Krause, Theodor, Zinnspielwarenfabrik - Gotha
   
1819

Theodor Krause wird als Sohn des Zinngießermeisters Johann Elias Anselm Krause (* 1788, † 1847) geboren.

Er erlernt in der väterlichen Werkstatt in der Fleischgasse am Buttermarkt (heute Hünersdorfstraße) das Zinngießerhandwerk und damit die Herstellung von Löffeln, Teller, Kannen und sonstigem Hausrat aus Zinn.

   
1846 Theodor Krause legt die Meisterprüfung ab.
   
1849 Karl Krause wird geboren.
   
1853

Theodor Krause gründet am 15. September 1853 die "Zinnspielwarenfabrik Theodor Krause".

Die Firma befindet sich in den Räumlichkeiten der väterlichen Werkstatt.

Theodor Krause übernimmt die Arbeit des Gravierens; er ist ein guter Zeichner und entwirft viele Zeichnungen selbst.

Es wird eine erste Preisliste über "extrafeine Zinnfiguren" und "feine Zinnfiguren" herausgegeben mit "... Infanterie im Marsch, im Feuer und im Sturm, Cavallerie im Marsch, einhauend und mit Lanze, Fußartillerie und reitende Artillerie, mit allen Waffengattungen jederzeit die neuesten Schlachten; Musik, Sanitätscolonne, Feldpost, Munitionskarren, Generalstab, Festungen und allem Zubehör ..."

   
1855

Es erscheint die zweite Preisliste, die um " große Infanterie und Kavallerie, bewegliche Ritter, Pulverwagen mit Gespannen, Puppenstubenartikel aus Zinn" ergänzt ist.

   
1856 Von nun an besucht die Firma jährlich die Leipziger Messe.
   
1862

Auf der Londoner Ausstellung erhält der Zinngießer Theodor Krause für seine Muster von Zinnspielwaren in verschiedenen Sortimenten eine Ehrenvolle Erwähnung.

Agent der Firma in London ist W. Meyerstein, 47 Friday-street.

   
1864 Umzug in die Gartenstraße 3.
   
1865

In der 5. Preisliste werden erstmalig mittelfeine und ordinäre Figuren aufgeführt. Auch massive Figuren in kleinen Glas-Kartons mit 10, 20, 30 oder 60 Stück Infanterie und 12 oder 24 Stück Kavallerie werden angeboten.

"Aber auch der Frieden im Spiel ist vertreten: Schäfereien und Schweizereien, Kunstreiter und Affentheater, Markt und Procession; und im Märchenepos sind Schneewittchen, Aschenbrödel, Dornröschen, Rotkäppchen, der gestiefelte Kater und der kleine Däumling vortrefflich dargestellt."

Die Firma hat neben zahlreichen Kunden in Deutschland auch Auftraggeber in Frankreich, England, der Schweiz und Österreich.

   
1869

In Deutschland beliefert Krause mittlerweile Kunden in über 90 Städten. Ausländische Kunden befinden sich in Amsterdam, Baltimore, Basel, Bern, Bologna, Brünn, Brüssel, Eger, Franzensbad, Graz, Kopenhagen, London, Lyon, Meiland, Paris, Prag, Pressburg, Rotterdam, St. Petersburg, Stockholm, Straßburg, Triest, Utrecht und Wien.

   
1870

Die Fabrikate werden bis einschließlich 1877 am Markt 3 in Leipzig ausgestellt.

Die Spielwarenfabrik beschäftigt bis 1910 gleichzeitig drei Gießer und ca. 14 bis 20 Maler und Packer.

   
1871

Bis jetzt sind 11 Listen und 3 Nachträge erschienen. Es sind hinzugekommen; halbmassive Figuren, große massive und Hohlfiguren, speziell für England usw.

Die Farben der Etiketten sind für extrafeine Zinnfiguren blau, für mittelfeine rot, für ordinäre und kleine schwarz.

   
1875

Die Zinnfigurenfabrik C. Ammon in Nürnberg bezieht von Krause Kaffee- und Teeservices, Löffel, Milchgießer, Zuckerzangen, Kaffee- und Teekannen für die Puppenstube.

   
1877 Rudolf Krause (Sohn von Karl Krause) wird geboren.
   
1878

Umzug in das Anwesen am Schützenberg 2. Die Firmenräume werden durch umfassende Baumaßnahmen erweitert.

Herzog Ernst II. verleiht den Titel "Kommerzienrat" an Theodor Krause.

Von nun an werden die Fabrikate am Neumarkt 42 in Leipzig ausgestellt.

Für die Formenherstellung arbeitet der Graveur Alwin Schilling (1828 - 1894) aus Mehlis bei Krause.

   
1879

Im Inventarbuch sind aufgelistet: Hühnerhof, Berlin, Zoologischer Garten, Champs-Élysées, Landschaft, Löwenjagd, Vieweide, Jagd, Rittertunier, Musik, Indianerleben, Zirkus, Turnplatz, Zigeuner, Seiltänzer.

   
1880

Der Sohn Karl Krause übernimmt die Leitung der Firma und tritt zugleich dem Verband Deutscher Zinnfiguren-Fabrikanten in Nürnberg bei.

Er hat im Gegensatz zu seinem Vater keine Meisterprüfung und widmet sich ausschließlich der kaufmännischen Leitung des Betriebes.

   
1894

Nach dem Tod des Graveurs Alwin Schilling hat die Firma keinen fest angestellten Graveur mehr; die Graveure wechseln sich kurzfristig ab.

   
1906

Theodor Krause stirbt.

Elektrische Puppenstubenlampen, sowie Scheinwerfer, die mit Batterie zum Leuchten gebracht werden, ergänzen das Herstellungsprogramm.

   
1910

Formen werden von der Graveur-Anstalt und Formen-Fabrikation G. L. Bischoff in Nürnberg hergestellt.

   
1912

Karl Krause stirbt.

Das Unternehmen wird von Rudolf Krause übernommen.

   
1914

Nachdem Rudolf Krause zum Kriegsdienst eingezogen wird leitet seine Ehefrau Emma Krause die Firma.

Außer der Zinnspielwarenfabrik besitzt Emma Krause noch eine Bürstenfabrik in Georgenthal.

Die Firma mietet ein Musterzimmer im Hauptgeschoß des Gebäudes Neumarkt 2/4 in Leipzig an.

   
1915 Rudolf Krause fällt am 14. Juli 1915 als Hauptmann d. R. in Frankreich.
   
1920 Die Fabrik hat zwei Gießereien mit je zwei Gußöfen.
   
1924 Nach Ende der Inflation erfolgt ein wirtschaftlicher Aufschwung.
   
1928

Zum 75-jährigen Jubiläum werden Einladungs-Postkarten an die Kunden verschickt:

"Die Ausstellung umfaßt meine sämtlichen Fabrikate - Bleisoldaten in allen Ausführungen und in den Uniformen aller Länder der Erde; ferner dazu passende Artikel wie Kanonen, Fahrzeuge, Zelte etc. Puppenzimmer-Artikel aus Zinn (Beleuchtungsgegenstände, Möbel, Service, Ausstattungsstücke) - Elektrische Lämpchen mit Zubehör - Aktuelle Neuheiten

so das Bremen-Flugzeug, naturgetreu und geschmackvoll ausgeführt, in verschiedenen Größen; sowie

Zusammenstellungen vom Transozeanflug der Bremen mit den Typen: Köhl, v. Hünefeld und Fitzmaurice in halbmassiver und massiver Ausführung.

Ausstellungsraum:

Zentral-Messepalast

Neumarkt 2/4, Hauptgeschoß, Zimmer 7"

   
     Werbung 1928
   
1943 Die Fabrik am Schützenberg 2 wird kriegsbedingt stillgelegt.
   
1949 Nun Produktionsgenossenschaft und VEB Bijou (Schmuckwaren)
   
1983/84 Komplettabriss der Gebäude.
   
     Beispiele von Katalogabbildungen
   
     Beispiele von Packungen und Figuren
   
 

Anschriften:

1819 - 1863 Fleischgasse am Buttermarkt (heute Hünersdorfstraße)

1864 - 1877 Gartenstraße 3

1878 - 1949 Schützenberg 2 

   
 

Quellen:

Londoner Ausstellung 1862 - Special-Catalog der gewerblichen Ausstellung des Zollvereins, Berlin 1862 (Google books) 

Der Standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, Joachim Ritter, Markkleeberg b. Leipzig - 1. Jahrgang 1928

Der Standhafte Zinnsoldat, Sonderdruck 2/1928 

Gothaer Museumsheft: Abhandlungen und Berichte zur Regionalgeschichte: Jutta Berger: Zinnspielwaren Krause/Gotha - Vom Handwerk zur kapitalistischen Produktion, Gotha 1972 

Zinnspielwarenfabrik Theodor Krause, Schriftenreihe des URANIA Kultur- und Bildungsvereines Gotha e. V. zur Firmengeschichte der Stadt Gotha, 2000

   
  Zurück zur Gesamtnamensliste
   
  Zurück zur Startseite