnin wegen des rückständigen Hausmiethzinses ein Pfand zur Sicherheit zu extradiren (herauszugeben), dagegen letztere sie bis kommende Walburgis ungehindert im alten Quartier zu lassen zugesagt hat."
 
Andreas Hilpert stirbt am 19. März 1771.
   
1773 Von 1773 - 1776 ist Johann Gottfried Hilpert Geschworener seines Handwerks.
   
1776 Anna Barbara Hilpert stirbt.
   
1777 Johann Wolfgang Hilpert beginnt eine Zinngießerlehre in der väterlichen Werkstätte.
   
1778 In der Litteratur- und Theater-Zeitung No. XYLIV vom 31. Oktober 1778 steht:
"Endlich ist auch die Abbildung des Kaisers zu Pferde in Zinn vom Herrn Hilpert zu Nürnberg erschienen. Der Künstler hat hier, so wie bey der Abbildung Sr. Majestät des Königs von Preußen nach Chodowiecki, das Seinige rechtschaffen geleistet. Er hat dazu von vielen größtentheils gut getroffenen Abbildungen des Monarchen überall das Beste und Zweckmäßige ausgewählt. Im Hauptwerk hat die vom Herrn General von Steckendorf mitgetheilte schöne Büste, ein kleines von Herrn Generaldirektor Schmutzer übersandtes Profil, und eine Silhouette von Herrn Felsecker, die Hauptgrundlage abgegeben. Auf des mittlern bündige Versicherung gründet man die Hofnung, sich der Aehnlichkeit des Originals genähert zu haben. Das Hilpertsche Beyspiel hat daselbst einen jungen Künstler mit Namen Beck, der sich auch auswärts bereits mit Beyfall versucht, den Anlaß dargereicht, es in Royalbogengröße genau abzuzeichnen, und daraus in das Kupfer zu übertragen."
   
  Im Ditten Stück der Olla Potrida steht unter Kunstnachrichten:
"Unser geschickter Künstler, Hr. Hilpert, hat nach dem Chodowickyschen Kupferstich das Bild Sr. Majestät des Königs von Preussen zu Pferde, in Zinn, und mit Farben illuminirt, auf das treffendste und ähnlichste gegossen. Eben so gut ist ihm der zinnerne Abguß des Weisen von Ferney gerathen, wo der alte Dichter in seinem Schlafpelz, und mit allen seinen Zügen erscheint.
Ebenderselbe hat nun auch das Bildniß des Kaisers zu Pferde nach Originalzeichnungen in Zinn geliefert. Der Monarch ist sehr wohl getroffen, so wie das Bildniß des Feldmarschalls Lascy, in Zinn und Medaillenform."
   
  In den Gothaischen gelehrten Zeitungen vom 15. April 1778, im Neu verbesserten Prager Real Conversations Intelligenzblatt vom 25. April 1778 und in der Augspurgischen Ordinari Postzeitung vom 25. April 1778 wird berichtet:
"Ein überaus geschickter Künstler, Herr Hilpert in Nürnberg, fertiget nach dem Kupferstich des H. Chodowiecky Abgüsse des Königs von Preußen Maj. zu Pferde in der Höhe von 6 Zollen, aus einer gewissen Composition von Zinn, die er auf beyden Seiten mit Farben ausmalt, und besonders die Gesichtsbildung dem Original treffend zu machen sich bemühet. - Eine Abbildung, die einer rühmlichen Erwähnung um so mehr verdient, da der einstimmige Beyfall der Kenner sich bereits dafür erklärt - Ein sicherer Cavalier daselbst läßt nun den Pendanten dazu, des Kaisers Maj. ebenermasen zu Pferde fertigen, wozu er eine fürtrefliche Büste und gute Schildereyen erhalten. Der Künstler soll sich bemühen seinen Helden auf einem jungen muthigen Roß lebhaft vorzustellen, und das Charakteristische in der Person des Monarchen eben so fühlbar und einnehmend zu bemerken, als es den Seelenmaler Chodowieky bisher gelungen." 
   
1781 Aus der Coburger "Strengschen Verlaßenschaft" kommt eine Erbschaft über 288 fl; nach der Coburger Stadtrechnung von 1781/82 wird sie nach Abzug von 28 fl 16 gr 10 Pf nach Nürnberg "exportiert".
   
1783

Johann Gottfried Hilpert wird zum Gassenhauptmann seines Stadtbezirks "bei den Barfüßern" berufen.

   
     Preisliste 1784
   
1785

Von 1785 - 1788 ist Johann Gottfried Hilpert wiederum Geschworener des Zinngießerhandwerks.

   
1787

Johann Wolfgang Hilpert legt am 12. März 1787 die Meisterprüfung bei dem Zinngießermeister Christoph Wilhelm Marx

(† 1828) ab erhält das Meisterrecht und bleibt aber, wie schon in seiner Lehrzeit, in der Werkstätte seines Vaters.

   
1791 In der Handlungs-Zeitung werden die Gebrüder [sic!] Hilpert als "Bleyfigurenmacher" aufgeführt.
   
1795

Johann Georg Hilpert stirbt am 18. Juni 1795 an Auszehrung und wird als Junggeselle am 22. Juni 1795 in das "Herrengrab" (ein Massengrab für Ledige) Nr. 1700 auf dem St. Rochuskirchhof beigesetzt.

   
1800 Am 2. Mai 1800 stirbt Johann Wolfgang Hilpert unverheiratet an Auszehrung und wird am 5. Mai 1800 begraben.
   
1801

Anfang des Jahres ist Johann Gottfried Hilpert als Gassenhauptmann erheblichen Anfeindungen seiner Mitbürger ausgesetzt. Unter General Gabriel Barbou des Courières (* 23. November 1761 in Abbeville; † 6. Dezember 1827 in Paris)  werden in den Häusern der Nürnberger französische Soldaten zwangseinquartiert. Die Bürger meinen, er könne als Gassenhauptmann diese Zwangseinquartierung abwenden.

 

Er stirbt am 5. Februar 1801 und wird am 10. Februar 1801 begraben.

Im Meisterbuch heißt es wörtlich: "1801, den 5. Februar ist dieser Meister Selig in Herrn Erschlaffen und am ditto Ehrlich zur Erden bestadett worden".

Begraben wird er - wie seine Frau - in dem alten Pintz'schen Familiengrab auf dem St. Johanniskirchhof; der Grabstein trägt die Nummer 303, aber keinen Hinweis darauf, dass hier ein Meister ruht.

 

Die Tochter geht in der von ihr verfaßten Todesanzeige in dem Nürnberger Friedens- und Kriegs-Courier vom 7. Februar 1801 auf die Anfeindungen ein: "Trauer-Anzeige. Wie ein müder Wanderer dahinsinkt, so unterlag von der traurigen Beängstigung den 5. des Abends um 8 Uhr mein guter unvergesslicher Vater Johann Gottfried Hilpert, sanft wie sein Tod! ruhig sein Abschied von einer Welt, wo Dienstpflicht mit hartem Undank belohnt wurde. Einsam, von all den Meinigen, nun ganz verlassen, weine ich Trostlos an seinem Grabe. Gott entferne von jedem edeln Freunde solche Schicksale; dies wünscht mit redlicher Seele Eleonora Maria Hilpertin."

 

Am 4. Juni 1801 heiratet der Nürnberger Landvermesser und Kupferstecher Johann Ludwig Stahl (* 30. September 1758 in Nürnberg (Taufe); † 1. Februar 1835 in Nürnberg), Sohn des Wachsbossierers Johann Sebastian Stahl (1712 - 1764), die Eleonora Maria Hilpert (getauft am 1. August 1761), die im Sterbebuch von Heilig-Geist als Graveurin bezeichnet wird.

 

Nach Hilperts Tod übernimmt Johann Ludwig Stahl (Mitglied der Malerakademie (1786) und Mitbegründer des Albrecht-Dürer-Vereins (1792)) die Werkstatt und die Formen.

Er ist Kupferstecher, Wachsbossierer, Miniaturmaler, Radierer und Geometer und leitet einen Kunstverlag.

   
     Genealogie (Stammtafel) und Kupferstich-Beispiele Stahl
   
1802

Im Reichs-Anzeiger No. 53 vom 23. Februar 1802 steht unter "Kauf- und Handels-Sachen": "Kunst- und Spielsachen. Unter die mannichfaltigen Gegenstände, die zu angenehmer Unterhaltung der Jugend und zugleich in mancher Rücksicht zu deren Belehrung anwendbar sind, können ohnstreitig die schon seit vielen Jahren sowohl hier als auswärts genugsam bekannten Hilpertischen Figuren, von einer gewissen Zinncomposition, die nach der Natur mit möglichstem Fleiß ausgemahlt sind, gezählt werden, unter denen sich nach so vielfältig erhaltenen Beyfall, die nach den besten Mustern gearbeiteten Thiere, verschiedenes Militair, Jägertypen, ländliche Scenen, Galanteriestücke u. a. m. vorzüglich auszeichnen.

Da nun ich der Unterzeichnete auf ohnlängst erfolgten seel. Hintritt obgedachter Künstler, mittelst ehelicher Verbindung mit der einzig hinterbliebenen Hilpertischen Tochter, in den alleinigen Mitbesitz sämmtlichen diesseitigen Kunstwaaren-Verlags getretten bin: als mache ich dieses unsern verehrtesten Gönnern und Freunden, ingleichen dem gesammten handelnden Publicum mit der ausdrücklichen Versicherung andurch bekannt; daß es uns ferner die angenehmste Pflicht seyn wird, alle auf unsere Artikel eingehenden Bestellungen mit der von unsern würdigen Vorfahren gewohnten Pünctlichkeit und Realität schleunigst zu besorgen.

Zugleich will ich bemerken, daß dieser ohne hin schon ansehnliche Verlag, von Zeit zu Zeit mit neuen Vorstellungen dieser und auch andrer Art durch meine eigene Hand vermehrt wird; was ich außer der Kupferstecherkunst auch in diesen Fach künftig leisten werde? Dies mögen Kenner und Liebhaber aus den, nach einen Pariser Original auf zweyerley Art bereits gefertigten Portrait des ersten Consuls Buonaparte zu entnehmen belieben. Das eine als freystehende Figur 6 Zoll hoch und das andere en medaillon in einen saubern hölzernen Rähmchen, beyde schön ausgemahlt.

Ersteres kann ich für 45 kr. letzteres für 36 kr. Rhein. erlassen. Als Gegenstück werde ich das Bild des Erzherzogs Karl, in nemlichen Größen und Preisen ehestens liefern.

Übrigens enthält ein gedrucktes Verzeichniß eine genaue Beschreibung unsers sämmtlichen Verlags mit beygesetzten Preisen, welches bey uns für 6 kr. Rhn. zu haben ist. Briefe und Gelder erbitten wir uns frey, unter Addresse an

Joh. Gottfried Hilpert's, seel. Erben, oder Joh. Ludw. Stahl, Graveur in Nürnberg Lit. L. No. 72"

   
1803

Im Reichs-Anzeiger No. 10 vom 13. Januar 1803 steht:

"Anfrage. Es besitzt jemand drey Thierfiguren von Zinn, die sehr sauber mit Oelfarben nach der Natur colorirt sind, und auf dem Fußgestelle folgende Inschrift haben: Cervus Tarandus Sibiricus - Cervus Tarandus Mas - Cervus Tarandus foemina

Sie sind sowohl in der Zeichnung als im Colorit weit vorzüglicher, als diejenigen, welche Dreyßig in Halle verkauft. Wo sind solche zu haben?"

 

Im Reichs-Anzeiger No. 52 vom 24. Februar 1803 steht:

"Beantwortung der Anfrage nach Zinnfiguren. Auf die Anfrage im 10 St. des R. A. d. J. wo die sonder nach der Natur mit Oelfarbe colorirten Zinnfiguren, nämlich: Cervus Tarandus Sibiricus - Cervus Tarandus Mas - Cervus Tarandus Femina zu haben sind, dienet hiermit zur Antwort, daß solche nebst noch mehr anderen dergleichen zur Natur-Geschichte gehörigen Figuren, bey Unterzeichnetem zu finden sind.

Ein gedrucktes Verzeichniß hierüber mit einer genauen Beschreibung unsers sämmtlichen Verlags nebst beygesetzten Preisen ist bey uns ebenfalls für 6 Kr. rheinl. zu bekommen. Briefe und Gelder aber erbitten wir uns frey. 

Joh. Gottfried Hilpert, seel. Erbe und Johann Ludw. Stahl, Graveur und Kunsthändler in Nürnberg, Sect. L. Nro.72" 

 

Im Reichs-Anzeiger No. 122 vom 10. Mai 1803 steht:

"Auf die Anfrage im R. A. Nr. 10 gibt Unterschriebener folgende Nachricht: der Verfertiger der Thierfiguren ist mir zwar nicht bekannt; indessen kenne ich einen Künstler, der dem Anfrager, wie ich in dieser Arbeit von seinen Künstler-Talenten hoffe, hinlänglich ein Genüge leisten wird, so bald man ihm nur gute Zeichnung und richtige Colorite liefern würde. 

Es käme demnach auf einen Versuche an, wozu ich einen Privatbriefwechsel dem Anfrager hierdurch, wenn ihm daran gelegen seyn sollte, ergebenst vorschlage; Briefe werden portofrey erbethen. Halle an der Saale, den 20. Jan. 1803.

C. A. Buhle, Subrector am Königl. Reform. Gymnas."

   
1805

Johann Ludwig Stahl bietet die Abgüsse mit einem Verzeichnis an: "Verzeichnis über verschiedene fein und ordinaire gemahlte Zinn-Figuren und ander dergleichen Kunst-Waaren, welche in des Johann Ludwig Stahls Hilperts seel. Erben Kunstwaaren-Verlag in Nürnberg, um beygesetzte Preise gegen baare Bezahlung zu haben sind (Militaire, Jägereyen, Ländliche Vorstellungen, Wägen, Hausgeräthe, Portraits en Medaillon". 

   
 
   
 

Die Formen werden nach Hampe angeblich Mitte des 19. Jahrh. von Arthur Häring, Fürth, erworben und später nach Hamburg verkauft, wo sie verschollen sind. Über diesen Zinngießer ist nichts bekannt.

Nach einer anderen Version werden die Formen von Ammon übernommen.

   
 

Figuren:

"Hilpert fecit", "Hilpert", "H" (mit Verdickung am Querbalken), "J. G. Hilpert und Jahreszahl: Medaillons mit verschiedenen Bildnissen, teils rund, teils oval; farbig bemalt mit Lackfarben. Meist bezeichnet: Hilpert fecit.

Gebert zählt folgende Persönlichkeiten auf: Kaiserin Maria Theresia (oval 11 x 9,7 cm und rund), Kaiser Joseph II. (in 2 Größen, eine Durchmesser 7,5 cm), Kaiser Franz II., Kaiserin Katharina II., Kaiser Paul I. von Russland, König Friedrich der Große (rund, Durchmesser 7,4 cm), König Friedrich Wilhelm II. von Preussen (rund und oval), König Ferdinand IV. und Königin Maria Carolina von Sizilien, Papst Pius VI., Erzbischof und Kurfürst Maximilian Franz von Österreich zu Köln und Friedrich Carl Joseph von Erthal zu Mainz, Deutschordensmeister Carl Alexander von Lothringen, Staatskanzler Wenzel Dominik Fürst von Kaunitz, Generalfeldmarschall-Leutnant Vincenz Reichsgraf v. Kolowrat-Liebsteinsky, Feldmarschall Franz Moritz Graf v. Lascy, Generalfeldmarschall-Leutnant Carl Borromäus Joseph Fürst von Liechtenstein, Generalfeldzeugmeister Charles Joseph Fürst v. Ligne, Generaldirektor der Genietruppe Carl Clemens Graf v. Pellegrini, Staats- und Konferenzminister Wolfgang Franz Xaver Ursinus Graf v. Rosenberg, Generalfeldmarschall Dagobert Sigismund Graf v. Wurmser, preuss. General v. Ziethen, Goethe (Jugendbildnis), Lavater, Benjamin Franklin, Finanzminister Necker, Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi (rund Durchmesser 9,5 cm), Jesuit M. Denis (rund und oval), Dichter C. F. Weise, Schriftsteller Johann Jacob Engel in Berlin, Kupferstecher Daniel Nicolaus Chodowiecki und ein weibliches Bildnis.

 

"J. H. verbunden"

Tierfiguren, farbig bemalt. Pferd, verschiedene hirschartige Tiere und 19 Modelle von Affen ("Naturhistorische Vorstellungen"). Figuren von Volkstypen, farbig bemalt. Winzer im Zeitkostüm (Weinlese), Landarbeiter (Arbeiten des Sommers), Lager von Zigeunern und fahrendem Volk. Figuren von Bürgertypen usw., farbig bemalt. Mann mit übereinandergeschlagenen Armen (datiert 1778; Höhe 10,6 cm), Schlittschuhläufer, Schlittenfahrt (Eisbahn).

 

"J. W. Hilpert fecit": König Friedrich der Große

   
  Voltair (Sigel "Hilpert 1778"), Kaiser Joseph II. (Sigel "J. G. Hilpert 1778")
   
     Sigel Johann Gottfried Hilpert                                 Sigel Johann Georg Hilpert
   
                                         
  Fußbrettchen (Weg)
   
     Abbildungen (aus Kunst und Kunsthandwerk - Zeitschrift des bayer. Kunstgewerbevereins 1920)
   
 

Anschriften:

1760 - 1805: "Hinterm Bergauer", Oberer Bergauerplatz L. 23 alt, spätere Haus-Nr. 8

   
 

Quellen:

Olla Potrida, Drittes Stück, Berlin 1778 (Google books)

Gothaische gelehrte Zeitungen, Dreyßigstes Stück den fünfzehnten April 1778 (Google books)

Neu verbessertes Prager Real Conversations Intelligenzblatt aus dem k. k. privilegirten Frag- und Kundschaftsamte, 17 Stück vom 25. April 1778 (Google books)

Augspurgische Ordinari Postzeitung Nro. 99 vom 25. April 1778 (Google books)

Litteratur- und Theater-Zeitung No. XLIV vom 31. Oktober 1778 (Google books)

Journal von und für Deutschland, Erstes Stück, Januar bis Junius 1784 (Google books)

Handlungs-Zeitung oder Wöchentliche Nachrichten von Handel, Manufakturwesen, Künsten und neuen Erfindungen, Gotha den 12ten November 1791, 46tes Stück (Google books)

Der Reichs-Anzeiger, Jahrgang 1802, Erster Band (Google books)

Der Reichs-Anzeiger, Jahrgang 1803, Erster Band (Google books)

Allgemeines Künstlerlexikon, Zweiter Theil, Zürich 1806 (Google books)

Beilage zum Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit No. 10 vom Oktober 1857 (Google books) 

Carl Friedrich Gebert: Die Zinngießer Hilpert in Nürnberg, in Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1914/1915

Georg Lill: Nürnberger Zinnfiguren der Familie Hilpert in Kunst und Kunsthandwerk - Zeitschrift des bayer. Kunstgewerbevereins München 1920 - Heft 3

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlagsbuchhandlung Herbert Stubenrauch, Berlin, 1924

Erläuterungen zur Spielzeug-Ausstellung im Märkischen Museum, Berlin, 18. Dezember 1927 bis 31. Januar 1928, verlängert bis 29. Februar 1928 

Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band II (Nürnberger Zinngießer), Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931

Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971

Erwin Ortmann: Zinnfiguren einst und jetzt, Edition Leipzig 1973

Walter Onken: Zinnfiguren, Mosaik-Verlag München 1976 

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Walter Reißig; Der Zinngießer Hilpert, in Heimat-Tageblatt - Monatliche Beilage des Coburger Tageblattes Nr. 2 / Februar 1980

Klaus Maurice: Das Taschenweltchen, Bayerische Versicherungskammer, 1981

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse & Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Stadtbibliothek Nürnberg: Die Reichsstadt Nürnberg und ihr Landgebiet im Spiegel alter Karten und Ansichten, Ausstellungskatalog Nr. 97/1986

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V., 1987

Walter Reißig: "Sechstausend Kandel ..." - Coburger Zinngießer und ihre Familien, verlegt durch den Verfasser , Coburg 1990

Erhard Schraudolph: Die Zinngießerfamilie Hilpert, in Sammlerbrief der Vereinigung Frei Zinnfigurensammler e. V., Jubiläumsausgabe 1997

Erhard Schraudolph: in Paradestücke - Zinnfiguren aus Nürnberg und Fürth, Tümmels-Verlag, Nürnberg 2000

Erhard Schraudolph: Hilpert - eine Nürnberger Zinngießerfamilie, im MVGN, Bd. 88, 2001

Andreas Tacke (Hg.): Der Mahler Ordnung und Gebräuch in Nürmberg, Deutscher Kunstverlag, 2001

Erhard Schraudolph: Die berühmte Nürnberger Zinngießerfamilie Hilpert, in Figurina Helvetica 2002 

Bernd Windsheimer: 50 Jahre Airport Nürnberg, Sandberg-Verlag, Nürnberg, 2005

Erhard Schraudolph: Eisvogel trifft Klapperschlange, Verlag des Germanischen Nationalmuseums 2006

   
  Zurück zur Gesamtnamensliste Hilpert
   
  Zurück zur Gesamtnamensliste Stahl
   
  Zurück zur Startseite