Langenbach, Friedrich Wilhelm - Nürnberg
Nürnberger Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach - Nürnberg
Nürnberger Zinn-Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach - Nürnberg
Spenkuch, Georg - Nürnberg
   
1814

Friedrich Wilhelm Langenbach wird am 17. Mai 1814 in Erlangen als Sohn des Sattlermeisters Ferdinand Langenbach geboren.

   
1832 Er kommt als Graveur nach Nürnberg.
   
1842

Georg Friedrich Ludwig Ernst, der später als Geldgeber in die noch zu gründende Nürnberger Compostionsfiguren-Fabrik einsteigen wird, ist zu der Zeit Eigentümer des Hauses 172 Oberwöhrdstraße und betreibt dort als Wirt und Weinschenk die Wirtschaft "Bärleinhuter".

   
1844    Anzeige in der Nürnberger Zeitung Nr. 117 vom 26. April 1844
   
1845

Am 9. April 1845 stellt Friedrich Wilhelm Langenbach ein Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesuch, in dem es u. a. heißt: "Ich befinde mich seit 13 Jahren als Graveur in hiesiger Stadt und erteile auch seit 1 1/2 Jahren Unterricht in der Fechtkunst ... In erster Beziehung arbeite ich vorzugsweise für den Portefeuillefabrikanten Leitzmann in der Mohrengasse, Portefeuillefabrikanten Baumbach in der Ledergasse, Goldbordürenfabrikanten Roeser in der Karolinenstraße und den Buchbinder und Galanteriearbeiter Daucher in der Kaiserstraße und verdiene ungefähr 600 fl. jährlich, in letzterer Beziehung bemerke ich, daß es bekannt ist, daß ich dahier Fechtunterricht erteile und es kann sich mein jährlicher Verdienst auf 150 fl. belaufen ...

... daß außer dem Graveur Dallinger, Pius Andreas, keiner sich hier befindet, welcher die Wappen und Siegel verfertigt, was auch meine Gebiete sind und daß derselbe nicht im Stande ist, den Bestand zu leisten. Und was die gröberen Arbeiten auf Stahl, Walzen, Stanzen u. dergl. betrifft, so wurde soches außer mir von niemanden dahier geleistet."

 

Der Graveur Friedrich Wilhelm Langenbach gehört mit einem Wochenlohn von 10 bis 15 fl. zu den finanziell besser gestellten Nürnberger Handwerkern. Er besitzt ein Vermögen von 150 fl. in bar, einen Schuldschein der Witwe Schenk über 200 fl. und Einrichtungsgegenstände im Wert von ca. 341 fl.; von seinen Eltern sollte er bei der Ansässigmachung zusätzlich 1000 fl. bekommen. 

 

Am 16. Mai 1845 wird seinem Gesuch durch den Nürnberger Stadtmagistrat entsprochen.

 

Friedrich Wilhelm Langenbach und seine Braut, die kinderlose Witwe Karolina Sophia Elisabeth Döderlein, geborene Riegel (* 19. Februar 1809 in Sulzbach; † 26. September 1871), die ein Vermögen  und Mobiliar im Wert von 300 fl. mit in die Ehe bringt, heiraten am 20. Mai 1845 und leben nach wie vor im Haus S. 536 in der Burgstraße, das dem Kupferdrucker Karl Joseph Berg gehört.

   
1847/48 Friedrich Wilhelm Langenbach nimmt Unterricht im Formen, Gießen und Ziselieren an den technischen Lehranstalten in Nürnberg.
   
1850

Georg Friedrich Speiser ist Eigentümer der Firma Schmidthammer sel. Sohn & Cie. (Manufakturwaaren, Commission- und Spedition) in L. 273 Waizenstraße. Sein Sohn Johann Leonhard Heinrich Speiser ist dort angestellt.

   
  Friedrich Wilhelm Langenbach ist mit seiner Frau zwischenzeitlich in das Haus S. 433 Schmidtgasse umgezogen, das dem Dosenmaler Franz Stürmer gehört.
   
     Anzeige im Fränkischen Kurier Nr. 231 vom 19. August 1850
   
  Das Ehepaar ist in das Haus S. 1355 umgezogen, das dem Handlungs-Commis Philipp Anton Hebel gehört.
   
1852

Johann Leonhard Heinrich Speiser ist jetzt Eigentümer der Großhandlung Schmidthammer sel. Sohn und Cie.

   
1853

Im März erwirbt das Ehepaar Langenbach das Haus S. 444, spätere Hausnummer 12 in der Bergstraße von dem Marktassistenten Andreas Pflaum und ziehen dorthin um.

   
1854

Johann Leonhard Heinrich Speiser  gründet zusammen mit Friedrich Wilhelm Langenbach die Nürnberger Compositionsfigurenfabrik im Gebäude L. 273 Waizenstraße.

Speiser handelt nach wie vor mit Manufakturwaaren.

Am 28. März 1854 reicht Speiser bei der Regierung von Mittelfranken ein Gesuch "um die Conzession zur Errichtung einer Fabrik mit Compositionsfiguren" ein.

Diese Fabrikkonzession wird Speiser am 12. Juli 1854 erteilt und wie folgt begründet: "1. die fraglichen Compositionsfiguren bilden einen Handelsartikel, welcher sich des bedeutendsten Absatzes nach allen Weltgegenden erfreut, 2. Speiser beabsichtigt die Produktion im Großen durch Arbeitstheilung, also fabrikmäßig, 3. derselbe besitzt das zu diesem Fabrikationszweige erforderliche Vermögen, 4. die Vorsteher des Handelsstandes haben sich mit dem Magistrate für das Gesuch begutachtend ausgesprochen ..."

   
1857

Speiser verzichtet auf seine Fabrikkonzession und überläßt Fabrikeinrichtung und Warenvorräte Langenbach und dem Bierwirt Georg Friedrich Ludwig Ernst.

Am 1. Dezember 1857 stellen die beiden ein Fabrikkonzessionsgesuch: "Wir, Langenbach und Ernst sind entschlossen, die fragliche Fabrik gemeinschaftlich, wie bisher mit der Firma "Nürnberger Compositionsfigurenfabrik" fortzusetzen und nachdem Speiser einen unbedingten Verzicht auf seine Conzession geleistet hat, stellen wir die unterthänigste Bitte, uns beiden die Conzession zum Fortbetriebe dieser Fabrik unter der bisherigen Firma zu ertheilen. Ich, Langenbach, werde auch ferner den technischen Theil der Fabrik besorgen, ich Ernst, den merkantilistischen Theil, ... Die Fabrik, die wir zu übernehmen gedenken, ist in gutem Gange, wir beschäftigen 5 Arbeiterinnen innerhalb der Fabrik und 18 - 20 Malerinnen außer dem Hause. Das Fabriklokale ist in meinem, des Langenbach Hause, S. 444, worinnen sich der erforderliche Gießofen befindet und da die übrigen Verrichtungen blos in Handarbeiten bestehen, so sind Maschinen nicht vorhanden und auch nicht erforderlich."

 

Mit ca. 25 Arbeiterinnen gehört der mittlere Handwerksbetrieb zu den größeren Zinnfigurenherstellern in Nürnberg.

 

Langenbach und Ernst haben ein gemeinsames Kapital von ca. 13000 fl.

Ernst bringt davon 9800 fl. in die Firma ein; er besitzt auf der Lorenzer Stadtseite das Haus L.1328 Lottergasse (er betreibt dort als Bierwirt den sogenannten Schützenhof) und einen Anteil von 3800 fl. an dem Haus Nr. 147 Lange Zeil in St. Johannis (als Privatier).

Langenbach hat ein Vermögen von 3000 fl., wobei auf sein für 4000 fl. erworbenes Haus, das noch mit einer Hypothek von 1800 fl. belastet ist, 2200 fl. entfallen. Die restlichen 800 fl. investiert er in einen Grundbesitz in Mögeldorf.

   
 
Etikett Langenbach & Ernst mit Firmenzeichen "LE" (umgedrehtes "L") - Sammlung und Foto Spielzeugmuseum Nürnberg
   
1862

Georg Friedrich Ludwig Ernst scheidet aus dem gemeinsamen Betrieb aus.

Am 7. Oktober 1862 wird der Graveur und Compositionsfigurenfabrikant Friedrich Wilhelm Langenbach der Alleininhaber der "Nürnberger Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach". Die Hauptniederlassung der Firma befindet sich in Nürnberg.

   
1866   
Anzeige in der Beilage zu Nr. 353 des Fränkischen Kuriers vom 20. Dezember 1866
   
1867 Im Handels-Adreßbuch von Nürnberg ist nun als Adresse S. 404 Füll angegeben.
   
1869

Im Adreß-Taschenbuch der Stadt Nürnberg heißt es: "Langenbach, J. F. W., Compositions-Figuren-Fabrik, Zinnfiguren in allen Sorten, sowie auch halbfeine, flach- und hohlgegossene Soldaten aller Nationen, Gegenstände aller Art für Knaben und Mädchen, Bergstraße [12]".

   
1871

Zum 22. August 1871 wird der Kaufmann Georg Voglherr in Nürnberg Inhaber der Firma.

Am 2. Oktober 1871 meldet Langenbach sein Gewerbe ab.

   
1872 Am 29. Mai 1872 läßt sich Langenbach erneut in das Gewerberegister - als Graveur - eintragen.
Er engagiert sich bei den Gemeindewahlen und lädt mit anderen Honoratioren die wahlberechtigten Gemeindebürger des Sebalder-Viertels, St. Johannis und Gärten hinter der Veste zu einer Bezirksversammlung am 1. November 1872 ein.
   
1876

Ab dem 30. September 1876 ist Inhaberin der Firma "Nürnberger Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach" nunmehr Maria Clara Waldmann, Oberbriefträgersgattin in Nürnberg.

Georg Voglherr hat Geschäft mit Firma an Waldmann abgetreten.

   
1878

Mit dem 6. November 1878 ist Katharina Rosina Lammers, Kaufmannswitwe und Steinkohlenhändlerin in Nürnberg, Inhaberin der Firma "Nürnberger Zinn-Compos. Figuren-Fabrik Fried. W. Langenbach".

Der Betrieb wird in die Obere Canalstraße 12 verlegt.

   
     Anzeige 1878
   
1879

Ab 18. Februar 1879 heißt die Firma: "Nürnberger Zinn-Compos. Figuren-Fabrik F. Dedel vormals Fried. W. Langenbach". Die bisherige Inhaberin Lammers tritt am 7. Februar 1879 das Geschäft mit Firma an den aus Kitzingen stammenden Kaufmann Friedrich Dedel ab, der es mit Zustimmung der Verkäuferin weiter neben genannter Firma auf eigene Rechnung fortführt.

   
     Langenbach-Figuren nach 1870 (Höhe 5 cm)
   
 

Am 22. Dezember 1879 gibt Langenbach sein Gewerbe als Graveur auf und zieht sich ins Privatleben zurück; er wohnt bis zu seinem Tod weiterhin in der Bergstraße 12.

   
1880

Ab 23. August 1880 heißt die Firma "Georg Spenkuch" nachdem der bisherige Firmeninhaber Friedrich Dedel das Geschäft nebst Firma an den Fabrikanten und Kaufmann Georg Barnabas Spenkuch (* 11. August 1850 als Sohn des Nachtlichtherstellers Barnabas Spenkuch († 1865) und dessen Frau Margaretha, geb. Höllerer) in Nürnberg käuflich abgetreten hat, der es seitdem unter obenstehender Firma fortführt.

   
1881

Georg Spenkuch heiratet am 3. Januar 1881 Anna Elisabetha Birkmann (* 27. März 1857), Tochter des verstorbenen Gärtnereibesitzers Konrad Birkmann.

Der Betrieb wird in die Gostenhofer Hauptstraße 59 verlegt.

   
1882

Georg Spenkuch erhält auf der Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg eine erste Anerkennungs-Medaille "für gute und billige Arbeit".

   
1883

Auf der Kolonialausstellung in Amsterdam bekommt er eine weitere Auszeichnung für seine ausgestellten Figurenpackungen.

   
    
  Spanschachtel-Beispiel (Sammlung und Foto Christian Luscher) nach 1883
(Medaillen der Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg
1882 und der Kolonialausstellung Amsterdam 1883)
Detail Firmenzeichen
     
 
 

Etiketten-Beispiel nach 1883 (Medaillen der Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1882 und der Kolonialausstellung Amsterdam 1883) und dem Firmenzeichen "GSP"

   
1891 Friedrich Wilhelm Langenbach stirbt am 17. Oktober 1891.
   
1893

Nach dem Tode von Georg Spenkuch veräußert seine Witwe das Gebäude Gostenhofer Hauptstraße 59, das Inventar und die Firma am 6. Februar 1893 an den Kaufmann Wilhelm Schwarz (* 18. November 1862), der es unter der seitherigen Firma "Georg Spenkuch, Nürnberg" weiterführt.

   
1894

Für die Neuschaffung von Figuren gewinnt Wilhelm Schwarz herausragende Graveure, so u. a. Ludwig Frank (*24. August 1870; † 4. Oktober 1957), Andreas Ferner (* 3. Oktober 1871; † 7. Juli 1937) und Ludwig Junker.

  

Wilhelm Schwarz läßt die Schutzmarke "platzende Bombe" eintragen, um sich vor billigen Nachahmungen zu schützen.

   
     Schutzmarke
   
 
 

Etikett ab 1883 mit den Medaillen der Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung von 1882 (rechts) und der Kolonialausstellung Amsterdam 1883 (links)

Sammlung und Foto: Ray Haradin (Old Toy Soldier)

   
 
 

Etikett ab 1896 mit den Medaillen der Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellungen von 1882 und 1896 (rechts und jeweils links und rechts unterhalb) und der Kolonialausstellung Amsterdam 1883 (links oben) und der Schutzmarke unter Verwendung der ergänzten Druckplatten wie oben.

   
     Packungsbeispiel "Deutsche Kolonial-Truppen - Buren"
   
1896

Auf der Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg erhält die Firma "für gut ausgeführte plastische Zink-Spielwaren (sic!)" eine Silberne Medaille.

   
     Silberne Staats-Medaille 1896
   
1898    Anzeige 1898
   
1899

Dem Kaufmann Jean Schmidt sen. (* 13. Oktober 1887 in Nürnberg) ist am 30. September 1899 Prokura erteilt.

 

Wilhelm Schwarz gründet den Verband deutscher Zinnfigurenfabrikanten mit Sitz in Nürnberg.

   
1900

Zum 15. Juli 1900 tritt Jean Schmidt jun. (* 13. Oktober 1887 in Nürnberg - der spätere Schwiegersohn von Wilhelm Schwarz, er heiratet später die Tochter Emma Schwarz († um 1983)) -  als Lehrling in die Firma ein.

   
1901

Der Graveur und Scherzartikelfabrikant Bernhard Leonhard Enzingmüller (* 15. September 1873 als Sohn des Postpaketboten/Briefträgers Martin Enzingmüller und seiner Frau Magdalena); verheiratet mit Margarethe, geb. Irion

(* 26. September 1872; † 12. März 1951), wohnhaft in der Hirtengasse 6/II, 1904 in der Knauerstraße 3 und ab 1906 in der Knauerstraße 13 in Nürnberg, wird als Graveur und Betriebsleiter eingestellt.

Er siginiert seine Formengravuren teilweise mit "B. E."; (dieses Kürzel erscheint häufig neben den anderen Kürzeln G. S. N. (= Georg Spenkuch Nürnberg) und G. S. (= Georg Spenkuch) auf den Zeichnungen für die Werbung - dies bedeutet lediglich, daß Bernhard Enzingmüller diese Zeichnungen angefertigt hat).

   
1908

Im Wegweiser für die Spiel-, Galanterie- und Kurzwarenindustrie heißt es: "Die Karikatur erfreut sich bekanntlich in unserem heutigen Leben allgemeinen Interesses. Während sie früher ihre Pflege nur in Witzblättern fand, neigt der Geschmack des Publikums zurzeit auch in Spielwaren nach solchen Artikeln, bei denen das Charakteristische der Form durch die Karikatur betont wird. Was würde sich hier wohl besser eignen, als unser Militär? Diese Erkenntnis veranlasste die Firma Gg. Spenkuch ... ein eigenes, durch D.R.G.M. geschütztes Sortiment von Karikatur-Soldaten auf den Markt zu bringen."

Diese Soldaten, in den Gliedmaßen beweglich, bestehen aus Holz und Metall und kommen auf der Leipziger Herbstmesse 1908 neu heraus.

   
     Karikatursoldaten
   
1908

"Ein Artikel ... möge noch Erwähnung finden und zwar die Spenkuchschen Glücksnüsse und Glücksfiguren, die wegen ihrer gediegenen Form und des soliden Inhalts (100fache scherzhafte Gegenstände und Orakelsprüche) schon allerorten wohlbekannt sind."

   
1910

 Im Wegweiser wird gelobt:

"Die Zinnfigurenfabrik Georg Spenkuch in Nürnberg ist eine der bedeutendsten der Branche und hat sich durch jahrelange, streng reelle Bedienung einen festgegründeten Ruf erworben. Die Schutzmarke "Platzende Bombe" ist bereits beim Publikum als ein soldides Fabrikat bestens bekannt. Ausser Infanterie, Kavallerie und Artillerie in allen Größen und Nationen, von billigen bis zu teueren Preislagen, fabriziert die Firma Spezialitäten. Wir erwähnen insbesondere die Wiedergabe von "Schlachten", welche in reicher Auswahl und naturgetreuer Ausführung geboten werden. Ferner fabriziert die Firma "Luftschiffer-Abteilungen", "maritime Darstellungen" aller Art, "Bauerngüter", "Hühnerhöfe" mit allem Zubehör, aktuelle Begebenheiten wie "Nordpol", "Wintersport" usw. Ein besonderer Spezialartikel sind "Eisenbahnfiguren", ein Artikel von werbender Kraft. In demselben Masse wie die Aufnahme der Kindereisenbahnen zunimmt, steigt auch der Umsatz in diesen "Eisenbahn-Figuren", von denen ein Karton, ausser dem Bahnpersonal, alle charakteristischen Typen unseres heutigen Reise-Publikums wiedergibt. Erwähnt sei noch, dass die Firma Gg. Spenkuch Hauptlieferant in Spielefiguren ist; jene kleinen originellen Figuren, welche in wertvoller Weise die hochentwickelte deutsche Spiele-Industrie ergänzen. Den Erzeugnissen der Firma Gg. Spenkuch ist eine besonders sorgfältige Durchführung aller Artikel eigen, stets ist das Charakteristische betont und mit sicherem Gefühl hervorgehoben. Bei Durchsicht des kürzlich neu erschienenen reich illustrierten Kataloges wird man von der Vielseitigkeit und der großen Auswahl in den Spenkuch'schen Fabrikaten überrascht sein."

   
1912    Anzeige 1912
   
1913

Zur Schutzmarke "platzende Bombe" kommt eine Reklamemarke.

 

Der Wegweiser für die Spiel-, Galanterie- und Kurzwarenindustrie meldet: "Der soeben erschienene Nachtrag zum reich illustrierten Katalog der Firma Georg Spenkuch zeigt uns getreue Abbildungen von den bereits ausgegebenen neuen Darstellungen vom Krieg am Balkan mit den daran beteiligten fünf Nationen. Ferner eine militärische Flieger-Abteilung mit reizenden Flugapparaten (Doppeldecker und Rumpler-Taube), Benzinschuppen und grosser Aeroplan-Halle ... Dann eine Karawane, wie sie in unseren deutschen Kolonien in Afrika vorkommt mit beladenen Kamelen usw. ist prächtig und plastisch dargestellt. Nicht minder anregend ist die Darstellung einer Treibjagd im Sommer mit allen Vorkommnissen. Ein ganz besonderes Interesse an der Hundertjahrfeier der Erhebung Deutschlands wird zweifellos die Völkerschlacht bei Leipzig bringen welche Spenkuch ... in historisch getreuer Art dargestellt hat; jedem Karton ist eine wissenschaftliche Beschreibung beigegeben."

   
     Anzeige 1913
   
1923

Die Firma "Georg Spenkuch, Nürnberg" wird zum 1. Januar 1923 eine offene Handelsgesellschaft. Die Prokura des Jean Schmidt sen. ist erloschen. Gesellschafter sind die Kaufleute Wilhelm Schwarz und Jean Schmidt jun., beide in Nürnberg; jeder Gesellschafter ist allein zur Vertretung der Gesellschaft berechtigt.

   
     Wilhelm Schwarz
   
1924 Der langjährige Graveur der Firma, Bernhard Enzingmüller, stirbt am 29. Dezember 1925.
   
     Packungsbeispiel mit Flachfiguren
   
1925 Am 15. Juli 1925 feiert der Mitinhaber Jean Schmidt jun. sein 25jähriges Geschäfts-Jubiläum.
   
1927    Die Deutsche Spielwarenzeitung bringt einen Bericht über die Zinnfigurenfabrik Georg Spenkuch
   
1928    Die Deutsche Spielwarenzeitung druckt wiederum einen ausführlichen Bericht
   
1930    Die Deutsche Spielwarenzeitung veröffentlicht einen Bericht "50 Jahre Nürnberger Zinnfiguren-Fabrik Georg Spenkuch  
   
 

Das Jubiläum "50 Jahre Nürnberger Zinnfiguren-Fabrik Georg Spenkuch" ist nicht nachvollziehbar, da zum einen die Fabrik bereits 1854 gegründet wurde, beim Registergericht Nürnberg am 7. Oktober 1862 eingetragen ist und bei den verschiedenen Besitzerwechseln lediglich die Bezeichnung der Firma geändert wurde; 1930 existierte die Firma eigentlich schon 76 Jahre.

   
     Registerauszug aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Nürnberg
   
     Werbemarke 1930
   
1933

Spenkuch produziert 7 cm-Massefiguren unter dem Markennamen "Gloria". In der Deutschen Spielwarenzeitung finden wir einen ersten Hinweis auf sog. politische Figuren: "Es ist selbstverständlich, dass alle Arten SA- und SS-Figuren, sowohl aus Metall als auch aus der von der Firma eingeführten Gloria-Hartmasse (soviel wie unzerbrechlich und mit Drahteinlagen versehen), im illustrierten Katalog eingereiht worden sind, die der nationalen Bewegung entsprechend, ungemein stark begehrt sind."

   
 
  Figurenbeispiel (Höhe einschl. Helm 7,3 cm) Unterseite Sockel
     
 

Auf einer undatierten Postkarte an ein Spielwarengeschäft ist u. a. zu lesen: "Infolge Aufhebung des Uniform-Verbots der SA- und SS-Abteilungen wird das Interesse für meine Hitler-Figuren ... stärker als zuvor aufleben und bitte ich Sie mit Ihren Bedarf hierin baldgefl. aufzugeben.

Hochachtungsvoll gez. Georg Spenkuch"

   
1934

Wilhelm Schwarz scheidet im Alter von 71 Jahren am 6. August 1934 aus der Firma aus und privatisiert.

   
1938

Das Geschäft ist zum 17. August 1938 in den Alleinbesitz des Gesellschafters Jean Schmidt übergegangen, der es unter unveränderter Firma "Georg Spenkuch, Nürnberg" weiterführt.

   
1940 Wilhelm Schwarz ist in Nürnberg verstorben.
   
1942

Von 1942 bis 1949 firmiert "Georg Spenkuch, Nürnberg" als Spielwarengroßhandlung.

Jean Schmidt betreibt unter eigenem Namen einen Kaffeeversand bzw. eine Vertretung für Kaffee und Tee, ebenfalls in der Gostenhofer Hauptstraße 59.

   
1952

Den größten Teil des Formenbestandes übernimmt Walter Merten, Berlin (1907 bis 1984), der andere Teil wird von der Kleinzinngießerei Babette Schweizer in Dießen am Ammersee erworben.

Ein Teil gelangte angeblich nach den USA: "Es waren Formen für insgesamt 45 Gußteile. Vollplastische Römer und Germanen, eine Quadriga, Friederizianer und Landsknechte, sowie Neger und Araber sind bekannt geworden. Jene Formen kamen in den Besitz eines August Wooster, New York, und wurden dort weiterhin ausgegossen" berichtet H. H. Roer.

                      

August Wooster bzw. evtl. Nachkommen und damit diese Formen konnten trotz intensiver Nachforschung und Anschreiben aller in den USA vorkommenden "Wooster" nach www.anywho.com im Internet im Jahre 2000, bis jetzt nicht gefunden werden.

   
1953 Die Firma ist per 10. April 1953 erloschen
   
2000

Der 1952 von Walter Merten übernommene Formenbestand wird von dessen Schwiegersohn an Werner Scholtz, Berlin verkauft.

   
     Gostenhofer Hauptstraße 59 im Jahre 2007
   
     Packungs- und Figurenbeispiele
   
  Fußbrettchen (Weg):
 
   
 

Anschriften:

1845 - 1852   Haus S 536 in der Burgstraße

1853 - 1877   Haus S 444 in der Bergstraße, spätere Haus-Nr. 12

1878 - 1881   Obere Canalstraße 12

1882 - 1953   Gostenhofer Hauptstraße 59

   
 

Quellen:

Adressbücher der Stadt Nürnberg

Stadtarchiv Nürnberg

Handelsregister des Amtsgerichts Nürnberg

Mündl. Auskunft Herbert Enzingmüller, Rednitzhembach (2000)

Grabstelle Südfriedhof Nürnberg Abt. 47 G 17-18

Mündl. Auskunft Ida Götz (1972) und Dieter Götz, Ernst Eckert, Nürnberg; Hella Hirsch, Nördlingen und Fr. Hörtzsch, Schwabach (2000)

Mündl. Auskunft Walter Merten, Berlin (1972)

Deutsche Spielwarenzeitung

Wegweiser für die Spiel-, Galanterie- und Kurzwarenindustrie

Wegweiser für die Keramische, Bronce-, Spiel-, Kurzwarenindustrie

Nürnberger Zeitung Nr. 117 vom 26. April 1844 (Google books)

Jahresbericht über die technischen und landwirthschaftlichen Lehranstalten in Nürnberg bekannt gemacht am Schlusse des Schuljahres 1847/48, Nürnberg (Google books)

Fränkischer Kurier Nr. 231 vom 19. August 1850 (Google books)

Nürnberg's Handel und Industrie mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart, Nürnberg 1852 (Google books)

Fränkischer Kurier (Mittelfränkische Zeitung - Nürnberger Kurier) 19. Dezember 1866 und 20. Dezember 1866 (Google books)

Handels-Adreßbuch von Nürnberg 1867 (Google books)

Adreß-Taschenbuch der Stadt Nürnberg , Selbstverlag J. Brettinger, Nürnberg 1869 (Google books)

Nürnberger Anzeiger Nr. 303 vom 31. Oktober 1872 (Google books)

Bayerische Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1882, Verzeichnis der prämiierten Aussteller nebst Mitteilungen über das Preisgericht, München 1882, veröffentlicht am 25.8.1882, Verlag von Rudolf Mosse, Nürnberg/München

Internationale Ausstellung für Colonieen und Export zu Amsterdam 1883 - Spezial-Katalog der Deutschen Abteilung

Bayerische Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1896, Verzeichnis der prämiierten Aussteller nebst Mitteilungen über das Preisgericht, veröffentlicht am 20.8.1896, Verlag Bayer. Gewerbemuseum 1896 (Google books)

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Markkleeberg b. Leipzig - 3. Jahrgang 1930

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Hans Henning Roer: Bleisoldaten, Callwey 1981

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatl. Kunstsammlung Kassel 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

Hans Henning Roer: Alte deutsche Spielfiguren in Blei, Rommersheim 1993

Erhard Schraudolph: Die Nürnberger Zinn-Compositions-Figuren-Fabrik, in: MVGN 80 (1993)

Erhard Schraudolph: Die Nürnberger Zinn-Compositions-Figuren-Fabrik, in: Figurina Helvetica, 53. Jahrgang (1994)

Erhard Schraudolph: Die Nürnberger Zinnfigurenfabrik Georg Spenkuch, in: MVGN 82 (1995)

Erhard Schraudolph: Die Zinnfigurenfabrik Georg Spenkuch, in: Figurina Helvetica, 56. Jahrgang (1997)

Erhard Schraudolph: Zinnspielwarenhersteller in Nürnberg und Fürth, in: Paradestücke, Tümmels 2000

Ich danke Christian Luscher, Osnabrück, für das Foto der Spanschachtel nach 1883!

Ich danke Wolf-Rüdiger Bonk sehr herzlich für die Fotos der Flachfiguren-Packung!

Ich danke Uwe Bachmann sehr herzlich für die Fotos der Packung "Deutsche Kolonial-Truppen - Buren"!

   
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