Meyerheine, Johann Carl - Potsdam
Meyerheine, Carl Adolf - Potsdam
Meyerheine, Richard - Potsdam
 
     
1793 Johann Carl Meyerheine wird am 5. Dezember 1793 als Sohn des Chirurgen Johann Christian Meyerheine in Oschersleben geboren.  
     
1818 Am 2. Oktober 1818 erhält er das Bürgerrecht in Potsdam und heiratet die Caroline Wilhelmine Holberg, Schwester des Zinngießers Johann Gottlieb Hollberg IV (* 1782, † 1867) und übernimmt damit die Werkstätte in der Nauener Straße 35. Dieser hatte ihr die Zinngießerei, in der Johann Carl Meyerheine schon als Geselle, als Meister und als Betriebsführer tätig war, überlassen.  
  Das Ehepaar hat u. a. die Söhne Carl Adolf Meyerheine (* 30. Oktober 1819), Julius Carl Meyerheine (* 4. Dezember 1820)   
     
  Es werden mehrere Gesellen beschäftigt und Zinngeschirr, Lampen, Uniformknöpfe, Lazarett-Spritzen, Zubehör für Puppenstuben und auch Zinnfiguren hergestellt.  
     
1836 Johann Carl Meyerheine ist Bezirksvorsteher des 9. Bezirks in Potsdam  
     
1843 Er stirbt am 5. Januar 1843; die Witwe führt den Betrieb weiter.  
     
1850 Carl Adolf Meyerheine übernimmt am 1. Oktober 1850 den Betrieb von seiner Mutter und wird am 21. Oktober 1850 Mitmeister im Berliner Zinngießergewerk.  
     
    
Laden Nauener Straße 35 (Zeichnung von Horst Wilke in der Märkischen Volkszeitung "Bei uns" Nr. 40/88 vom 6. Oktober 1988)
 
     
1852 Die Werkstätte von Julius Carl Meyerheine ist in der Zimmerstraße 9.  
     
1853 Er arbeitet jetzt in der Rosenthalerstraße 57.  
     
1856 Carl Adolf Meyerheine kauft von seiner Mutter das Haus Nauener Straße 35 für 9000 Rthlr.
Sein Sohn Richard Meyerheine wird am 31. Juli 1856 geboren.
 
     
1860 Ab diesem Jahr werden die Zinnfigurenformen hauptsächlich von dem Graveur G. H. Wildt angefertigt.  
     
1865 Caroline Wilhelmine Meyerheine stirbt.  
     
1870 Richard Meyerheine erlernt das Zinngießerhandwerk.  
     
1873 Die "Zinnwaarenfabrik" Carl Adolf Meyerheine stellt auf der Wiener Weltausstellung "Zinnsoldaten u. dergl. Kirchen- und Wirthschaftsgeräthe" aus.  
     
1879 Nachdem G. H. Wildt verstorben ist, werden nur noch wenige Formen graviert.  
     
1881 Es werden Formen von der Witwe des 1878 verstorbenen Berliner Zinngießers August Böcker angekauft.  
     
1882 Während seiner Wanderschaft über Italien, England und Schottland lernt Richard Meyerheine das Installationsgewerbe kennen und läßt sich in Potsdam als Gas- und Wasserrohrleger in der Charlottenstraße 33 nieder.  
     
     Charlottenstraße 33 (1908), über dem Eingang "R. Meyerheine"  
     
1893 Richard Meyerheine, jetzt Fabrikant, kauft das Wohnhaus Berliner Straße 124a und läßt es 1899 durch den Architekt und Maurermeister Ernst August Petzold (* 1839; † 1904) so gravierend umbauen, daß dieser Umbau einem Neubau gleichkommt.  
     
1896 Am 1. Juli 1896 ist die Zinnwarenfabrik erloschen.  
     
 
Anzeige in der Deutschen Zinngießer-Zeitung Nr. 23 vom 10.9.1896
 
     
1901 Carl Adolf Meyerheine stirbt am 22. Juni 1901.  
     
1905 Georg Meyerheine, Sohn des Richard Meyerheine wird am 12. Oktober 1905 geboren.  
     
1925 Die Firma des Richard Meyerheine steht unter Zwangsverwaltung.  
     
1931 Richard Meyerheine stirbt am 1. Februar 1931; die Witwe Lucie Meyerheine wohnt weiterhin in der Nauener Straße 35.  
     
1938 Die Firma R. Meyerheine - Heizanlagen ist jetzt in der Charlottenstraße 38. Inhaber ist der Ingenieur Hugo Weiß.  
     
1994 Georg Meyerheine stirbt am 3. Januar 1994.  
     
     
  Zinnfiguren und Zinnspielzeug:  
     
     Wege  
     
  Jagd, Tiere, Biedermeiertypen, Ritterturnier (bewegliche Figuren), friderizianische Armee, Militär des 19. Jahrhunderts, französische Marketenderinnen des 2. Kaiserreichs, Portraitfiguren (Napoleon III., Königin Victoria von England und ihr Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, preußischer Generalstab mit König Wilhelm I.)  
     
  Sigel: "M" (Johann Carl Meyerheine), "A.M." (Carl Adolf Meyerheine bis 1860) und "R.M." (Rudolf Meyerheine)  
     
 

Figurenbeispiele Zirkus (aus "Zinnfiguren - Wissenswertes zu Geschichte, Herstellung und Verwendung")
 
 

    

 
  Hofrat Anton Klamroth schreibt 1928 in "Der Standhafte Zinnsoldat" u. a.:
"Als Rudolf M[eyerheine] durch die Inflation seine Villa [welche Villa?] verkaufen mußte, vergrub er im Garten seines Grundstückes die Formen der Zinnfiguren. Durch die Bemühungen des um den geschichtlichen Teil der Sammlertätigkeit so hochverdienten und leider so früh verstorbenen Rechnungsdirektors Ottomar Herrmann, in Berlin-Lichterfelde, dem ich auch diese und andere Informationen verdanke, ist es ermöglicht worden, daß die Formen ausgegraben wurden. Die Formen befinden sich jetzt im Besitz des Museums zu Potsdam. Über die Figuren selbst mögen nachstehende Angaben dienen.
Meyerheine stellt Figuren von 8½, 6½, 5 und 3½ cm Höhe her. Ein mit M. signierter Husar, ist plump und stammt aus der Zeit Hollbergs. Darauf ist auch zurückzuführen, daß Adolf M[eyerheine] die 1845 vorhandenen, in der Werkstatt angefertigten alten Formen als minderwertig zerschnitt oder abschliff, und zur Benutzung der Außenseite an Wildt gegeben hat.
Seit 1860 wurden, da M[eyerheine] von dieser Zeit an nicht mehr selbst gravierte, nur die von Wildt gelieferten Formen geschäftlich verwertet. Trotzdem sind von alten Stücken einige erhalten: Tierformen, ein großer Elefant, auf der Rückseite der Form für Prinz Karl, Soldatenformen 6½ cm groß, einige für eine Jagd aus älterer Zeit. Im Allgemeinen sind die Formen von 1860 nicht besonders gut gezeichnet.
Die mit A.M. signierten noch erhaltenen Formen stammen noch von Adolf M[eyerheine]. 1873 wurden Boeckersche Formen gekauft [? - siehe Firmengeschichte Böcker], da diese Offizin sich aufgelöst hatte.
Nach 1879 hat M[eyerheine] keine neuen Formen mehr herausgebracht, da Wildt inzwischen verstorben war. Die ältesten Stücke aus Holbergs Zeit sind wohl eine Frau mit einem Rechen, ein Reiter, ein Jäger zu Pferd mit Waldhorn. Von A. M. selbst gezeichnet und graviert ist der im Museum zu Potsdam befindliche Einzug des nachmaligen Kaiser Wilhelm I. mit Braut.
In der Größe 3,5 cm sind vorhanden: Markt, Dorf, Jagd, Soldaten aller Länder, abbessynischer Feldzug, Karlisten, graviert von Wildt, sowie ein Krimkrieg.
Meyerheine verkaufte seine Figuren auch einzeln.
Über das Weichbild Potsdams sind dieselben aber nicht hinausgekommen. Nur bei einem Herrn in Braunschweig fand Herr Herrmann ein Jägermusikkorps von ihm, das sich mit Instrumenten und Hirschfängern gegen Chasseurs d'Afrique verteidigt, die durch die preußische Front durchgebrochen, auf die Kapelle gestoßen sind."
 
 
     
  Harald und Renate Kebbel schreiben 1978 in "Bruckmann's Handbuch der Zinnfiguren" u. a.:
"Als Rudolf Meyerheine durch die Inflation sein Hausgrundstück verlor, vergrub er die Zinnfigurenformen in dessen Garten. Durch die Bemühungen des in Berlin-Lichterfelde ansässigen Rechnungsdirektors Otto Hermann, der sich sehr für den Verbleib der historischen Formenbestände interessierte, ist es 1927 möglich gewesen, sie auszugraben und sicherzustellen. Sie befinden sich seitdem im Besitz des Heimatmuseums Potsdam. 1955 wiesen die Formensteine noch starke Erdspuren auf, waren zum Teil sehr verwittert und nur noch einseitig vorhanden.
Die Abteilung Kulturgeschichtliche Zinnfiguren am Stadtmuseum Weimar hat dann 1956, unter Leitung des Verfassers, in mühevoller Arbeit 155 Formen hergerichtet und abgegossen. Dies ist nach der Ausgrabung 1927 erstmalig geschehen und erlaubt einen interessanten Überblick über die Offizin.
Meyerheine stellte Figuren in den Größen 3,5; 5; 6,5; 8,5 und 10 Zentimeter her. Aus der Zeit Hollbergs sind nur wenige Typen bekannt, da Adolf Meyerheine 1845 die alten, in der Werkstatt hergestellten Formen zerschnitt oder abschliff und zur Benutzung der Außenseiten an den Graveur Wildt abgab. Da Meyerheine seit 1860 nicht mehr selbst gravierte, wurden von dieser Zeit an nur noch die von Wildt gelieferten Formen geschäftlich verwertet. Von den alten Formen sind Tiere, Soldaten, Jagden und anderes bekannt; die abgegossenen Formen bringen aber außer Tieren nicht mehr davon hervor. Sehr gut kommen Abgüsse aus der zehn Zentimeter großen Potsdamer Paradeserie, hauptsächlich Gardekavallerie in genauer Uniformierung um 1860. Das "Straßenleben" ist ebenfalls vom Graveur Wildt um 1860 gestochen worden und bringt charakteristische Merkmale der Bekleidung jener Zeit.
Soweit die Formen intakt sind, erfolgt der Guß recht mühelos; eine gute Eigenschaft, die man bei alten Formen oft beobachten kann. Ein vollständiger Satz der Abgüsse wurde dem Deutschen Zinnfiguren-Museum auf der Plassenburg in Kulmbach gestiftet."
 
     
  Quellen:
Adressbücher 1836, 1852, 1853, 1925, 1938 online
Wiener Weltausstellung - Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches, Berlin 1873
Deutsche Zinngießerzeitung (www.ub.uni-koeln.de)
Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Markkleeberg b. Leipzig - 1. Jahrgang 1928
Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Markkleeberg b. Leipzig - 3. Jahrgang 1930
August Bonneß: "Die Zinngießerfamilie Meyerheine" in Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams, 1937
Paul Martin: Der standhafte Zinnsoldat - Bunte Welt aus Zinn und Blei, Stuttgart 1961
Erwin Ortmann: Zinnfiguren einst und jetzt, Edition Leipzig 1973
Harald u. Renate Kebbel: Bruckmann's Handbuch der Zinnfiguren, Bruckmann München 1978
Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979
Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985
August Bonneß: "Die Zinngießerfamilie Meyerheine" in Die Zinnfigur 5/1987 (Nachdruck des Aufsatzes aus dem Jahr 1937)
Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987
Horst Wilke: "Zinnfiguren - Einst Broterwerb und Spielzeug, heute Hobby und Zeitzeugen" in Märkische Volkszeitung "Bei uns", Nr. 40/88 v. 6.10.1988
Todesanzeige Georg Meyerheine in Potsdamer Neueste Nachrichten vom 6.1.1994
Alfred R. Sulzer: Spielzeugfiguren des Ersten und Zweiten Empire, Arenenberg 1996
Meyerheine in Gerhard Söhlke - Musterbuch für Spielzeug und Zinnfiguren - Berlin, um 1856, Verlag H. M. Hauschild GmbH, Bremen 2009
Wolf Rüdiger Bonk: Zinnfiguren aus Berlin und Umgebung, Zeughaus-Verlag GmbH., Berlin 2012
Land Brandenburg - Denkmale in Brandenburg online (Berliner Straße 124 a)
 
     
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