Schradin, Friedrich - Nürnberg/Fürth

 

1832

Der Tuchbereiter und Decateur [Veredler von Stoffen und Textilien] Johann Matthäus Gottlieb Schradin (* 24. Mai 1807; † 19. April 1873) aus Reutlingen erhält in Fürth am 19. Juli 1832 das Bürgerrecht und die Heiratserlaubnis.

Er heiratet die Anna Barbara Huth († 15. Dezember 1861), Tochter des Sattelbaummachers Sixtus David Huth aus Nürnberg.

 

1833

Dem Ehepaar werden zwischen 1833 und 1851 zehn Kinder geboren, u. a. Friedrich August Schradin (* 10. August 1851) und Eberhard Georg Gottlieb Schradin (* 19. März 1835).

 

1839

Matthäus Schradin veröffentlicht im Fürther Tagblatt vom 10. September 1839 folgende Erklärung:

"Da vorigen Sonntag in der Reindel'schen Wirthschaft sich Herr N... äußerte, daß in Betreff des Dekatirens hier nie so gut gearbeitet wird wie in andern Städten, namentlich in Nürnberg, so finde ich mich veranlaßt Denselben aufzufordern, er möge sich zuvor überzeugen, ehe er ein Urtheil zu fällen sich erlaubt, indem ich einen Preis von 25 fl. aussetze, ja sogar das Porto bezahle, wenn Derselbe beweisen kann, daß er irgendwo die Arbeit besser bekommt als wie sie bei mir gemacht wird. Schradin, Tuchscheerer."

 

1840

Matthäus Schradin ist in Fürth Eigentümer des Anwesens No. 424 (Neuestraße).

 

1849

Gottlieb Schradin tritt während des Schuljahres 1848/49 im Alter von 14 Jahren und 6 Monaten aus der königlichen Gewerb- und Handels-Schule zu Fürth (Gewerbsabteilung) aus und widmet sich dem Gewerbe des Zinngießers.

Er absolviert vom 15. Mai 1849 bis 10. Mai 1852 eine Zinngießerlehre bei Heinrich Paulus Herbst in Nürnberg.

Als Gesellenstück fertigt er ein Gießfaß mit Becken.

 

1851

Siehe Anmerkung!

 

1852 Er kauft Formen der aufgelösten Fürther Offizin Lorenz.
   
1853

Gottlieb Schradin stirbt am 27. Februar 1853.

 

1859

Das Anwesen No. 424 (Neuestraße) in Fürth wird in No. 348 umnummeriert.

 

1865

Friedrich Schradin erlernt von 1865 bis 1868 das Zinngießerhandwerk.

Matthäus Schradin ist nun Eigentümer des Hauses Bäumenstraße 21.

 

1867

Ein weiterer Sohn Jakob Schradin und dessen Frau Maria Schradin, Tuchbereiterseheleute, übernehmen am 25. Januar 1867 zu einem Übernahmepreis von 15.000 fl. von Matthäus Schradin, Privatier, das Haus Nr. 21 in der Bäumenstraße (Fürth).

 

1873

Friedrich Schradin meldet am 3. November 1873 das Gewerbe für die Herstellung von Zinnspielwaren in Nürnberg an.

 

Siehe Anmerkung!

 

1874

In seinem Verehelichungsgesuch an den Magistrat der Stadt Fürth schreibt er u. a.: "... ich betreibe gegenwärtig noch zu Nürnberg ein Zinnspielwaarengeschäft, werde aber dasselbe demnächst nach hier verlegen.

Ich beabsichtige nunmehr mich mit Anna Katharina Urban, wohnhaft zu Hersbruck, Tochter der Hafnermeisterseheleute Ludwig und Katharina Urban zu verehelichen."

 

1876

Er verlegt per 4. Dezember 1876 den Firmensitz von Nürnberg nach Fürth in den Neubau Ottostraße 10 und heiratet die Anna Katharina Urban (* 21. Februar 1850; † 25. Dezember 1912). Sie haben ein Vermögen von 3.000 fl.

 

1882

Friedrich Schradin bekommt als Zinnspielwarenfabrikant auf der Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg als Teilnehmer in der Kollektiv-Ausstellung des Gewerbevereins Fürth (Nr. 1161) "wegen Massenproduktion von Blech- und Drahtwaaren für den Export bei sehr billigen Preisen und solider Arbeit, sowie für geschmackvolles Arrangement der Ausstellungsgegenstände" die Große Bronzene Medaille.

 

Friedrich Schradin stirbt am 4. Dezember 1882.

 

Seine Witwe verkauft den Formenbestand an verschiedene Zinngießereien, u. a. auch an Weygang.

 

1884

Im Adressbuch steht nicht mehr die Zinnspielwarenfabrik, sondern nur noch die Witwe Anna Katharina Schradin.

Sie zieht mit den Kindern Katharina Louise Schradin (* 8. Mai 1875) und Johann Konrad Schradin (* 25. April 1882) in ihren Heimatort Hersbruck.

 

 

Anmerkung:

Schraudolph schreibt in Paradestücke (veröffentlicht 2000) u. a.: "Seine Zinnspielwaren erhielten mehrfach Auszeichnungen, so auf der Weltausstellung in London 1851, der Weltausstellung in Wien 1873 ..."

In den Ausstellungskatalogen und Veröffentlichungen von London 1851 und Wien 1873 ist Schradin als Aussteller nicht aufgeführt, kann dort also auch keine Auszeichnungen bekommen haben. Außerdem war Schradin 1851 noch Lehrling.

In den Anmerkungen zum Aufsatz in Fürther Heimatblätter (veröffentlicht 1996) schreibt Schraudolph u. a.: "Auch in den uns heute noch zur Verfügung stehenden einschlägigen Ausstellungskatalogen läßt sich Schradin (für 1851 bzw. 1873) nicht nachweisen."

 

 

Zinnspielwaren:

nicht bekannt

 

 

Zinnfiguren:

Welche Formen von Lorenz übernommen wurden und inwieweit Schradin weitere Formen selbst graviert hat oder gravieren ließ, ist nicht bekannt.

 

 

Quellen:

Adressbücher Fürth und Nürnberg

Stadtarchiv Fürth (Register der Fabriken und Verzeichnis des königl. Rentamts Fürth über die in der Stadt Fürth vorgekommenen Veränderungen am Häuserbesitz)

Fürther Tagblatt No. 144 vom Dienstag, den 10. September 1839 (Google books) 

Jahresbericht der Königlichen Gewerb- und Handels-Schule zu Fürth in Mittelfranken 1848/49 (Google books) 

Nürnberg-Fürther Industrie-Almanach 1870 (Google books)

Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Nürnberg 1882. Verzeichniss der prämiierten Aussteller nebst Mittheilungen über das Preisgericht, München 1882, Verlag von Rudolf Mosse, Nürnberg-München

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

John G. Garratt: The World Encyclopedia Of Model Soldiers, The Overlook Press, New York 1981 

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987 

Erhard Schraudolph: Die Fürther Zinngießerfamilie Lorenz in Fürther Heimatblätter 1996 

Erhard Schraudolph: Zinnspielwarenhersteller in Nürnberg und Fürth in Paradestücke, W. Tümmels, Nürnberg 2000 

 

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Stadtarchiv Fürth EUR 10,45 (anteilig)
   
 

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