Verband deutscher Zinnfigurenfabrikanten - Sitz Nürnberg
   
 

Wilhelm Schwarz, Inhaber der Firma Spenkuch, gründete 1905 den Verband deutscher Zinnfigurenfabrikanten mit Sitz in Nürnberg; Versammlungsort war das "Cafe Plärrer", Am Plärrer 3.

 

Der Zweck des Verbandes ist die Wahrung und Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen:

1. die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen den Mitgliedern;

2. die Ergreifung von Massnahmen zur Beseitigung bereits vorhandener oder künftig eintretender Mißstände, die insbesondere durch gesetzliche oder behördliche Vorschriften oder sonstige die Gewerbeinteressen schädigende Vorgänge hervorgerufen werden.

 

Der ehrenamtlich tätige Vorstand, für ein Jahr von der Generalversammlung gewählt, bestand aus dem Vorsitzenden - bis 1933 blieb dies Wilhelm Schwarz -, dem Schriftführer und gleichzeitig stellvertretenden Vorsitzenden, dem Verbandskassierer und zwei Beisitzern.

 

Schriftführer war zunächst, bis November 1911, Max Erlanger, Inhaber der Firma Johann Haffner's Nachfolger, Nürnberg, und Kassierer bis 1915 Wilhelm Heinrich, Teilhaber der Firma Gebrüder Heinrich in Fürth; die Beisitzer waren seit 1907 Josef Bischoff, Inhaber der gleichnamigen Nürnberger Firma, sowie Ludwig Hörauf, Eigentümer der Firma Schildknecht und Sohn in Fürth.

 

Schriftführer und Stellvertreter war ab 1911 Ludwig Hörauf, Kassierer ab 1915 Paul Herbst von der Nürnberger Firma Christof Herbst, und Beisitzer ab 1911 Max Erlanger.

 

Bis Mitte 1933 erfolgte kein weiterer Wechsel im Vorstand; die Beisitzer wurden nicht mehr aufgeführt. Seit Juli 1933 war der erste Vorsitzende und "Führer" *) Jean Schmidt (Teilhaber der Firma Spenkuch); Schriftführer war der Kaufmann Hans Heider (seit 1922 Inhaber der Firma Josef Bischoff).

*) ab dem Jahre 1933 waren nach dem sog. Führerprinzip die Vorsitzenden von Vereinen und Verbänden als "Führer" [des Vereins oder Verbandes] zu bezeichnen. Diese Bezeichnung durfte allerdings nur in der Version "1. Vorsitzender und Führer" verwendet werden.

 

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außerdem folgende Betriebe: Christoph Ammon, Friedrich Ammon, Ernst Heinrichsen, Rudolf Lauter, Karl Metzger (alle aus Nürnberg), Hans Dörfler, Ursula Engert, Johann Georg Heinrich, Max Koch, Adolf König, Johann Georg Rupprecht, Margarethe Wabel, Gebrüder Zolles (alle aus Fürth), Theodor Krause (Gotha) und Carl Scheller (Kassel).

 

Nach der Satzung von 1905 mußten die Mitgliedsanträge schriftlich gestellt werden, über die Aufnahme entschied dann die Vorstandschaft. Die Aufnahmegebühr betrug 3,- Mark (ab 1909 30,- Mark), der Jahresbeitrag jeweils 10,- Mark:

Mitglied kann nur derjenige werden, der Zinnfiguren fabriziert ...

 

Mitglieder wurden im Laufe der Zeit die wichtigsten deutschen Zinnfigurenhersteller.

   
     Mitglieder-Liste 1934 einschließlich der Mitbegründer und der aufgelösten Firmen
   
 

Die Mitgliederliste des Verbandes wies 1934 noch 28 Firmen auf, davon 17 einheimische und 8 auswärtige. Von den Gründungsmitgliedern existierten damals nicht mehr: C. Ammon, F. Ammon, U. Engert, Gebrüder Heinrich, J. G. Heinrich, J. G. Rupprecht, C. Scheller, M. Wabel, Gebrüder Zolles, und auch der Nachfolgebetrieb von J. Haffner produzierte nur noch wenige Zinnfiguren.

 

Der neue Vorsitzende und "Führer" Jean Schmidt konnte die schwindende Bedeutung des Verbandes nicht mehr aufhalten; so löste sich der Verband am 6. Mai 1935 auf.

 

Inwieweit der Verband während seines dreißigjährigen Bestehens wirkungsvoll in Erscheinung trat, läßt sich nicht eindeutig belegen.

   
   
 

Ein nicht zuzuordnendes Dokument aus dem Jahre 1908 befaßt sich mit dem Thema

 

Bleisoldaten

 

Es ist noch nicht allgemein bekannt, dass man unter der Bezeichnung "Zinnfiguren bzw. Zinnsoldaten" eigentlich Bleisoldaten meint. Mit Ausnahme der ganz flachen Figuren sind die Bleisoldaten in der Hauptsache aus einer Bleilegierung hergestellt. Selbst die eigentlich flachen Zinnsoldaten enthielten von jeher ca. 30 - 60 % Blei. Die Bezeichnung Zinnsoldaten ist also ein aus alter Zeit übernommener usueller Begriff. Es muss daher entschieden als ein Missgriff bezeichnet werden, wenn verschiedentlich Polizeibehörden auf Grund des Zinngesetzes vom 25. Juli 1887 Beschlagnahmungen von Bleisoldaten vornahmen.

 

Um endlich in dieser Sache reinen Tisch zu machen, hat der "Verband deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten" beschlossen, diesen ewigen Beunruhigungen ein Ziel zu setzen. Die im Vorjahre im Rheinland erfolgte Beschlagnahme und Klage gegen ein Mitglied wurde vom Verband übernommen und in 2ter Instanz unter Übertragung sämtlicher Kosten auf die Staatskasse, gewonnen. Ferner wurde Herr Professor Dr. Stockmeier vom bayer. Gewerbemuseum, bekanntlich eine Autorität auf diesem Gebiete, für diese Angelegenheit interessiert. Es gelang ihm Herrn Dr. von Bumm, Director des Reichs-Gesundheits-Amtes zu überzeugen, dass Bleisoldaten zu Unrecht als unter das erwähnte Zinngesetz fallend, betrachtet werden.

 

Auf Antrag des Reichs-Gesundheits-Amtes erliess das preuss. Ministerium des Innern eine Verfügung an die Gerichte, dass Bleisoldaten nicht mehr auf Grund des Zinngesetzes beschlagnahmt werden dürfen.

 

In Bayern hat das Ministerium eine gleichlautende Verfügung schon vor einigen Jahren zum Schutze der Zinnfiguren-Industrie erlassen.

 

 

Unter anderem schreibt der Verband mit Datum vom 18. Januar 1908 seine Mitglieder wie folgt an:

 

Sehr geehrter Herr!

 

Wie bereits bekannt gegeben, ist es unserem Verbande durch die fortgesetzten Eingaben, Gutachten & persönlichen Vorsprachen bei den zuständigen Behörden, sowie durch Urteil eines geführten Prozesses gelungen, der irrigen Annahme, die Bleisoldaten unter das Nahrungsmittelgesetz zu rechnen und den dadurch hervorgerufenen Unzuträglichkeiten ein Ende zu machen, sodaß Bleisoldaten nicht mehr beschlagnahmt werden können.

 

Von Rechtswegen hätten die Beschlagnahmungen in den letzten Jahren schon unterbleiben müssen auf Grund eines uns jetzt erst durch Abschrift zugegangenen Erlasses v. 17. Septbr. 1899 des preussischen Ministeriums des Innern, den wir hierdurch mitteilen:

 

"Bleisoldaten pflegen nicht Kindern in so jugendlichen Alters zum Spielen gegeben zu werden, daß man sie nicht anhalten könnte, die Soldaten nicht in den Mund zu nehmen. Auch haben ältere Kinder schon mehr Erhaltungssinn für ihr Spielzeug; endlich - und das ist die Hauptsache - sind die Bleisoldaten mit einer in Wasser u. Speichel unlöslichen unschädlichen Öl- oder Lackfarbe bemalt, sodaß beim Anlecken und in den Mund nehmen das Blei der Figur selbst nicht gelöst wird. Erst wenn durch Abbrechen die Bruchfläche frei von deckender Schutzfarbe zu Tage tritt, ist mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Da die Fläche einer solchen Bruchstelle (ein abgebrochener Kopf, Gewehr oder Arm) aber nur klein sein wird, so dürfte eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit nicht vorliegen.

 

Bezüglich der Zusammensetzung der Farben ist der Fabrikant durch das Gesetz, betreffend die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben, vom 5. Juli 1887 gebunden; ferner wird ein sorgfältiges Bemalen der Soldaten durchaus in seinem Jnteresse liegen, da sonst seine Ware wenig verkäuflich sein würde.

 

Diesseits wird also dem Gutachten beigetreten, wonach Bleisoldaten in bemaltem Zustande im Allgemeinen nicht unter die Ziffer 2 des § 12 des Nahrungsmittelgesetzes fallen."

 

Aus diesem Wortlaut geht hervor, daß dem Erlaß ein Gutachten zu Grunde gelegt war, welches von Herrn Prof. Dr. Stockmeier, Vorstand der chemisch-technischen Abteilung des bayer. Gewerbemuseums ausgearbeitet worden war. Diese Autorität hat sich bekanntlich in der aufopferndsten Weise um unsere Sache angenommen und nun auch glücklich mit uns durchgefochten, wofür ihm auch an dieser Stelle der wärmste Dank seitens des Verbandes deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten ausgedrückt wird.

 

Möge nun jeder Zinnfiguren-Fabrikant dazu beitragen, daß die sonstigen gesetzl. Vorschriften gewissenhaftest eingehalten werden, damit sich unsere, so stark bedroht gewesene Industrie für die Folge umso kräftiger entwickeln kann.

 

Mit collegialem Gruße

Der Verband deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten.

   
   
 

Am 7. Juni 1911 ergeht nachstehendes Rundschreiben:

 

Sehr geehrter Herr!

 

Wie Ihnen bekannt sein wird, nimmt besonders das Ausland in steigendem Masse auffallendes Interesse an der Fabrikation von Spielwaren aller Art.

Da Deutschland unbedingt auf den Export angewiesen ist, haben wir alle Ursache derartiger Bestrebungen zu erschweren, soweit es in unserer Macht liegt.

Commissionen und Einzelpersonen haben oft unter uncontrollierbarem Vorwand Zugang in deutschen Fabriken gefunden und sich dadurch nicht zu unterschätzende Vorteile verschafft.

Wir bitten Sie in Ihrem eigenen Interesse derartige Besuche für die Folge nicht mehr zu gestatten.

Um eine geschlossene Abwehr zu erzielen, beabsichtigen wir auch andere Verbände zu gleichem Vorgehen zu veranlassen.

 

Hochachtungsvoll!

D i e   V o r s t a n d s c h a f t  des Verbandes deutscher Zinnfiguren-

Fabrikanten.

 

 

 

Am 28. September 1912 werden die Verbandsmitglieder wie folgt angeschrieben:

 

P. P.

Infolge der seit Monaten enorm steigenden Blei- und Zinnpreise, (Blei steht heute bereits 60 % höher als zu gleicher Zeit im Vorjahr) sehen wir uns leider veranlasst

von heute ab

einen Aufschlag von 10 Prozent

auf unsere Verkaufspreise eintreten zu lassen.

Wir bitten hiervon gefl. Kenntnis zu nehmen und empfehlen uns Ihnen

hochachtungsvoll

Der Verband deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten e. V.

 

 

 

Es gibt die Niederschrift des Ausschusses zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft "Die Deutsche Spielwarenindustrie" von 1930: Verhandlungen und Berichte des Unterausschusses für allgemeine Wirtschaftsstruktur (I. Unterausschuß) 5. Arbeitsgruppe (Außenhandel) in der Wilhelm Schwarz als Vertreter des Verbandes zitiert wird.

 

Hier heißt es u. a.:

 

Als besondere Gruppe hebt sich die Zinnfigurenfabrikation heraus. Sie ist in einem eigenen Verband (Verband Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten e. V., Nürnberg) zusammengeschlossen, dem 12 Firmen angehören. Das Deutsche Spielwarenadreßbuch von 1928 weist insgesamt 17 Firmen auf, die Zinnfiguren und -soldaten sowie Zinnspielwaren aller Art herstellen.

 

Das technische Verfahren der Herstellung wird wie folgt beschrieben:

 

Zinnfiguren - Dargestellt nach einem Gutachten des Verbandes Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten e. V., Nürnberg, und der Firma Georg Heyde & Co., Dresden, sowie nach Angaben in den mündlichen Vernehmungen.

 

Die Fabrikation der Zinnfiguren beruht auf reiner Handarbeit. Im einzelnen umfaßt die Herstellung folgende Arbeitsgänge: Der Graveur bzw. Ziseleur arbeitet nach vorher festgelegten Zeichnungen oder Modellen die Form. Die Gießformen bestehen für flache Figuren aus Schieferstein, für starke und plastische Figuren aus Messing oder Rotguß. Nach Vornahme eines Probegusses wird in der Gießerei das Gußmetall (eine Zinn- oder Bleilegierung) mittels Schöpflöffel an den eigens dazu konstruierten Gießöfen eingefüllt.

 

Man unterscheidet je nach den Herstellungsverfahren 4 Arten von Zinnfiguren: Hohlguß-, massive, halbmassive und flache Figuren. Der Hohlguß wird namentlich in England viel angewendet; er hat den Vorteil, materialsparend und daher billiger zu sein bzw. bei gleichem Materialaufwand ein größeres, ansehnlicheres Produkt zu liefern.

 

Andererseits ist die Ware zerbrechlich. Neuerdings wird auch in Nürnberg die Fabrikation von Hohlgußfiguren mehr in Angriff genommen.

Aus der Gießerei kommen die Figuren in den Verputzraum, wo sie von dem Güssel (dem durch die Eingußrinne entstandenen Ansatz) und etwaigem Grat (Gußnähten) befreit werden. Es folgt eine Reihe von Klempnerarbeiten wie das Ausrichten der verzogenen Güsse, Zurechtbiegen der Figuren und Zusammenlöten der einzelnen Teile, z. B. der Waffen an den Körper, Einsetzen der Köpfe usw.

Das Bemalen der Figuren erfordert besondere Geschicklichkeit, da selbst bei den einfachsten Figuren mehrere Malvorgänge vorzunehmen sind. Die fertigen Figuren werden ihrer Verwendung nach sortiert, auf Einlagepappen aufgesteckt oder aufgenäht und dann in Kartons verpackt.

 

Verschiedene Aussagen des Sachverständigen Wilhelm Schwarz, i. Fa. Georg Spenkuch, Nürnberg:

"Auch in der Industrie der Zinnfiguren, deren Erzeugnung von Anfang bis Ende reine Handarbeit ist, hat der Großbetrieb keinen Platz. Die meisten Betriebe zählen zu den kleinen bzw. Mittelbetrieben und beschäftigen 6 bis 50 Personen unter Einschluß der außerhalb des Betriebs arbeitenden Heimarbeiter."

"In der Zinnfigurenbranche war eine Rationalisierung nicht möglich; man ist bei der Fabrikation vollkommen auf Handarbeit angewiesen. Auch können die großen Sortimente nicht verkleiner werden, weil die Länder verschiedene Geschmacksrichtungen haben und in der Auswahl unsere Stärke liegt."

Die durchschnittliche Preissteigerung gegenüber 1913 ist 100 % für Zinnfiguren.

So war die Preisentwicklung bei einer Annahme von 100 % für 1913 im Jahre 1925 244,5 %, 1926 244,5 %, 1927 222,2 % und 1928 200 %.

Bei ihrem Aufkommen wurden die Zinnfiguren aus einer Zinnlegierung hergestellt; als die Nachfrage nach stärkeren Figuren größer wurde, ging man des Preises halber zu Bleilegierungen über. Es werden daher z. Zt. an Rohmaterialien Weichblei, Zinn und Antimon verwendet.

Sachverständiger Bierer, Fürth i. B.:

"Die deutschen Zinnfiguren sind mehr im Preis gestiegen als der Durchnitt des Spielzeugs überhaupt. Eine Steigerung von 100 % wird sich nach meiner Erfahrung mehr auf die teureren Artikel beziehen. Bei den ganz billigen Artikeln dürfte die Steigerung noch über 100 % liegen."

Vorsitzender:

"Worauf beruht dieser Unterschied?"

Sachverständiger Wilhelm Schwarz, Nürnberg:

"Die Spanne hat ihre Ursache in der verschiedenen Größe und Stärke der Figuren. Bei den flachen und dünnen Figuren ist im Gegensatz zu den starken, massiven Figuren der Rohstoffanteil viel geringer. Die Aufschläge sind auch nach der Tragfähigkeit der einzelnen Waren bemessen. Die billigsten Sorten lassen den kleinsten Gewinn, während man in den höheren Preislagen einen kleinen Ausgleich sucht."

Vorsitzender:

"Wie erklärt sich der Rückgang der Preise seit 1926?"

Sachverständiger Wilhelm Schwarz, Nürnberg:

"Hierfür sind zwei Umstände bestimmend gewesen: einmal hat sich der Rohstoff, das Blei, verbilligt, zum anderen hat die Konkurrenz dafür gesorgt, daß wir mit den Preisen heruntergehen mußten. Schließlich wurden wir auch vom Handel veranlaßt, alles zu tun, um den verringerten Umsatz wenigstens einigermaßen auf der Höhe zu halten. Manche Fabrikanten haben Aufträge nur ausgeführt, um ihre Leute zu beschäftigen, obwohl sie dabei wenig oder gar nicht verdienten. Wir sind aber jetzt so weit gekommen, daß wir diese niedrigen Preise für die Folge wahrscheinlich nicht mehr halten können, weil ja die anderen Materialien teurer geworden sind."

"Auch bei den Zinnfiguren macht sich ein starker Rückgang des Exports bemerkbar. Auslandskonkurrenz besteht in England, Frankreich, Italien, Österreich, Dänemark und der Tschechoslowakei. Die Exporteure betonen, daß die deutsche Zinnfigurenfabrikation in der Vielseitigkeit gegenüber der ausländischen Konkurrenz etwas zurückgeblieben ist, weshalb in den großen Absatzgebieten, etwa in Nordamerika, überwiegend englische Ware gekauft wird. Von Deutschland kaufen die Vereinigten Staaten heute fast nur noch die besten und teuersten Sorten, bei denen der Zoll nicht so ins Gewicht fällt. Nach England, das früher ein guter Abnehmer war, können deutsche Bleisoldaten heute kaum ausgeführt werden. Auch Japan deckt seinen Bedarf in England."

 

Aus dem Geschäftsbericht des Verbandes wird in der Deutschen Spielwarenzeitung Dezember 1930 wie folgt zitiert:

"War schon das Geschäftsjahr 1929 ungünstiger als die Vorjahre, so hat sich 1930 die absteigende Tendenz wesentlich verschärft. Der Einkauf von Zinnfiguren, Bleisoldaten und Zinnspielwaren seitens der Kundschaft vollzog sich heuer ungemein schleppend und vorsichtig ... In Rücksicht auf die gesunkene Kaufkraft des Volkes wurden billige und mittlere Sorten bevorzugt, und nur an Spielwaren-Spezial-Geschäfte in größeren Städten konnten die feinen und daher teueren Sorten, aber nur in geringeren Mengen verkauft werden. Durch die hohen Zölle des Auslandes, wie USA 70 Prozent Wertzoll ... ging der Export zurück ... Alles in allem genommen dürfte der Umsatz in unseren Artikeln dieses Jahr um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen sein, und zwar hauptsächlich infolge der so sehr verschlechterten allgemeinen Wirtschaftslage."

 

Im Juli 1933 äußert sich der Verband deutscher Zinnfigurenfabrikanten gegenüber der Industrie- und Handelskammer Nürnberg zu der 1. Verordnung zur Gesundung der Wirtschaft und zur Beseitigung sozialer Misstände im Thüringer Notgebiet (Notstandsmassnahmen in der Spielwarenindustrie) wie folgt:

 

"Die Verordnungen im Sinne des Südthüringer Bundes sind auch vom Standpunkt der Zinnfiguren-Industrie zu begrüssen. Diesen Zielen und Bestrebungen ist nur zuzustimmen. Soweit eine Übertragung auf die bayerischen und insbes. Nürnberg-Fürther Verhältnisse in Frage kommt, muss betont werden, dass zwischen dem Thüringer Wald-Gebiet Sonneberg und Umgebung und dem Grosstadt-Gebiet Nürnberg-Fürth in vieler Beziehung Unterschiede bestehen, deren Nichtbeachtung sich ungünstig für alle Beteiligten auswirken würde. Für die Zinnfiguren-Industrie kommt noch hinzu, dass dieselbe nicht wie die weitaus meisten südthüringer Industrie-Zweige örtlich gebunden, sondern durch ganz Deutschland von der Ostsee bis zum Ammersee verstreut ist."

 

 

Zu den einzelnen Anordnungen:

 

I. Gegen wilden Export: Einer Übertragung auf hiesigem Bezirk stehen Bedenken diesseits nicht entgegen. Es bestehen in der Zinnfiguren-Industrie eine Anzahl Zwergbetriebe, welche direkte Lieferungen im Sinne der Verordnung betätigen und zwar in der Hauptsache an inländische Konzerne und Grosskäufer. Die Inhaber dieser Zwergbetriebe stellen sich darauf ein, eine Brutto-Einnahme zu erzielen, die etwa dem Tariflohn entspricht oder etwas übersteigt. Kosten und Lasten des Betriebes, insbes. Entlohnung der mitarbeitenden Familienmitglieder werden kaum oder nur in der notdürftigsten Weise in der Preisberechnung berücksichtigt und demgemäss auch nach grösster Möglichkeit ausgeschaltet. Dass bei dieser Art der Berechnung Preise erzielt werden, bei welchen auch den einfachsten sozialen Anforderungen nicht genügt werden kann, liegt auf der Hand. Jeder einigermassen Kundige kann sich bei der Betrachtung der Angebote billiger Zinn- und Bleifiguren im Klein-Handel davon überzeugen, dass hier eine volksschädigende Unterbietung schlimmster Art vorliegt. Da gerade der billigste Artikel noch die meiste Gleichartigkeit aufweist, wäre hier eine zwangsmässige Mindest-Preisfestsetzung wohl möglich.

 

II. Lohntarife: Die Zinnfiguren-Industrie hat in Nürnberg-Fürth bisher die Tarife der Metallindustrie bezahlt. Irgendwelche Lohn- oder Tarifstreitigkeiten sind dem Verband seit seines Bestehens kaum vorgekommen. Die Einhaltung der hohen Lohnsätze hat in Verbindung mit der ausserordentlich hohen Belastung gerade der handarbeitenden Industrie dazu geführt, dass die Zinnfiguren-Industrie im Wettbewerbe mit dem Ausland immer mehr zurückgedrängt worden ist. Im Allgemeinen liegen die Arbeitsverhältnisse bei der fast durchweg auf Maschinen angewiesenen Metallspielwaren-Industrie und der ausschliesslich handarbeitenden Zinnfiguren-Industrie durchaus nicht gleich. Die in der Zinnfiguren-Industrie gezahlten Lohnsätze bewegen sich demgemäss weit über den Sätzen der südthüringer Verordnung.

 

Besondere Vorsicht ist geboten bei der Beurteilung der Heimarbeit. Die Grundlagen für diese sind im Nürnberg-Fürther Grosstadtbezirk ganz wesentlich andere, als im Sonneberger Bezirk. Eine äusserliche Gleichbehandlung brächte unbedingt die Gefahr mit sich, dass gerade die wirtschaftlich schwächsten und hilfsbedürftigen Arbeitnehmerkreise des Nürnberg-Fürther Bezirks schwer geschädigt würden.

 

III. Zur Wucherverordnung wäre zu erwägen, ob dieselbe nur ausschliesslich bei den gegen Hausgewerbetreibende gerichteten Fällen in Anwendung kommen soll. Eine "Notlage" ist weit über diese Kreise hinaus heute schliesslich für die ganze Zinnfiguren-Industrie gegeben. Bei den als Beigaben zu Zigaretten gegebene "Zinn"-Figuren kommen Preise von RM 6.-, RM 3.80, RM 3.50 für das Tausend handgegossener, handverputzter, mehrfarbig handgemalter Figuren vor, Preise die, wenn irgend etwas die Bezeichnung "Wucher" herausfordern. Wenn schon auf diese Weise zugegriffen werden soll, dann aber auch ganz und nicht blos bei den Kleinen.

 

IV. Mit dem bisherigen Musterschutz ist der Zinnfiguren-Industrie wenig geholfen. Bis ein Prozessverfahren durch alle Instanzen verfolgt wird, ist die Verkaufsmöglichkeit eines Artikels längst soweit erschöpft, dass auch ein obsiegendes Urteil für den gewinnenden Teil nichts bedeutet als vergebener Aufwand an Zeit, Kraft und Kosten.

 

Eine wesentliche Besserstellung wäre erzielt, wenn wirklich selbstschöpferische Ideen und Entwürfe denselben Schutz des Urheber-Rechtes geniessen dürften, der dem Schriftsteller und Künstler ohne Weiteres zukommt.

 

Wichtiger vom Standpunkte der Zinnfiguren-Industrie wäre es, dass jeder weiteren Verschleppung von

Fabrikationsmethoden, Betriebsvorteilen, Formen u.s.w. ins Ausland aufs Schärfste und wirkungsvoller als bisher entgegengetreten wird.

 

__________

 

Die im Vorstehenden niedergelegten Bemerkungen sind absichtlich knapp und mehr andeutungsweise gehalten. Zu weiteren, eingehenden Darlegungen ist der Verband stets gerne bereit.

 

Als Hauptpunkt ist schliesslich zu betonen: Alle Bestimmungen können für die Zinnfiguren-Industrie nur dann genügend Verhältnisse schaffen, wenn die Geltung durch ganz Deutschland ausnahmslos geht. Eine Regelung etwa nur für Nürnberg-Fürth oder für Bayern würde lediglich das heimische Gewerbe benachteiligen und dem später in direkter Nachahmung zum Teil der Nürnberg-Fürther Betriebe entstandenen Konkurrenz wesentliche Vorteile einräumen. Wie solches Befreitsein von Vorschriften zu fördern vermag, zeigt das unerhörte Anwachsen der Auslandskonkurrenz, insbes. in England.

   
   
 

1929 hält der Verband seine Generalversammlung in Eisenach ab. Aus dem Bericht ist folgendes zu entnehmen:

 

"Das Jahr 1929 dürfte im allgemeinen nicht befriedigt haben. nach wie vor wird die außerordentliche Belastung mit Steuern, Sozialbeträgen und Abgaben aller Art beklagt. Der Zahlungseingang ist ein äußerst schleppender. Die Zahlungsbedingungen sind einer völligen Mißachtung anheimgefallen. Alle diese Darlegungen bedeuten einen Existenzkampf von größter Schärfe. Solange dieser anhält, kann nicht von einem Aufblühen der Volkswirtschaft gesprochen werden. Das deutsche Volk ist derartig verschuldet, daß es unmöglich erscheint, so weiter wirtschaften zu können."

 

Ende 1934 - kurz vor seiner Auflösung - gibt der Verband die volkswirtschaftliche Studie "Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein" heraus, die in vielen Passagen den "braunen" Geist der damaligen Zeit wiedergibt.
Martin Schabenstiel schreibt dazu im Sammlerbrief 94/II folgendes:
Eine volkswirtschaftliche Studie aus dem Jahre 1934 als Dokument zur Geschichte der Zinnfigur
Wer in der Zinnfigur nicht nur ein Mittel zur Darstellung historischer Begebenheiten sieht, sondern ein Erzeugnis, das auch seinerseits geschichtlichen Prozessen unterworfen ist, wird die nachfolgende Veröffentlichung einer "Volkswirtschaftlichen Studie" aus dem Jahre 1934 gewiß begrüßen. Es handelt sich um ein Dokument unternehmerischer Resignation, ja Verzweiflung, wie sie damals vor allem in den traditionsreichen Zinnfiguren-Offizinen zu Nürnberg und
Fürth um sich griff. Der Zinnsoldat als Spielzeug hatte um diese Zeit offenbar buchstäblich ausgespielt, die Hersteller sahen für ihre Erzeugnisse keine Zukunft mehr.

Dies ist um so erstaunlicher, als eine neue Veröffentlichung zur Geschichte der Zinnfigur (Krannich/Vogel: Sächsische Zinnminiaturen, Leipzig 1994, S. 32) gerade die Jahre nach 1930 als die "Blütezeit des Beschäftigens mit der Zinnfigur in Deutschland" bezeichnet. Freilich bezieht sich dies auf die Entwicklung der Zinnfigur als Sammelobjekt und kulturhistorisches Medium, wie sie nach der Gründung der Sammlergemeinschaft "Clio" im Jahre 1924 immer rasanter verlief.

Diese Wandlung, die mit zahlreichen Firmen-Neugründungen vor allem in Mittel- und Norddeutschland einherging, wurde von den alteingesessenen Zinnsoldaten-Fabrikanten - wie die Studie zeigt - offenbar völlig "verschlafen". Daraus ließe sich - bei allem Vorbehalt - die These ableiten, daß sich die vielbeschworene Wandlung der Zinnfigur vom Spielzeug zum Sammelobjekt in den 20er und 30er Jahren nicht organisch entwickelte: Die erste Entwicklungslinie brach vielmehr jäh ab, während sich die zweite auf eine ganz neue Grundlage stützte.

 

 

Abschrift "Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein"  [1934]:

 

Entstehen

 

Trübe Zeiten waren gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts für das ehrsame und hochberühmte Handwerk der Kandelgießer. Porzellan und Glas verdrängten die kunstvollen Zinnkrüge und -Geschirre. Eine billige, von Italien eingedrungene, oft unlautere Konkurrenz, und das Sinken der allgemeinen Kaufkraft in und nach den großen Kriegen taten das Ihre.

 

So versuchten die Zinngießer ihrer Werkstatt Arbeit zuzuführen durch Herstellung von Soldatenfiguren für die Weihnachtsmärkte. Technisch bot diese Einführung den vielgewandten Zinngießern keine Schwierigkeiten. Künstlerisch sind die Erzeugnisse oft überaus naiv gewesen und nur wenige haben dauernde Geltung gewonnen.

 

In Nürnberg ist zuerst das entstanden, was man eine Fabrikation im heutigen Sinne nennen kann. Die fabrikationsmäßige, serien- und massenweise Arbeit war ja in der alten Noris für viele Artikel längst gang und gebe. Der Handel nahm das neue Erzeugnis als eine Bereicherung des vielberufenen Nürnberger Tandes gerne auf. So hat sich in Nürnberg und Fürth der neue Erwerbszweig konzentriert und gefestigt. Während im Laufe der Zeit bis gegen 1870 hin die weitaus meisten anderweitigen Werkstätten und Betriebe eingingen - mit Ausnahme von Dresden, Gotha, Kassel und Hannover - hat sich in Nürnberg und Fürth die Zinnfiguren-Industrie andauernd kräftig entwickelt und schließlich Weltruf erlangt.

 

 

Im Auslandhandel

 

"Nürnberger Tand geht durch alle Land". Wenn deutsches Können und deutscher Fleiß bekannt geworden sind in aller Welt, so hat Nürnberger Gewerbe hierzu von Alters her mitgeholfen. Die Zinnfiguren-Industrie an ihrem Teil hat reichlich dazu beigetragen den Ruhm ihrer Vaterstadt und ihres Vaterlandes weit hin zu verbreiten. Im Bombay und Wladiwostok, in Sydney und Montreal, in Argentinien und Chile sind Nürnberg-Fürther Zinnfiguren s. Zt. geführt und gekauft worden; selbst auf den Rücken von Mauleseln haben sie einst Mexiko erreicht.

 

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gingen die Figuren, wie so manches andere Spielzeug, nach Paris, von dort in neuer prunkhafter Verpackung als "Nouveauté de Paris" hinaus und unter Umständen wieder in solcher Verkappung nach Deutschland zurück. Bald hat sich dies geändert; um und nach 1860/70 marschierte der deutsche Zinnsoldat aus eigener Kraft und unter eigener Flagge durch die Welt. Es war einmal! Selbst die auf ihr heimisches Kunstgewerbe so überaus stolzen Pariser und Wiener haben das Nürnberg-Fürther Erzeugnis mit der Zeit schätzen und lieben gelernt. London und Petersburg haben ihre stolzen Garderegimenter in getreuer Nachbildung in solchen Mengen bezogen, daß dort jeweils bedeutend mehr Soldaten aus Metall denn als lebende Krieger z. Zt. einer Mobilmachung lagerten.

 

Als in den 80er Jahren auf den meisten europäischen Märkten hohe Schutzzölle eingeführt wurden, war die Zinnfiguren-Industrie im Stande, durch Preissenkung die Märkte zum größten Teil zu behaupten. Das Opfer der Preissenkung traf zunächst den Fabrikanten, weiterhin aber "zwangsläufig" den Arbeiter. Wohl oder übel mußte die Industrie zu möglichst billigen Arbeitskräften ihre Zuflucht nehmen. Ist doch für die Preisbildung der Zinnfiguren der Lohn der wichtigste Faktor, da Maschinenarbeit nicht möglich ist und auf die Dauer mit den so sehr verminderten Preisen kein Auskommen mehr war. Mit den späterhin wieder einsetzenden Handelsverträgen hat sich die Lage wohl etwas gebessert, der Absatz erleichtert und vermehrt, aber eine Erholung der Preise ist nicht eingetreten.

 

Damals, in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts, begannen zuerst die Bestrebungen, eingeführte Waren nicht durch Zölle zu belasten, sondern vom politisch-nationalen Standpunkt zu bekämpfen.

Frankreich und England gingen hier voran und dieses hat durch den berüchtigten Stempel "made in Germany" der Bewegung eine besondere Wucht zu geben versucht. Anfangs war der Erfolg gegenüber dem deutschen Zinnsoldaten nicht groß, er war ein zu guter Bekannter als daß man ihn seiner Abkunft wegen von vorneherein abgelehnt hätte. Nach und nach haben indes diese Bestrebungen zur Ablehnung nicht heimischer Ware mehr Erfolg gehabt. Ist ja doch der meist militärisch eingestellte Käufer von Zinnsoldaten sehr geneigt, dem zu folgen, was als national angepriesen wird; das gilt in Frankreich und England genau so wie in Deutschland.

 

Einen schweren Stoß erhielt die Zinnfiguren-Industrie, als es gelang, in England eine eigene Produktion ins Leben zu rufen und die deutsche Ware zu unterbinden. Dies klingt wie ein Märchen! Ausgerechnet an einem Platz mit so teurer Lebenshaltung wie London war es möglich in erfolgreichen Wettbewerb mit der deutschen Ware zu treten. Gerade der nicht nur geschickteste und fleißigste, sondern auch der genügsamste deutsche Arbeiter wie er von Alters her besonders in Fürth heimisch war, wurde durch den Londoner Wettbewerb matt gesetzt; matt nicht nur auf dem englischen Markt sondern auch im ganzen großbritischen Reich und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika schwer geschädigt. Wie war dies durchführbar? Der Vorteil der geringen Fracht, des günstigen Materialeinkaufs allein vermag die Erscheinung auch nicht annähernd zu erklären. Der Londoner Komkurrent arbeitete in den Aufstiegsjahren ohne Sozialbelastung und soziale Einschränkung; er bezahlte genau das was gearbeitet wurde und nicht mehr; wer wenig oder nichts zu Wege brachte, erhielt wenig oder nichts und wurde ohne Schwierigkeit ausgeschaltet.

 

So war das Anlernen, das im Zinnfiguren-Gewerbe keine eigentliche Lehrzeit im vollen Sinne erfordert, nahezu kostenlos. Dazu belastet das englische Steuersystem die Klein- und Mittel-Industrie nicht höher als andere Staatsbürger. Eine besondere Gewerbesteuer wie bei uns mit ins vielfache gehenden Kreis-, Gemeinde- Kirchen- und andere Umlagen hat schwerlich eine andere Export-Industrie zu entrichten. Zu dieser Steuerlast kommen aber noch die Soziallasten: Unfall-, Kranken-, Alters-, Angestellten-, Arbeitslosen- etc. Versicherung. Die Soziallasten belaufen sich durchschnittlich auf 20 % der Lohnsumme für den Arbeiter, d. h. die Löhne sind dadurch um 1/5 höher denn anderweit. Steuern und Sozialbeiträge des Arbeitgebers erfordern weiter in der Zinnfiguren-Industrie 20 - 50 % des Reinertrags, so daß unter Umständen der Fabrikant ebensoviel an die öffentliche Hand abzuliefern hat als er für sich und seine Familie verbrauchen darf. Im Lichte dieser Tatsachen ist der Sieg des Londoner Wettbewerbs wahrlich nicht verwunderlich.

In keiner Weise soll hiermit etwas gegen unsere Sozialversicherung gesagt sein; Deutschland ist stolz auf die Segungen derselben; aber ein gut Stück nationaler Arbeit ist ins Ausland gewandert und bis heute noch nicht ersetzt. Und warum muß die Belastung gerade auf jene Gewerbe am schwersten fallen, die wie die Zinnfiguren-Industrie bei der Handarbeit geblieben sind. Wo Maschinenbetrieb die Hände und die Arbeiter in großer Zahl überflüssig gemacht hat, sind entsprechend der geschwundenen Arbeiterzahl auch die Soziallasten gemindert; wo etwa nur 10 Leute an der Maschine schaffen, statt sonst 50 oder 100 in Handarbeit, sind die Soziallasten nicht mehr ausschlaggebend. Ist die Begünstigung der großen meist kapitalreichen Industrien mit Maschinen gegenüber den Handarbeitenden wirklich sozial?

Krieg und Kriegsfolgen haben weiterhin die Ausfuhrmöglichkeit gewaltig eingeschränkt; der große russische Markt ist gänzlich dahin; die Nachfolgestaaten sind finanziell derartig schwach, daß sie trotz aller noch vorhandenen Neigung als Käufer kaum in Betracht kommen. Valuta-Dumping, Zollmauern, Kontingentierung, schikaneuse Bestimmungen, Bekämpfung aller fremden Waren auf allen Seiten!

 

Es fehlt nicht an Bestrebungen die von Grund aus deutsche Zinnfiguren-Industrie in den verschiedensten Ländern nachzuahmen; kurzsichtige deutsche Volksgenossen haben dabei leider mitgeholfen. Ist auch mit Ausnahme der Londoner Konkurrenz ein überragender Erfolg noch nicht erzielt worden, so ist doch ein recht beachtlicher und bedrohlicher Wettbewerb im Ausland vorhanden.

 

Ein schweres Hindernis bildet die Devisennot; am Beratungstisch und am Bankschalter mögen Fachkundige diese stets wachsende und wechselnde Menge von Vorschriften mit wenig Beschwerden bewältigen; der Auslandskäufer indes, der sich durch dieses Paragraphengestrüpp winden soll: wie, wann und wo er den deutschen Lieferer zahlen soll und darf oder nicht darf, wird unwillig, flucht auf die "Germans" und kauft etwas anderes als etwa gerade deutsche Zinnfiguren. Doch ist noch nicht alles verloren. Die deutsche Arbeit hat sich so viele Freunde erworben und ist in Vielem dem Wettbewerb voraus. Es brauchte nur etwas Erleichterungen in all den Bedrängnissen des Auslandshandels und der deutsche Zinnsoldat könnte den Vormarsch antreten und manches verlorene Gebiet wieder gewinnen. Es ist bezeichnend, daß die Bestrebungen der französischen Konkurrenz im Versailler Friedensdiktat, den Deutschen die Herstellung von Zinn- und Bleisoldaten überhaupt zu verbieten, nicht durchgedrungen sind; wenn wir richtig unterrichtet, auf englischen Einspruch hin. Soll aber die Zukunft nicht rettungslos verbaut sein, so ist mehr Bewegungsfreiheit nötig, mit gebundenen Händen ist nicht wohl zu kämpfen; der Gott des Handels, Merkur, trägt nicht umsonst Flügel. Nur mit schweren Mühen, mit unendlichem Fleiß, Geduld und Opfern ist er einzufangen, aber ungemein leicht zu vertreiben; zum wenigsten gilt dies für allen Nürnberger Tand. Für ihn waren Jahrzehnte schwerer Arbeit nötig um ein Welthandelsartikel zu werden; wenige Jahre und ein Krieg reichten hin um die Arbeit von Geschlechtern auf einen Raum zusammen zu drängen, zu klein zum Leben, zu groß zum Sterben.

 

 

Billige Ware - Schleuderpreise

Wer kauft Bleisoldaten? Da ist zunächst der blonde, aufgeweckte Junge, ein armer Teufel oft, aber als echter Deutscher voll Liebe für Alles, was mit Wehrhaftigkeit und Soldaten zusammenhängt. Alle Bemühungen internationaler Pazifisten haben daran auch in den rötesten Zeiten nichts zu ändern vermocht. Pfennigweise spart so ein Junge ein Kapital von 5 oder gar 10 Pfennige zusammen und kauft nun "Reihensoldaten". Die sind nicht gerade schön, aber die Phantasie umkleidet sie mit allem Zauber. Mit ihnen schlägt der Junge seine Schlachten, baut seinen Propaganda-Marsch auf, besiegt den bösen Feind; er belegt seine Offiziere mit den Namen seiner Helden. Die unscheinbarste Figur gibt seiner Gestaltungskraft die weitgehendsten Möglichkeiten. Schön wäre es freilich, man könnte auch den ärmsten Jungen gute, künstlerisch ausgeführte Ware bieten, aber für 5 Pfg.? Im Großhandel, der nicht zu umgehen, wird für die einzelne dieser Figuren im besten Fall noch nicht 0,3 sage drei Zehntel Pfennige bezahlt. Die Figur ist handgegossen, das erfordert für die Reihe mit 5 Figuren vier Handgriffe; nur ganz notdürftig bemalt erfordert das Groß Figuren 984 Pinselstriche. Versuche man einmal sich klar zu machen, was diese Ziffern besagen! Es sind Figuren herausgekommen, welche am Arm die rote Parteibinde mit einem weißen Kreis oder Fleck aufweisen, d. h. 288 Pinselstriche je Groß erfordern; dabei sind diese Figuren beanstandet und verboten worden, weil die Parteibinde kein ordnungsgemäßes Hakenkreuz aufwies. Die Aufmalung eines solchen erfordert weiter allermindestens 288 sehr genaue und sorgfältige Striche, also zusammen 1560 Pinselstriche für nicht 50 Pfg. Großhandelspreis. Auch der gewürfelteste und flinkeste Arbeiter muß daran scheitern. Es ist dies nicht die einzige einschnürende und erstickende Bestimmung; aus naheliegenden Gründen soll hier nicht Alles im Einzelnen dargelegt sein. Das Schlimmste dabei ist, daß diese Bestimmungen nicht gleichmäßig im ganzen Reich gelten. Was an einem Fabrikationsort verboten, ist in anderen Gauen ohne Weiteres gestattet, ohne jede Beanstandung. Gewiß ist alles wohl begründet und in Übereinstimmung mit Gesetz und Vorschrift, gewiß ist aber auch, daß der betroffene Hersteller schließlich direkt verzweifelt, bei dem Jammerpreis der Ware ist er ohnehin gewiß nicht auf Rosen gebettet und eher alles andere als ein Profitschlucker. Aber warum soll gerade der arme Junge seine Soldaten nicht haben?

 

Auch bessere Export- und Großhandelsware ist vom gleichen Elend ergriffen. Der Handel will und muß verdienen, wenn er leben will; er greift sehr oft nach dem billigsten Artikel. Der Wettbewerb unter den Zinnfigurenherstellern ist ihm weit, ach sehr weit entgegen gekommen; es wurde gespart so viel wie möglich. Figuren entstanden mit mächtig langen Beinen, unverhältnismäßig langen Gewehren um eine "große" Figur vorzutäuschen; dagegen wurde der Rumpf und namentlich der Pferdeleib überaus dünn, schmal, schmächtig, um Material zu sparen. Alle Bemühungen auf einen einigermaßen auskömmlichen Preis sich zu vereinigen sind gescheitert. Noch in letzter Zeit ist die redliche, heiße Arbeit der führenden Stelle mißlungen an dem Widerstand eines Einzigen; selbst der Rechtsweg auf Grund der neuesten Gesetze hat versagt; und wer alle unterbietet, der hat den Handel, die Anderen können zusehen.

 

Schließlich ist solche Unterbietung Aller gewiß genauest rechnenden und genügsamsten Fabrikanten doch nur möglich durch denkbar einfache, ja ärmliche Lebenshaltung der Beteiligten, seien es Arbeiter oder Selbsthersteller und durch Herabdrücken aller Pflichtleistungen auf das erreichbarste Mindestmaß. Die gegenwärtige Zusammendrängung des Gewerbes auf den deutschen Markt sooft doch ohnedies dafür, daß die Zinnfigurenherstellung sich mit einer überaus kleinen Verdienstspanne begnügen muß. Daß solche Preisdrückung auf Güte und Ruf der Erzeugnisse nachteilige Folgen haben, bedarf wohl keiner besonderen Beweisführung. Sehr nachteilig muß auch notgedrungener Weise die Auswirkung auf sozialem Gebiete sein. Wo nichts ist, kann auch nichts gegeben werden und über die gesetzliche Vorschrift hinaus kann der am letzten gehen, der selbst um seine Existenz schwer zu ringen hat. Die Hoffnungen, daß ein weiterer Ausbau der Gesetzgebung die Möglichkeit einer Besserung bringen wird, ist angesichts der bitteren Erfahrungen geschwunden. Zum mindesten wäre eingehendste Fachkenntnis erforderlich. Wer soll mit Erfolg eingreifen können, wenn die Träger des Gewerbes selbst daran verzweifeln, unter den gegebenen Verhältnissen irgend etwas erreichen zu können. Und doch sind Schleuderpreise und fortdauernde Preisunterbietungen das Allerletzte, was das Gewerbe und sein Erzeugnis wieder auf die einstige Höhe bringen kann.

 

 

Die künstlerische Seite

Schon der erste Zinnfiguren-Fabrikant von dem wir wissen, J. G. Hilpert, Nürnberg hat sich nicht damit begnügt die anno dazumal recht ladstocksteifen Soldaten nachzubilden; er hat für seine Reiterfiguren die Bildwerke dereinst bewunderter Künstler als Vorbilder genommen; darüber hinaus hat er die Werke berühmter Niederländer Maler in Zinnfiguren nachzubilden versucht. Ob seine Leistungen von schulgerechten Professoren sehr gut benotet würden, steht dahin; die alten Maler allerdings würden die mit ausgesprochenem Humor geschaffenen Figuren wahrscheinlich auch mit Humor aufgenommen haben.

Seit der Zeit des alten Hilpert ist der Drang nach künstlerischem Gepräge im Zinnfiguren-Gewerbe stets und zu allen Zeiten bewahrt worden bis auf den heutigen Tag. Mancher namhafte Künstler hat es nicht verschmäht, gelegentlich Zeichnungen für Zinnfiguren zu schaffen, von dem ersten Direktor Heideloff der Nürnberger Kunstschule an. Noch öfter ist der Versuch wiederholt worden, Künstler von Ruf mit Entwürfen von Zinnfiguren zu betrauen; doch ist im ganzen der geschäftliche Erfolg ausgeblieben. Die Kosten der Entwürfe überschritten das, was aus Zinnfiguren herauszuholen war; in den meisten Fällen erwiesen sich die schönen, künstlerischen Schöpfungen als geschäftlicher Fehlschlag. Ein gut Stück verlorenes Kapital ruht heute tot in teueren Formen solcher Versuche. Es ist manche Sammlung darunter, die einst auf Ausstellungen Bewunderung, Entzücken und Preismedaillen erhielt, aber keine Käufer fand, das Schicksal so manchen Ausstellungsstückes auch anderer Gewerbe. In unseren Tagen sind wirklich kunstfreudige und kunstverständige Käufer selten geworden; die Familien, die solches Verständnis von Geschlecht zu Geschlecht pflegen, sind meist nicht mehr kaufkräftig genug, wenn nicht überhaupt ausgestorben.

Erfolgreicher ist der Einfluß der Kunstschule für die direkt im Betrieb beschäftigten Kräfte gewesen; es gab und gibt noch heute eine Reihe Graveure, Fabrikanten und Betriebsleiter, die ihre Ausbildung dieser Schule verdanken. Wie es in einem Nürnberger Gewerbe fast selbstverständlich ist, haben auch nicht kunstschulmäßig Gebildete in Nürnberg sowohl als auch in Fürth ganz Hervorragendes geschaffen. (Namen sind hier und anderweit nicht genannt, diese Schrift soll keine Reklameschrift für einzelne Firmen sein). Gerade die Vertrautheit mit Material und Technik kam solchen Kräften - im Gegensatz zu reinen Künstlern - sehr zu statten. Das Hervorgehen so mancher tüchtigen und kunstverständigen Kraft aus dem Gewerbe selbst entspricht einer alten guten Nürnberger Tradition.

Die Neigung nicht nur nach Schablonen zu arbeiten, sondern aus dem Leben zu greifen, ist dem Gewerbe treu geblieben; immer und immer wird von den verschiedensten Betrieben versucht in dieser Richtung zu schaffen und über den "Soldaten" hinaus zu gehen; viel liebevolles Versenken in dieses Streben, ein gewaltiger Reichtum an Gestaltungskraft an allen nur erdenklichen Entwürfen ist zu verzeichnen. Wenn solches Streben auch nicht immer direkt gelohnt hat, so ist doch gerade auf diese Weise ein unermeßlicher Bildungsstoff dem Volke näher gebracht worden, näher, greifbarer und leicht verständlicher als durch manche hochberühmte, aber schwer verständliche Schrift.

Recht im Gegensatz zu diesem Streben sind in letzter Zeit auf Grund des Gesetzes zum Schutz nationaler Symbole verschiedene Zinnfiguren - namentlich Nachbildungen des Führers oder was dafür angesehen - verboten worden; seltsamer Weise herrscht diese Auffassung nur in einem Bezirke, in anderen Gauen Deutschlands genießt die Konkurrenz hierin volle Freiheit. Wohl dem der auf beherrschender Höhe sicher und sorglos steht. Sein Blick schweift weit hin und seine ideale, hohe Auffassung gilt ihm als heilig. Wer im bitteren Kampf uns geschäftliche Dasein, um die Erhaltung des alten Hauses und Gewerbes, um Arbeit und Brot für die Seinen und seine Mitarbeiter steht, vermag sich mit solcher Belastung schwer zu sorgloser Höhe aufschwingen. Da gibt solch ein Gewerbsmann sich alle Mühe, schafft nach bestem Können und aller bewährter Tradition und ein Donnerkeil von oben zerschmettert Hoffnung, Arbeit, Mühen und Kosten. Der andern Orts freie Konkurrent lacht sich ins Fäustchen. Darf daran erinnert werden, daß die kunstliebendsten und kunstverständigsten Kulte, heidnische und christliche, für welche die gottbegnadentsten Künstler Meisterwerke geschaffen, doch alle auch die kindlichsten und unbeholfensten und unscheinbarsten Darstellungen höchster Ideale stets haben gelten lassen.

Schließlich ist die Zinnfigur doch ein armes Kind des Gewerbes und des Volkes; hohe Summen werden für sie nimmer ausgegeben und selbst erklärte Liebhaber feilschen beim Einkauf gelegentlich um Pfennige. Der Rat, alle Erzeugnisse von Künstlerhand zu schaffen und vor Hinausgabe von amtlichen Stellen prüfen zu lassen, ist gewiß gut gemeint und theoretisch sehr schön. Die negativen Versuche auf diesem Gebiete sind bereits berührt; in der Praxis drängt oft die Ausführung; bis die angeführte Instanz durchlaufen, in welcher der Gewerbetreibende überhaupt nicht gehört wird, hat der nicht gehemmte Wettbewerb anderer deutscher Gaue längst sein Erzeugnis auf den Markt geworfen.

Das Zinnfiguren-Gewerbe hat deutsche Kunst zu einer Zeit hochgehalten, da man an amtlichen Kunststellen nur ein Naserümpfen für Alles hatte, was nicht Futurismus, Kubismus oder sonstige Moderichtung war. Hat das Gewerbe in jener Zeit Sinn und Verständnis für alte deutsche Kunst bewahrt und niemals auch nur einen Versuch unernommen jenen überstiegenen "Ismen" irgend welchen Raum bei sich zu geben, so darf man ihm wohl jetzt einiges Vertrauen schenken. Wenn aber nicht, dann doch gleichmäßige Beurteilung und gleiche Schranken, gleiches Recht für Alle, ob Süd oder Nord, Metallfigur oder Massefigur.

Zusammenfassung

Der Zinnsoldat beansprucht keine besondere und ausnahmsweise Bedeutung; er ist trotz seines Marsches um die Welt "Nürnberger Tand", ja nur ein Stück Nürnberger Tand. Seine Verpflichtungen gegen sein Volk hat er nach seinem Können erfüllt. In der Vorkriegszeit hat er wohl 2000 Kräften in eigenem und in den Hilfsbetrieben ständig jahraus, jahrein durch viele Jahrzehnte hindurch Brot und Arbeit gegeben.

In den besseren Zeiten bestand in vielen Betrieben die Gepflogenheit, in stiller Zeit die Arbeitskräfte nicht auszustellen, sondern auf Vorrat arbeiten zu lassen. Erst durch Schleuderpreise ist solche soziale Betriebsführung ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Streiks und Aussperrungen sind in der ganzen Geschichte des Gewerbes nicht vorgekommen. Ausgesprochener Weise hat es der Verband Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten abgelehnt, Verpflichtung zu etwaigen Aussperrungen zu übernehmen. Reich geworden ist wohl keiner der Zinnfiguren-Fabrikanten; die wenigsten haben sich vor dem biblischen Alter vom Geschäft zurückziehen können. Eine lange Reihe von solchen könnte aufgeführt werden, die trotz besten Willens im Betriebe gescheitert sind im Laufe der Zeiten.

Man spricht zuweilen leichthin vom "Umstellen". Wer jung ist, ohne Verantwortung für Familie oder aber genügend kapitalkräftig, der mag ja wohl "umsatteln" wie der Student oder der Festbesoldete, der in ein anderes sicheres Amt versetzt wird. Wer aber sein Leben lang in einem Gewerbe gearbeitet hat, wer in einem von den Vorfahren übernommenen Betrieb alt und grau geworden ist, und all sein Sinnen und Trachten, seine Lebensarbeit auf Förderung des Betriebs eingestellt hat, für den ist solcher Rat nicht viel mehr als der, seinem Leben alsbald freiwillig ein Ende zu machen.

Die Zinnfiguren-Industrie ist auf deutschem Boden, aus deutschem Handwerk und deutschem Gemüte entstanden. Deutsch war und ist die Liebe zum Werke, die Vertiefung in den Gegenstand, die Ausbreitung und Ausarbeitung einer an sich geringfügigen Sache zu weit gesteckten Zielen.

Deutsch ist die Bewahrung alten Erbgutes, die so verhältnismäßig viele Betriebe durch alle Zeitläufte hindurch von einem Geschlecht zum andern hat übergehen lassen. Deutsch ist insbesondere die Pflege und die Verbreitung des Wehrgedankens, seine Versenkung ins Gemüt der Jugend, die Pflege der Tradition, wie sie dem deutschen Zinnsoldaten von jeher ureigen waren. Selbst in den schlimmsten, rötesten Tagen gegenüber aller Bedrohung und aller systematischer Bekämpfung hat das Zinnfiguren-Gewerbe gerade diese Ziele stets unbeirrt verfolgt.

Deutsch ist endlich die Zähigkeit und Liebe mit welcher die in recht trüber Gegenwart Schaffenden festhalten an ihrem alten, ehrlichen Gewerbe. Möge ihnen trotz allen Stürmen und Zweifeln die Erhaltung der Zinnfiguren-Industrie gelingen!

Ende der Abschrift "Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein"

 

"Die Neuordnung der Deutschen Wirtschaft hat den bekannten seit 29 Jahren bestehenden Verband aufgelöst und ihn in der Fachgruppe 5 als Fachabteilung Zinn- und Massefiguren eingegliedert."

 

   
 

Quellen:

Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Stadtarchiv Nürnberg C7/V-3894

Satzungen des Verbandes deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten, Sitz Nürnberg, Nürnberg 1905 und 1909

Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft (Herausg.): Die Deutsche Spielwarenindustrie. Verhandlungen und Berichte des Unterausschusses für allgemeine Wirtschaftsstruktur, (I. Unterausschuß), 5. Arbeitsgruppe (Außenhandel), Berlin 1930

Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Merkkleeberg b. Leipzig - 2. Jahrgang 1929 und 7. Jahrgang 1934

"Ein Stück Nürnberger Tand im Kampf um Sein oder Nichtsein - eine volkswirtschaftliche Studie zum Nachdenken" herausgegeben im Auftrag des Verbands Deutscher Zinnfigure-Fabrikanten vor seiner Auflösung, Nürnberg 1934

Sammlerbrief 94/II

Paradestücke - Zinnfiguren aus Nürnberg und Fürth, Tümmels-Verlag, Nürnberg, 2000

Daniela Kahn: Die Steuerung der Wirtschaft durch Recht - Das Beispiel der Reichsgruppe Industrie, Klostermann, Frankfurt/Main 2006

   
  Kosten dieser Seite:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv DM 32,00
Stadtarchiv Nürnberg  DM 114,00
   
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