Ramm, Johann Heinrich Friedrich - Lüneburg

 
1811 Johann Christoph Leonhard Ramm wird am 25. November 1811 als Sohn des Johann Ernst Ramm, der aus Ovelgönne stammt, und dessen Ehefrau Anna Maria Dorothea Ramm (geb. Hartig) geboren.
   
1827 Er erlernt das Zinngießerhandwerk in Lüneburg bei Johann Jacob Basedow († 20. März 1856) in der Glockenstraße von 1827 bis 1829.
 

1840 Im Juni 1840 legt er erfolgreich die Meisterprüfung ab und wird in das Lüneburger Zinngießeramt aufgenommen. "... das Meisterstück bestand in einer rund-ovalen Terrinenform von Messing und einer zweiten Schüsselform von Stein."
Am 22. August 1840 wird ihm das Bürgerrecht verliehen.
Er heiratet am 8. September 1840 Anne Sophie Müller († 22. August 1859), die Tochter des Pächters von Kaltenmoor.
   
 

   Meisterzeichen des Johann Christoph Leonhard Ramm

 

1843

Der Sohn Heinrich Leonhard David Ramm wird am 11. April 1843 geboren (Heirat und Tod nicht in Lüneburg).

 

1845 Johann Christoph Leonhard Ramm bildet als Lehrling Johann Christian Theodor Jahn aus Schwartzburg-Rudolstadt aus.
 

1854 Auf der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung in München stellt er "Kaffee- und Theekannen, verschiedene Milchgüsse, sämmtlich aus Britannia-Metall" aus.
 

1856

Der Sohn Johann Heinrich Friedrich Ramm (* 22. November 1841) wird als Lehrling ausgebildet.

 

1859

Er bildet seinen dritten Sohn Johann Heinrich Ernst Ramm (* 7. Januar 1845; Heirat und Tod nicht in Lüneburg) als Lehrling aus.

 

1860 Johann Christoph Leonhard Ramm arbeitet und wohnt spätestens seit 1860 in der Großen Bäckerstraße C 252.  [Im Adressbuch von Lüneburg von 1842 ist Ramm noch nicht aufgeführt; Adressbücher zwischen 1842 und 1860 sind nicht vorhanden].
Er ist Präsident beim Bürgerlichen Gesangsverein und Vorsteher der Zinngießergilde.

Johann Heinrich Friedrich Ramm beendet im Januar seine Zinngießerlehre.

Man spezialisiert sich jetzt auf die Fabrikation von Zinnfiguren und Zinnspielwaren.
 

1861 Johann Christoph Leonhard Ramm, der seit dem 22. August 1859 Witwer ist, heiratet am 2. April 1861 die Witwe Maria Dorothea Hafer, geb. Meyer (* 12. Juli 1821).
 

1862

Die Tochter Clara Maria Mathilde Ramm wird am 2. Februar 1862 geboren.

 

1863

Johann Heinrich Ernst Ramm beendet seine Zinngießerlehre.

 

1869

Johann Heinrich Friedrich Ramm übernimmt den väterlichen Betrieb.

 

1871

Johann Christoph Leonhard Ramm stirbt am 10. Januar 1871.

 

1877 Johann Heinrich Friedrich Ramm heiratet am 9. November 1877 die Witwe Anna Christiane Dorothee Becker, geb. Berther (* 30. Juni 1851; † 28. Juni 1879).
 

1879

In dieser Ehe wird die Tochter Wilhelmine Maria Anna Ramm am 16. Mai 1879 geboren.

 

1881 In zweiter Ehe heiratet Johann Heinrich Friedrich Ramm am 3. Mai 1881 die Witwe Anne Dorothee Maria Luise Koch (* 27. Februar 1844; † 6. Juli 1931).
 

1904 Am 29. Januar 1904 stirbt Johann Heinrich Friedrich Ramm als letzter Zinngießer in Lüneburg im Haus Große Bäckerstraße 17.
 

 

Zinnfiguren und Zinnspielzeug:

 

Soldaten aller Länder in Parade und kämpfend, Kavallerielager, türkisches Feldlager, Turnplatz, Paradiesgarten, englischer Blumengarten, Affen- und Hundetheater, Tier-ABC, Jagd, Seeschlacht, Arche Noah, Löwen- und Tigerjagd, Schäferei, Pferde- und Viehweide, Andreas Hofer, Ritterturnier, Perforcejagd, Krimkrieg, 70er-Krieg usw. usf.

 

Für Mädchen verschiedene Sätze von Zinngeschirr für Puppenküchen (Pfannen, Töpfe, Krüge, Wannen, Leuchter, Kessel, Mörser) in drei Größen sowie zwei Puppenservices.

    

Für Knaben einen Säbel  und einen Hirschfänger mit Leibriemen dazu, eine Festung aus Blech und eine Blecheisenbahn.    

 

Es ist ein Musterbuch mit Lieferprogramm um 1860 im Eigentum des Museumsvereins Lüneburg erhalten (Nachdruck aus dem Verlag H. M. Hauschild GmbH., Bremen 2002).

Die Abbildungen der flachen Zinnfiguren entstanden durch das Einpressen von feuchtem Papier in die Schieferformen.  

Der Abdruck wurde nach dem Trocknen mit Lackfarben bemalt, so daß jede Figur in natürlicher Größe vorhanden ist.

 

Friedrich Schirmer schreibt in Die Zinnfigur (1959) u. a.:

"Betrachten wir zunächst den "zivilen Sektor"! Dort finden wir einen Turnplatz mit Turnern am Reck, am Barren, am Pferd, am Bock, am Rundlauf, auf dem Schwebebalken, Speerwerfer, Gewichtheber, Turner bei Freiübungen mit und ohne Hanteln. Eine Packung mit 40 Teilen kostete 12 Groschen.

Eine Menagerie umfaßt außer sechs Käfigen mit Tieren, zwei Raubtierwärter und elf Zuschauer.

Sehr lustig ist ein Alphabet mit Tieren, Affe, Bär, Camel, Dachs, Esel, Fuchs, Gemse usw. bis zur Ziege; X und Y sind in großen lateinischen Buchstaben dargestellt.

Ein Affen- und Hundetheater zeigt u. a. einen seiltanzenden Affen, eine köstliche Kutsche mit Affen und Hunden, zwei Affen mit einer Sänfte, einen Affen in Offiziersuniform, einen Affen als Gewehrschützen und einen Affen-Tambour, eine Tischgesellschaft, einen Affengeiger, einen Affen mit Schubkarre, eine Hundefrau mit einem Affen als Schleppenträger, sowie je einen auf den Hinter- und den Vorderbeinen stehenden Pudel, sowie den Dompteur. Beigegeben waren dieser Serie noch eine blühende Agave, ein Kaktus und eine Palme.

Ein Geflügelhof enthält neben der fütternden Frau alle Arten von Hausgeflügel, das man um 1880 auf unseren Bauernhöfen fand, so Hühner, Enten, Gänse, Puter, Fasanen, Pfauen und auch einen Storch.

Natürlich darf eine Jagd mit zwei Jägern nebst Hunden und fünf verschiedenen Hirschen, zwei Wildschweinen, Hasen, Rehen und Füchsen nicht fehlen. In dieser Gruppe finden wir einen Hirsch unter einem Baum, wie er auch in ähnlicher Stellung bei Ernst Heinrichsen und Dubois, Hannover vorhanden ist.

Ein Paradiesgarten enthält neben Adam und Eva unter dem Baume der Erkenntnis, ... alle möglichen Tiere, wie Löwe, Fuchs, Elefant, Kamel, Ziege, Strauß, Zebra, Hund, Pfau usw. auch einen Sekretär [Greifvogel], der eine Schlange tötet, sowie verschiedene Bäume und Pflanzen.

... ist ein hübscher Grünmarkt abgebildet mit den verschiedensten Typen der Verkäufer und Verkäuferinnen mit ihren Marktständen, Bäuerinnen und Bauern, einer Marktpumpe, Laternen und einem Mann mit Schubkarre. Der Preis betrug für eine Packung mit 30 Figuren 12 Groschen und 5 Pfennige, für eine solche mit nur 20 Figuren 7 Groschen und 5 Pfennige.

Sehr reichhaltig ist das Dorf mit Figuren ausgestattet. Eine Kirche, 7 verschiedene flache Häuser, 6 verschiedene Bäume, Bauern, Bäuerinnen, ein Hirt mit einem (allerdings etwas kurzen) Alphorn, ein Ziehbrunnen, zahlreiche Haustiere aller Art, sind in dieser Zusammenstellung enthalten. 50 Figuren kosten 15 Groschen.

Ein Kuriosum stellt eine Arche Noah dar. Neben Noah mit Frau und Kindern bzw. Schwiegerkindern sind 32 verschiedene Tierpaare vertreten, vom Löwen, dem Hirsch, dem Pfau, dem Huhn, allerdings nur je 2 Männchen. Irgendwo muß Noah aber die dazugehörigen Weibchen gehalten haben, sonst wären diese Tierarten ja wohl heute nicht mehr am Leben.

Eine Löwen- und Tigerjagd vereint in der Tat beide Raubtierarten in einer Packung. Gejagt werden sie von 3 arabischen Reitern zu Pferde, einem Eingeborenen auf einem Dromedar und 3 Jägern zu Fuß. Auch eine Boa constrictor, die sich einen Tiger als Beute erkoren und umschlungen hat, beteiligt sich an der Jagd. Auch 2 Leoparden gehören zu dieser Packung, ebenso ein Affe, ein Emu und ein Sekretär [Greifvogel], der sich mit einer Schlange befaßt. Palmen, Agaven und Kakteen runden diese Serie ab.

Eine besonders hübsche Zusammenstellung ist der "Englische Blumengarten", der neben zahlreichen Pavillons etc., drei Springbrunnen, ein Eichhörnchengehege, ein Hirschgehege, verschiedene Denkmale, u. a. einen Amor, unter dem ein Liebespaar steht, ein Taubenhaus, eine Tanzgruppe unter einem Baum, ein Klettergerüst, eine Schaukel mit beweglichem Mittelteil und zahlreiche Bäume, Büsche und Blumen enthält.

Die Schäferei ist in 2 Größen vorhanden. Die kleinere enthält nur Schafe und Ziegen mit einem Hirten unter einem Busch, die größere dagegen einen Schäferkarren, eine Schäferin und einen Schalmei spielenden Schäfer, Schafe, Ziegen, zwei Hunde und Hürden neben 2 Büschen. Die Schäferei mit Karren, der plastisch war, kostete mit 28 Teilen 10 Groschen, ohne Karren mit 24 Teilen 6 Groschen und 5 Pfennige.

Auch eine Pferdeweide ist in zwei Größen im Musterbuch abgebildet. Die größere enthält an Typen neben 7 Pferden eine Stute mit säugendem Fohlen und einem Fohlen auch vier verschiedene Bäume bzw. Sträucher. Die Schachtel mit 24 Stück 7 Groschen.

Auf Seite 63 findet der Leser die Wiedergabe der Viehweide, ebenfalls in 2 Größen erhältlich. Es sind in beiden Größen etwa die gleichen Typen vorhanden, die Bäume und Sträucher sind überhaupt die gleichen. [Die größere Ausgabe stimmt weitgehend mit einer solchen aus der Zinngießerei Engels in Verden/Aller überein. Besonders die Hirten unterscheiden sich bei den Erzeugnissen beider Gießereien kaum voneinander].

Auch der Jahrmarkt (Seite 64) ähnelt in den meisten Typen dem Engelschen Jahrmarkt. Die Vorderseiten der plastischen Buden, der Gipsfigurenverkäufer, der Stiefelverkäufer, der Moritatensänger und Drehorgelspieler, die Bergkapelle, der Tiroler, der Hosenverkäufer, die einkaufende Dienstmagd, die Dorfmusikanten - alles das ist auch in den Engelschen Formen vorhanden. Nur die übergroßen Figuren ... sowie das Ehepaar mit Kind ... sind unter den Engelschen Formen nicht, wobei es natürlich fraglich ist, ob die Formen wie so viele andere nicht verlorengegangen sind.

Die sogenannte Parforce-Jagd vereinigt sowohl eine Hetzjagd als auch eine Treibjagd miteinander. Eine Gruppe mit dem toten Hirsch, drei Reiter, zwei Hunde und ein Mann mit Meute repräsentieren die erstgenannte Jagdart, ein Treiber, zwei Jäger zu Fuß, ein Rehbock, ein Hase und eine Gruppe von Enten die Treibjagd.

Natürlich fehlt bei den Gruppen auch das Ritterturnier nicht, der König auf dem Thron, der Herold, der Bläser, drei Wachen und vier kämpfende Ritter, welch letztere wieder an die auch bei Engels, Verden, vorhandenen Typen erinnert.

Der abgebildete Seehafen enthält eine reiche Fülle verschiedener Figuren.

An militärischen Darstellungen ist natürlich auch kein Mangel. Da sind zunächst die großen Figuren, von denen auf einem Blatt im Musterbuch abgebildet sind: Preußische Garde du Corps, preußische Ulanen und französische Kürassiere, auf einem anderen Blatt französische Husaren und Jäger zu Pferd. Die "feinlackierten Zinn-Kompositions-Figuren" Kavallerie kosten je Packung mit 16 Stück 12 Groschen und 5 Pfennig, mit nur 12 Figuren 10 Groschen.

Die in gleicher Größe vorhandene preußische Artillerie (mit plastischem Geschütz und zwei Vorspannpferden) 16 Mann wird mit 12 Groschen und 5 Pfennig angeboten. Diese Artillerie gab es auch in kleinerer Ausgabe. An großer Infanterie findet sich preußische Garde-Infanterie, preußische Jäger, österreichische und französische Infanterie - alle im Schritt.

Außer den auf Seite 80 abgebildeten großen Figuren (Reiter zwischen 90 und 95 mm, Fußgänger zwischen 75 und 80 mm Mannshöhe) sind nun noch zahlreiche kleinere Figuren vertreten.

Das Kavallerie-Lager (70 Teile mit offenen Zelten) kostete 24 Groschen. Es enthielt Kürassiere, Husaren, Zelte und Bäume und Lagerzubehör. Auch eine Marketenderin fehlt nicht. Im Musterbuch sind die Husaren als 11., die Kürassiere als Garde-Kürassiere gemalt. Augenhöhe der Fußgänger ca. 35 mm.

Das Infanterie-Lager hatte Figuren der gleichen Größe, aber wir finden darin auch Fußgänger von ca. 40 mm Augenhöhe. Die Pferde haben sehr unterschiedliche Größe, und eines von ihnen stimmt wieder weithin mit einem solchen aus den Typen von Engels in Verden überein. Die Marketenderin ist die gleiche wie die aus dem Kavallerie-Lager. Das Infanterie-Lager enthält Musketiere und Jäger. Eine große Zeltgruppe erinnert stark an eine solche im Formenbestand der Zinngießerei Rieche in Hannover, nur stellte letztere Husaren dar. Trommelpyramide mit Fahnen wie bei Engels, Verden.

Kämpfende Figuren sind zahlreich vorhanden, und zwar auch in verschiedener Größe - in der Größe von 45 mm Augenhöhe gibt es englische Grenadiere (ca. 1860) im Sturm, französische Zuaven im Sturm (Offizier, Hornist, 2 Mann, Fahnenträger), preußische Infanterie im Gefecht (ebenfalls fünf Typen), türkische Infanterie und französische Linien-Infanterie im Gefecht, ferner drei Schotten im Feuer. Alle diese Typen sind ziemlich ungeschickt in der Stellung und zum Teil auch im anatomischen Bau. 24 Stück kosteten 7 Groschen und 5 Pfennig.

Zu diesen Fußgängern in der Größe passende Kavallerie ist nicht vorhanden. Die im Musterbuch abgebildeten Typen passen nur in etwa zu ihnen. Es sind englische Dragoner, preußische Ulanen, österreichische Husaren, die übrigens auch in der größten Ausgabe vorhanden sind, preußische Husaren und französische Carabiniers, jedesmal Offiziere, Trompeter und Mann.

Die nächst kleineren Serien (etwa 3,2 cm Augenhöhe für den Fußer stellen dar: Kosaken (2 Typen), französische Garde-Kürassiere (4), türkische Kavallerie (3), preußische Ulanen (3), österreichische Husaren (3), preußische Husaren (3), türkische Lanzenreiter (Mamelucken) (3), französische Husaren Napoleon I. (3), französische Dragoner 1813 (3, dabei eine Gruppe) und württembergische Ulanen (ca. 1860), alles im Angriff - an Infanterie: preußische Infanterie in Mütze (5), desgleichen in Pickelhaube (5), österreichische Jäger ca. 1866, französische Infanterie (5), französische Garde-Grenadiere 1813 (5, darunter ein Fallender), englische Infanterie (Krimkrieg) (5), preußische Jäger (5), türkische Infanterie (5) und österreichische Infanterie (5).

Eine Schlacht von 1866 enthält einen österreichischen, einen sächsischen und einen preußischen General, preußische Dragoner und Husaren, österreichische Husaren und Chevaulegers bzw. Dragoner, österreichische, preußische, bayerische und sächsische Infanterie, österreichische, preußische und bayerische Artillerie und eine Anzahl von Gruppen.

Eine große Schlacht 1870 in dieser Größe enthält an Franzosen einen Stab, Infanterie, Turkos, Zuaven, Artillerie mit Kanonen und Mitrailleusen (Bedienung mit roten (!) Hosen), Chasseurs d'Afrique, Husaren, Dragoner (Uniform von 1813!), an Preußen ebenfalls einen Stab und Artillerie, Ulanen (in Paradeuniform), Husaren und Dragoner, Infanterie und an Bayern einen General, Infanterie und Artillerie, an Württembergern nur Infanterie (hierfür sind anscheinen Figuren hannoversche Infanterie von 1866 verwendet worden). Für beide Gegner gibt es sehr hübsche Kampfgruppen und Verbandsplatz.

In noch kleinerer Größe sind vorhanden: Ritter im Angriff (3), preußische Husaren, preußische Ulanen, preußische Kürassiere im Angriff (je 3), Kosaken (3), türkische Reiter (3), österreichische Husaren (3), österreichische Dragoner (3), alles für die Zeit von 1850 bis 1880 etwa; an Infanterie: preußische Musketiere und Jäger, französische Infanterie und Zuaven, österreichische Infanterie, türkische und russische Infanterie (Pickelhaube), bayerische Infanterie (Raupenhelm), je 3 oder 4 Figuren pro Serie, Kostenpunkt 10 Reiter oder 20 Fußer acht Schachteln = 1 Taler 20 Groschen. Auch hier taucht die bei Heinrichsen bekannte 1/8, 1/4 und 1/2 Packung auf.

Sehr hübsch sortiert sind Tiroler mit Andreas Hofer mit Fahne und fallendem Mann, Pater Haspinger, einem Marterl mit einem Sterbenden davor und 12 weiteren kämpfenden und schießenden Typen, wobei bei zwei feuernden Tirolern nicht nur das Mündungsfeuer, sondern auch der Feuerstrahl an der Pfanne gezeigt ist.

Eine grausige Panorama zeigt eine Seeschlacht mit feuernden, sinkenden und in die Luft fliegenden Schiffen, Ruder- und Segelbooten und einen Leuchtturm. Preis á Schachtel mit 28 Teilen 20 Groschen.

Mindestens ein Teil der Formen wurde, wie Herr Dr. Dumrese, Lüneburg, feststellte, von Ramm selbst graviert.

Die im Musterbuch angewandte Bemalung ist sehr sauber, die Genauigkeit der Uniformen läßt zu wünschen übrig.  

Aber wir dürfen bei der Beurteilung dieser Uniformen nicht vergessen, daß es sich bei diesen Figuren um reines Spielzeug handelte.

Wenn auch nicht alle Formen der Rammschen Offizin heute noch vorhanden sind, so sind doch erfreulich viele von ihnen erhalten, darunter auch solche von Biegefiguren in plastischer Ausführung, die zwar in einer Fläche gegossen werden, dann aber durch Biegen zu schießenden Soldaten werden."

 

Erhard Schraudolph schreibt im Nachdruck des Musterbuches u. a.: "Die im Musterbuch abgebildeten Figuren repräsentieren wahrscheinlich nicht die gesamte Palette des Angebotes an Zinnspielwaren dieser Offizin - immerhin bestand der Betrieb bis etwa 1904. Seltsamerweise wurde das Musterbuch nicht weitergeführt, es endet mit Seite 65 relativ plötzlich."   

     

Die Schieferformen bzw. ein Teil davon befinden sich heute im Museum für das Fürstentum Lüneburg.

 

 

 

Fußbrettchen (Wege), die verschiedenen Formen mit und ohne Sigel:

 

 

 

Graveure:

Johann Christoph Leonard Ramm

Georg Andreas Röders, Soltau (1840 bis 1870) 

 

 

            
Sammlung und Foto Earl Jorgensen (diese Figuren sind im Musterbuch nicht vorhanden)

 

 

Quellen:

Adressbücher Lüneburg bzw. Hamburg online

Mittheilungen des Gewerbe-Vereins für das Königreich Hannover, Hannover 1854 (Google books)

Katalog der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854 (Google books)

Wilhelm Reinecke: Lüneburger Zinn, Kinau Verlag Lüneburg 1947

Friedrich Schirmer: Von alten und neuen Zinnfigurengießereien in Die Zinnfigur, 8. Jahrgang 1959  

Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971  

Walter Onken: Zinnfiguren, Mosaik-Verlag München 1976

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979 

John G. Garratt: The World Encyclopedia Of Model Soldiers, The Overlook Press, New York 1981

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985 

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e.V. Kulmbach, 1987

Erhard Schraudolph: Ramm in Lüneburg in Zinnfiguren-Musterbuch - Lüneburg, um 1860 - Johann Christoph Leonhard Ramm, Verlag H. M. Hauschild GmbH, Bremen 2002

 

 

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