Altonaer Offizin
Kraefft (Kraeft, Krevt), Gottlieb Leberecht - Altona
Kurz, G. L. -Stuttgart
   
 

Kollbrunner, Leinweber und Schenzle verzeichnen einen Gießer und Graveur Kurz mit Vornamen beginnend mit den Buchstaben "G" und "L" aus Reutlingen oder Stuttgart aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (1769) bis um 1820, der Zinnfiguren-Kopien nach Hilpert und eventuell auch Lorenz produziert hat.

Leinweber gibt als Themenbereich einen Trompeter zu Fuß als eigene Gravur an. 

Schenzle bildet dazu ein Fußbrettchen mit dem Sigel "G.L.K. 1769" ab:

   
 
   
 

Nach dem Genealogischen Handbuch Bürgerlicher Familien gab es in der Stammreihe des Reutlinger bzw. Stuttgarter Bürgergeschlechts Kurz/Kurtz weder zu der Zeitspanne (1769 bis 1820) noch überhaupt einen Nachkommen mit den entsprechenden Vornamen, der Gießer oder Graveur war.

 

Ein Georg Ludwig, der am 30. November 1779 in Reutlingen geboren wurde, verstarb dort bereits am 12. Januar 1781.

Ein Gottfried Ludwig Friedrich Kurtz, der am 16. April 1798 in Stuttgart geboren wurde und in Neustadt am 7. Dezember 1837 verstarb, war Magister und Pfarrer.

   
  K. Pohle schreibt u. a.: "... und einige alte Tierdarstellungen, so drei Löwen, ein Nashorn, ein Kamel, einen Elefanten und mehrere Stiere oder Büffel. Besonders bemerkenswert war darunter ein Leopard mit der Aufschrift auf dem Standplättchen "Leopard" und zwei Löwen und ein Stier mit der Signatur "K".
Mit der gleichen Signatur "K" waren noch vorhanden: ein Dompfaff oder ähnlicher Vogel, ich bezeichne ihn so wegen der Bemalung, die ganz vorzüglich erhalten war, ebenso eine Vase, aus der ein Baum mit Früchten emporwächst; hier sind der Signatur noch Punkte beigefügt, und zwar zwei Gruppen von je drei Punkten vor und hinter dem Buchstaben "
·:K:·"
Das Interessanteste dieser Art waren zwei Darstellungen "Schäfer mit Herde und Bäumen". Ein Baum trug die Signatur " G.L.K. ·:1769:·".
An Personen waren vorhanden: je ein Schäfer, Schäferin und Bauernsfrau, dazu dann die große Herde, einmal 21, das andere Mal 18 Tiere, bei jeder Darstellung befand sich ein Hund mit der Hundehütte. Einer der Schäfer trug die Signatur "L". Die Bemalung war eigentümlich; so waren die Schafe alle mit roten und grünen Flecken scheckig gemalt.  Auch zwei Darstellungen einer Jagd waren da. Im ganzen sieben Jäger schießend, und ein Jäger, der den geschossenen Hasen an seinen Hinterläufen über die Flinte gehängt nach Hause trägt. Dabei eine Fülle von Tieren, Rehe, Hirsche, Wildschweine, groß und klein, Hunde, Füchse, Eichhörnchen und viele Bäume. Diese zeichneten sich nun wieder durch verschiedenste Signaturen aus. Es kamen vor, auch bei den Jägern vertreten, und zwar mehrfach, "K" und "L". Einmal kamen bei Bäumen folgende Signaturen vor:
    
Für den Zinnsoldatensammler waren von besonderem Interesse die Soldaten. Hier waren drei Reiter und neun Infanteristen aus der Friderizianischen Zeit in Exerzierstellung, das Gewehr im linken Arm. Die Malerei war bei allen trotz des doch recht respektablen Alters der Figuren noch sehr gut erhalten. Bei diesen stand eine Figur ein Kavalier aus der Zeit um 1650 und ein Kroat. Beide waren auch noch teilweise bemalt. Die Farben des Kroaten waren rot und grün und sehr gut erhalten. Bei den Soldaten war mehrfach die Signatur "K" auf dem Standplättchen."

Theodor Hampe schreibt die Signierung "K" in seinem Aufsatz "Die Sammlung von Zinn-Spielfiguren im Maximilians-Museum zu Augsburg" in "Das schwäbische Museum - Zeitschrift für Kultur, Kunst und Geschichte Schwabens", Jahrgang 1925, E. G. Kuhn zu.
Im Zusammenhang mit der Figur, die mit "G.L.K.1769" signiert ist, würde ich diese eher Kraefft zuschreiben ("K" für Kraefft, "L" für Leberecht) - für andere Meinungen wäre ich dankbar!
   
 

Quellen:

Theodor Hampe: "Die Sammlung von Zinn-Spielfiguren im Maximilians-Museum zu Augsburg" in Das schwäbische Museum - Zeitschrift für Kultur, Kunst und Geschichte Schwabens, Jahrgang 1925

K. Pohle: "Alte Zinnfiguren im Düsseldorfer Stadtmuseum" in Die Zinnfigur 2/1936

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, 11. Band, Berlin 1904 (Mazowiecka Biblioteka Cyfrowa online)

Theodor Schön: Geschichte und Stammreihe des Reutlinger Bürgergeschlechts Kurtz, Verlag Lindemann, Stuttgart 1896

Albert Möller: Ergänzungen zu Kurtz in Reutlingen in Blätter für württembergische Familienkunde, Bd. 9

Gerd Wunder: Zur Genealogie Kurtz-Reutlingen in Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Bd. 11

   
  Die einzigen in der Literatur bekannten Zinngießer mit den entsprechenden Vor- und Nachnamen sind die drei Generationen Kraefft aus Altona.
Dies würde auch die bei Onken, Kollbrunner, Garratt, Leinweber und im Ausstellungskatalog der Hansestadt Lübeck von 1976/77 verzeichnete "Altonaer Offizin" erklären.
Walter Onken schreibt zur Altonaer Offizin: "In Altona, heute Hamburg angegliedert und damals noch dänisch verwaltet, finden wir eine Offizin unbekannten Namens, deren meist plumpe Figuren häufig Holtzschen Typen nachgebildet sind."
John G. Garratt schreibt: "Altona, Hamburg (19th Century). A few flats are known bearing this name."
   
   
1755 Gottlieb Leberecht Kraefft (I) erwirbt als Geselle am 1. Dezember 1755 das Bürgerrecht in Altona.
   
1756 Er wird Meister.
   
               Qualitätsmarken für englisch Feinzinn des Gottlieb Leberecht Kraefft (I)
   
1792 Christian Diederich Hintzpeter heiratet Johanna Maria Margaretha Kraefft, Tochter des Gottlieb Leberecht Kraefft (I).
   
1793 Gottlieb Leberecht Kraefft (II) erwirbt am 3. Oktober 1793 das Bürgerrecht für Altona und heiratet Sophia Friederica  Koiser.
   
1795 Gottlieb Leberecht Kraefft (I) ist erstmalig im Adressbuch als Zinngießer in der Langenstraße No. 122 vermerkt.
   
1795 Gottlieb Leberecht Kraefft (II) läßt am 20. November 1795 ein Kind taufen.
   
1797 Ein weiteres Kind läßt er am 24. Dezember 1797 taufen.
Er erscheint erstmalig im Adressbuch mit der Anschrift Große Bergstraße No. 101, Eigentümer ist Christian Diederich Hintzpeter.
   
1802 Gottlieb Leberecht Kraefft (I) lebt als Rentner bei seinem Schwiegersohn Christian Diederich Hintzpeter in der Großen Bergstgraße 101.
   
1805 Er ist letztmalig im Adressbuch vermerkt.
   
1820 Gottlieb Leberecht Kraefft (II) ist verstorben. Seine Witwe wohnt in der Großen Fischerstraße 192.
   
1836 Gottlieb Leberecht Kraefft (III) wohnt und arbeitet als Zinngießer in der Langestraße 69.
   
1884 Er ist in den Adressbüchern nicht mehr verzeichnet.
   
  Quellen zu Altonaer Offizin:
Walter Onken: Zinnfiguren, Mosaik-Verlag München 1976
Der standhafte Zinnsoldat - Aus der Spielzeugkiste ins Museum, Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Ausstellungskatalog 28.11.1976 - 9.1.1977
Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979
John G. Garratt: The World Encyclopedia Of Model Soldiers, The Overlook Press, New York 1981
Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985
   
  Quellen zu Kraefft:
Adressbücher Altona (SUB Hamburg)
Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band III (Norddeutsche Zinngießer), Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931
   
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