Krause, Theodor, Zinnspielwarenfabrik - Gotha
   
1819

ChristianTheodor Krause wird am 15. Oktober 1819 als Sohn des aus Arnstadt stammenden Zinngießermeisters Johann Elias Christian Christoph Krause (* 1788, † 1847) geboren.

Er erlernt in der väterlichen Werkstatt in der Fleischgasse 10 am Buttermarkt (heute Hünersdorfstraße) das Zinngießerhandwerk und damit die Herstellung von Löffeln, Teller, Kannen und sonstigem Hausrat aus Zinn.

   
1846 Theodor Krause legt die Meisterprüfung ab.
   
1848 Er heiratet die Ida Mathilde Auguste Luise Kolbe (* 1824). Das Ehepaar hat fünf Kinder, von denen lediglich Karl Krause (* 1849) und Anna Krause (* 1853; † 1935; heiratet den Kaufmann und späteren Firmenmitinhaber Hermann Krellmann) überleben.
   
1853

Theodor Krause gründet am 15. September 1853 die "Fabrik von Zinn-Spielwaaren Theodor Krause".

Die Firma befindet sich in den Räumlichkeiten der väterlichen Werkstatt.

Theodor Krause übernimmt die Arbeit des Gravierens; er ist ein guter Zeichner und entwirft viele Zeichnungen selbst.

Es wird eine erste Preisliste über "extrafeine Zinnfiguren" und "feine Zinnfiguren" herausgegeben mit "... Infanterie im Marsch, im Feuer und im Sturm, Cavallerie im Marsch, einhauend und mit Lanze, Fußartillerie und reitende Artillerie, mit allen Waffengattungen jederzeit die neuesten Schlachten; Musik, Sanitätscolonne, Feldpost, Munitionskarren, Generalstab, Festungen und allem Zubehör ..."

   
1855

Es erscheint die zweite Preisliste, die um " große Infanterie und Kavallerie, bewegliche Ritter, Pulverwagen mit Gespannen, Puppenstubenartikel aus Zinn" ergänzt ist.

   
1856 Von nun an besucht die Firma jährlich die Leipziger Messe.
   
1862

Auf der Londoner Ausstellung erhält der Zinngießer Theodor Krause für seine Muster von Zinnspielwaren in verschiedenen Sortimenten eine Ehrenvolle Erwähnung.

Agent der Firma in London ist W. Meyerstein, 47 Friday-street.

   
1863 Am 13. Mai 1863 verkauft Theodor Krause sein Wohn- und Geschäftshaus in der Fleischgasse 10 für 5800 Taler.
Mit Vertrag vom 1. Juni 1863 wird das Wohnhaus Gartenstraße 3 für 12100 Taler gekauft und am 1. Juli 1863 bezogen.
   
1865

In der 5. Preisliste werden erstmalig mittelfeine und ordinäre Figuren aufgeführt. Auch massive Figuren in kleinen Glas-Kartons mit 10, 20, 30 oder 60 Stück Infanterie und 12 oder 24 Stück Kavallerie werden angeboten.

"Aber auch der Frieden im Spiel ist vertreten: Schäfereien und Schweizereien, Kunstreiter und Affentheater, Markt und Procession; und im Märchenepos sind Schneewittchen, Aschenbrödel, Dornröschen, Rotkäppchen, der gestiefelte Kater und der kleine Däumling vortrefflich dargestellt."

Die Firma hat neben zahlreichen Kunden in Deutschland auch Auftraggeber in Frankreich, England, der Schweiz und Österreich.

   
1869

In Deutschland beliefert Krause mittlerweile Kunden in über 90 Städten. Ausländische Kunden befinden sich in Amsterdam, Baltimore, Basel, Bern, Bologna, Brünn, Brüssel, Eger, Franzensbad, Graz, Kopenhagen, London, Lyon, Meiland, Paris, Prag, Pressburg, Rotterdam, St. Petersburg, Stockholm, Straßburg, Triest, Utrecht und Wien.

   
1870

Die Fabrikate werden bis einschließlich 1877 am Markt 3 in Leipzig ausgestellt.

Die Spielwarenfabrik beschäftigt bis 1910 gleichzeitig drei Gießer und ca. 14 bis 20 Maler und Packer.

Dr. August Beck schreibt in seiner 1870 veröffentlichten "Geschichte der Stadt Gotha" u. a.:

"Auch eine Blei- und Zinn-Spielwaarenfabrik wurde von Theodor Krause vor einigen Jahren eingerichtet. Sie zeichnet sich durch Dauerhaftigkeit und Billigkeit der Waaren aus. Mehr als 60 Peronen werden durch sie beschäftigt und das Spielzeug wird nach allen Welttheilen hin versendet"

   
1871

Bis jetzt sind 11 Listen und 3 Nachträge erschienen. Es sind hinzugekommen; halbmassive Figuren, große massive und Hohlfiguren, speziell für England usw.

Die Farben der Etiketten sind für extrafeine Zinnfiguren blau, für mittelfeine rot, für ordinäre und kleine schwarz.

   
1875

Die Zinnfigurenfabrik C. Ammon in Nürnberg bezieht von Krause Kaffee- und Teeservices, Löffel, Milchgießer, Zuckerzangen, Kaffee- und Teekannen für die Puppenstube.

   
1877 Theodor Krause kauft ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück am Schützenberg von dem Ökonomen Carl Tümpel und baut dort eine neue Produktionsstätte.
Rudolf Krause
(Sohn von Karl Krause) wird geboren.
   
1878

Umzug in das Anwesen am Schützenberg 2. Die Firmenräume werden durch umfassende Baumaßnahmen erweitert.

Herzog Ernst II. verleiht den Titel "Kommerzienrat" an Theodor Krause.

Von nun an werden die Fabrikate am Neumarkt 42 in Leipzig ausgestellt.

Für die Formenherstellung arbeitet der Graveur Alwin Schilling (1828 - 1894) aus Mehlis bei Krause.

   
1879

Im Inventarbuch sind aufgelistet: Hühnerhof, Berlin, Zoologischer Garten, Champs-Élysées, Landschaft, Löwenjagd, Vieweide, Jagd, Rittertunier, Musik, Indianerleben, Zirkus, Turnplatz, Zigeuner, Seiltänzer.

   
1880

Der Sohn Karl Krause, der mit Emmy, geb. Wiegand verheiratet ist, übernimmt die Leitung der Firma.

Er hat im Gegensatz zu seinem Vater keine Meisterprüfung und widmet sich ausschließlich der kaufmännischen Leitung des Betriebes.

Das Ehepaar hat den Sohn Rudolf Krause (* 1877) und die Töchter Elisabeth Krause und Magdalena Krause.

   
1887 Ida Mathilde Auguste Luise Krause stirbt.
   
1894

Nach dem Tod des Graveurs Alwin Schilling hat die Firma keinen fest angestellten Graveur mehr; die Graveure wechseln sich kurzfristig ab.

   
1905 Karl Krause ist am 5. Dezember 1905 Mitbegründer des Verbandes Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten.
   
1906

Theodor Krause stirbt am 25. November 1906.

Das "Gothaische Tageblatt" veröffentlicht am 26. November 1906 einen Nachruf:

"Gestern Nachmittag starb nach längerem Leiden im Alter von 87 Jahren Herr Kommerzienrat Theodor Krause, der Begründer der Zinnspielwarenfabrik Theodor Krause, die sich einen Weltruf durch ihre Fabrikate erworben hat. Aus kleinen Anfängen hat sich das Geschäft zu einem großen Fabrikgeschäft ausgestaltet. Seit einer langen Reihe von Jahren hat sich Herr Theodor Krause vom Geschäft zurückgezogen und es seinem Sohne übergeben, der es unter der alten Firma weiterführt."

Elektrische Puppenstubenlampen, sowie Scheinwerfer, die mit Batterie zum Leuchten gebracht werden, ergänzen das Herstellungsprogramm.

   
1910

Formen werden von der Graveur-Anstalt und Formen-Fabrikation G. L. Bischoff in Nürnberg hergestellt.

   
1912

Karl Krause stirbt am 13. August 1912 in Jena.

Das Unternehmen wird von Rudolf Krause übernommen.

   
1914

Nachdem Rudolf Krause zum Kriegsdienst eingezogen wird leitet seine Ehefrau Emma Krause die Firma.

Außer der Zinnspielwarenfabrik besitzt Emma Krause noch eine Bürstenfabrik in Georgenthal.

Die Firma mietet ein Musterzimmer im Hauptgeschoß des Gebäudes Neumarkt 2/4 in Leipzig an.

   
1915 Rudolf Krause fällt am 14. Juli 1915 als Hauptmann d. R. in Frankreich.
Seine Witwe Mary, geb. Gerlach (* 1875;
† 1966) leitet weiterhin die Fabrik.
   
1920 Die Fabrik hat zwei Gießereien mit je zwei Gußöfen.
   
1924 Nach Ende der Inflation erfolgt ein wirtschaftlicher Aufschwung.
   
1928

Zum 75-jährigen Jubiläum werden Einladungs-Postkarten an die Kunden verschickt:

"Die Ausstellung umfaßt meine sämtlichen Fabrikate - Bleisoldaten in allen Ausführungen und in den Uniformen aller Länder der Erde; ferner dazu passende Artikel wie Kanonen, Fahrzeuge, Zelte etc. Puppenzimmer-Artikel aus Zinn (Beleuchtungsgegenstände, Möbel, Service, Ausstattungsstücke) - Elektrische Lämpchen mit Zubehör - Aktuelle Neuheiten

so das Bremen-Flugzeug, naturgetreu und geschmackvoll ausgeführt, in verschiedenen Größen; sowie

Zusammenstellungen vom Transozeanflug der Bremen mit den Typen: Köhl, v. Hünefeld und Fitzmaurice in halbmassiver und massiver Ausführung.

Ausstellungsraum:

Zentral-Messepalast

Neumarkt 2/4, Hauptgeschoß, Zimmer 7"

   
     Werbung 1928
   
1943 Die Fabrik am Schützenberg 2 wird kriegsbedingt stillgelegt.
   
1949 Nun Produktionsgenossenschaft und VEB Bijou (Schmuckwaren)
   
1983/84 Komplettabriss der Gebäude.
   
     Beispiele von Katalogabbildungen
   
     Beispiele von Packungen und Figuren
   
 

Anschriften:

1819 - 1863 Fleischgasse am Buttermarkt (heute Hünersdorfstraße)

1864 - 1877 Gartenstraße 3

1878 - 1949 Schützenberg 2 

   
 

Quellen:

Londoner Ausstellung 1862 - Special-Catalog der gewerblichen Ausstellung des Zollvereins, Berlin 1862 (Google books)

Dr. August Beck: Geschichte der Stadt Gotha, Gotha 1870

Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Markkleeberg b. Leipzig - 1. Jahrgang 1928

Der Standhafte Zinnsoldat, Sonderdruck 2/1928 

Gothaer Museumsheft: Abhandlungen und Berichte zur Regionalgeschichte: Jutta Berger: Zinnspielwaren Krause/Gotha - Vom Handwerk zur kapitalistischen Produktion, Gotha 1972 

Zinnspielwarenfabrik Theodor Krause, Schriftenreihe des URANIA Kultur- und Bildungsvereines Gotha e. V. zur Firmengeschichte der Stadt Gotha, 2000

Gothaer Tagespost vom 22. Mai 2016: "In Gotha entstanden Zinnsoldaten und Schaukelpferde" (online)

   
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