Kietaibl, Franz "zum Chinesen" - Wien
   
1799

Franz Kietaibl gründet in der obern Bräunerstraße Nr. 1136 "zum Chineser" eine Kinder-Spielwaaren-Niederlage und Nürnbergerwarenhandlung.

   
1834

Die Firma wird mit seinen Kinderspielwaren vom "k. k. privil. bürgerlichen Handels-Gremium nach den Classen seines vorzüglichsten Handlungsfaches in den bürgerlichen Handelsstand einverleibt".

   
1837

Johann Zerwick, der Zinnwaren, Zinnspielzeug und Zinnfiguren produziert unter der Anschrift neue Wieden, Hauptstraße 719, hat eine Niederlage bei Franz Kietaibl.

   
1840

Es werden im April speziell angeboten "Oster-Eier in verschiedener Größe und Farbe, von Holz zum Oeffnen, empfiehlt die Kinderspielerei-Warenhandlung des Franz Kietaibl "zum Chineser" in der obern Bräunerstraße Nr. 1136, wie auch ein gut sortirtes Lager aller übrigen Spielerei-Waren und neuern Artikel, vorzüglich aber eine Auswahl Kinderwagen mit Eisen-Achsen und Feuerspritzen fürs Land und Gärten geeignet, zu den billigsten Preisen."

   
1842

Ein Privilegium [Patent] wird verliehen am 16. November 1842 "dem Franz Kietaibl, bürgerlicher Nürnberger-Warenhändler in Wien (Stadt Nr. 1136), auf die Erfindung selbstlaufender Maschinen, die für Wägen, hölzerne Pferde, Sesseln u.s.w. anwendbar seien, und ihrer Einfachheit und ihres leicht zu dirigirenden Mechanismus wegen, sowohl von erwachsenen Personen, als auch von Kindern im Alter über vier Jahre, überall in Zimmern, Gärten und Straßen benützt werden können; auf zwei Jahre, vom 16. November. Hofkammer-Decret vom 16. November 1842.R. Z. 71,014 u. 75,797 - In Sicherheits-Rücksichten steht der Ausübung dieses Privilegiums kein Bedenken entgegen."

"Solche Wägen haben an der hinteren Axe inwendig Knie- oder Krummzapfen, in welchen Leitstangen hängen, die unter dem Wagengestelle hinlaufen, und mittelst eines aufwärts in den Wagenkasten reichenden zweiarmigen Hebels hin und her zu ziehen sind, um den Wagen in Lauf zu setzen. Diese Hebelverbindung kann auch zum Drücken und Treten eingerichtet sein. Auch kann an einem Hinterrade ein Zahnrad befestigt sein, welches seine Bewegung von einem anderen Zahnrade erhält, das selbst wieder auf eine oben bemerkte Art in Bewegung gesetzt wird. Endlich kann das Laufen durch Räderversetzung erzielt werden, wobei das erste Rad von einer im Wagen sitzenden Person gedreht wird, das letzte aber in eine triebartige Verzahnung, die an einem Hinterrade eingreift, angebracht ist. - Erlischt im Jahre 1844 durch Zeitablauf."

   
1843

Am 8. April 1843 wird dem Kinderspielwaren-Erzeuger Johann Kunz und dem bürgerl. Handelsmann Franz Kietaibl in Wien auf die Erfindung von Maschinen zur Bewegung künstlicher Figuren, Puppen u. dgl. ein zweijähriges Privilegium erteilt.

"Die von den Privilegirten beschriebenen Automaten stellen eine Ballet-Tänzerin und einen tanzenden Chinesen vor, welche durch eine Kombinazion von Räder- und Hebelwerk die nöthigen Bewegungen erhalten, - Erlischt im Jahre 1845 durch Zeitablauf."

   
1845

Auf der Allgemeinen österreichischen Gewerbsprodukten-Ausstellung in Wien stellt Franz Kietaibl bewegliche Figuren als Spielereien aus und bekommt eine Ehrenvolle Erwähnung.

   
1856

Am 27. April 1846 wird ein Privilegium verliehen "dem Franz Kietaibl, bürgerl. Handelsmanne, wohnhaft in Wien, Stadt Nr. 1136, und dem Franz Pichler, Maschinisten, wohnhaft in Wien, Stadt Nr. 1136, auf die Erfindung transportabler Wäschrollen, welche sehr einfach zu behandeln und dadurch zum allgemeinen Gebrauche höchst anwendbar und zweckmäßig seien, und folgende Vortheile darbieten:

1. seien dieselben von sehr geringem Gewichte und zum Zusammenlegen eingerichtet, wodurch sie leicht transportirt, mit wenig Mühe an jedem Orte aufgestellt werden können und einen sehr kleinen Raum einnehmen;

2. können dieselben sehr leicht in Bewegung gesetzt werden, und die Wäsche, welche nicht eingeschlagen zu werden braucht, bekomme einen schönen Glanz und werde zu gleicher Zeit ganz lind gemacht;

3. werde bei der vorhandenen eigenen Spannkraft der Druckwalzen zur Hervorbringung der erforderlichen Druckkraft kein Mechanismus oder sonstige Vorsichtsmaßregeln benöthigt; auf die Dauer von einem Jahre. - In öffentlichen Sicherheitsrücksichten steht der Ausübung dieses Privilegiums kein Bedenken entgegen."

   
     Anzeige im Intelligenzblatt für Mähren No. 244 vom 5. September 1846
   
1850

Auf der Leipziger Gewerbeausstellung macht Franz Kietaibl "mit seinen Automaten großes Furore, er hat nämlich mehrere Tänzer , Fortepianospieler und andere bewegliche Figuren in Rahmen, welche durch ihren künstlichen Mechanismus (Uhrwerke) das Publicum ergötzen" und erhält dafür eine "Lobende Erwähnung".

 

Ein Besucher: "Das Zimmer Nr. 25 ist fast ohne Ausnahme der Ausstellung der Spielwaaren von F. Kietaibl in Wien eingeräumt, man muß zugestehen, daß dieses Assortiment ein sehr reiches ist.

Man findet dort für alle Classen und für alle Altersstufen der Kinderwelt gesorgt und selbst der Erwachsene muß sich an dem Raffinement erfreuen, mit welchem manche dieser, oft nur für den Augenblick berechneten, Gegenstände angefertigt sind. So wollen wir hier nur als Beispiel die Pianofortespielerin erwähnen, die, über einem recht schönen Federmusikwerk placirt, zu dessen Tönen auf der Tastatur des Pianofortes die tactmäßige Bewegung mit den Händen macht, während daneben ein Herr und eine Dame Polka tanzen. Solcher, innen mit einem Uhrwerk versehenen und sich ganz ergötzlich bewegenden Figuren in ziemlicher Auswahl vorhanden und wir haben Erwachsene genug gesehen, die ihre Freude mit Recht an diesen kleinen Automaten hatten. Wer den Preiscourant des Ausstellers liest muß sich über die ungeheure Mannigfaltigkeit der Artikel, aber auch eben so über die Wohlfeilheit derselben wundern. Man denke nur: ein Dutzend der besten lackirten Köchinnen kosten 2 3/5 fl., ein Dutzend schreiender Kinder 5 fl., ein Paar angejochte Ochsen 1 fl. 6 kr. und das beste Reitpferd nur 1 fl. - übrigens aber, allen Scherz bei Seite gesetzt, sind diese Spielwaaren ausgezeichnet und unbegreiflich wohlfeil und obschon die hier ausgestellten Sachen schon ein recht hübsches Waarenlager bilden, so ist doch das Gewölbe "zum Chineser" in Wien, aus dem wir hier nur einen Auszug erblicken, selbst für Wien ein Gegenstand der Bewunderung."

 

Ein anderer Bericht: "... das reichhaltige Sortiment von Kinderspielwaaren von Kietaibl aus Wien enthält. Es ist unmöglich, hier ins Einzelne zu gehen und Alles zu beschreiben, was der Beschreibung werth wäre. Wir können daher unter den hunderterlei verschiedenen niedlichen Sächelchen nur Einiges hervorheben, wie die beiden automatischen Klavierspielerinnen, nach deren Spiel zu tanzen sogleich einige Tänzer und Tänzerinnen von 5 Zoll Höhe bereit sind; ferner machen wir auf die in verschiedener Nationaltracht angezogenen Puppen, auf den aufgezäumten Elephanten, auf die Rüstungen, die Carossen und andre hübsche Sachen aufmerksam. Sehr niedlich sind auch die Zeichenschule und die Klosterschule, welche zu jener das Pendant bildet; ferner die Geduldspiele zum Zusammensetzen, die Modelle vom Zeughaussaal in Wien und vom Wiener Café Français.

Die frisirten Puppenköpfe dagegen zeigen nicht die nöthige Eleganz, ihre Frisur ist nur mittelmäßig und - wahrscheinlich durch die weite Reise - etwas zerzaust."

 

Franz Kietaibl kauft das Anwesen Preßgasse 12 in der Wieden, das im Jahre 1780 dem Franz Lucas, bürgerlicher Wundarzt und Geburtshelfer in der k. k. chirurgisch praktischen Lehrschule, im Jahre 1799 dem Wenzel Zenner, Schuhmacher, im Jahre 1842 dem Heinrich Cubasch, Effekten-Schätzmeister und im Jahre 1845 dem Joseph Kohlbauer, Branntweiner und Franz Schellhorn, Wundarzt, gehört hat.

   
1851

Franz Kietaibl stellt auf der Industrie-Ausstellung aller Völker zu London aus und erhält "die Preismedaille für ein Assortiment von 39 Automaten-Figuren. Dieselben werden alle durch gute in Metall gearbeitete Uhrwerke in Bewegung gesetzt. Die meisten dieser Automaten waren recht kunstreich hergestellt, allein sie schienen theurer, als ähnliche Französische Fabrikate. Leider brachte die Ausstellung keine Artikel dieser Art aus Frankreich, weshalb ein bestimmtes Urtheil in dieser Beziehung nicht möglich war. Folgende Gruppen verdienen besondere Erwähnung: Ein walzendes Paar, dessen sinnreicher Mechanismus die drehende Bewegung des Tanzes aufs Täuschendste nachahmte, Preis 6 Fl. K.-M.; ein Pianofortespieler, der God save the Queen und zu spielen schien, Preis 25 1/2 Fl. K.-M.; ferner ein Elephant mit dem Howdah und vier Indier, einen Palakin tragend. Die vorliegende Ausstellung war die einzige von sich frei bewegenden Figuren."

   
1854

Auf der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München stellt er verschiedene mechanische u. a. Spielwaren aus und erhält "für originelle mechanische Spielfiguren in niedlicher Ausführung" eine Ehrenmünze.

   
1855

Eine Medaille 2. Klasse erhält Franz Kietaibl für seine auf der Pariser Weltausstellung ausgestellten Kinderspielsachen, speziell "seine beweglichen allerliebsten Figuren". Er zeigte automatenähnliche Spielsachen in reicher Abwechslung, darunter vieles Neue und rühmt bei ihm Geschmack, gute Ausführung und mäßige Preise.

   
     Inserat im Humoristisch-satyrischen Volks-Kalender für das Jahr 1856
   
     Werbemarke bis 1870 (Größe 31 x 23,5 mm - Sammlung und Foto Prof. Reinhard Öhlberger)
   
1859

Franz Kietaibl ist ordentliches Mitglied im Verwaltungsrat des nieder-österreichischen Gewerbe-Vereines.

   
1860

Der Kaufmann Franz Kietaibl und Joseph Sedlaczek, Mechaniker in Wien erhält am 14. September 1860 ein Privileg auf ein Jahr für die Erfindung eines optischen Apparates, "Florescop" genannt, zur Erzeugung von ornamentalen und unendlich mannigfaltigen Bildern, sowohl in Linear- als Reliefansichten.

   
1864 Neue Anschrift ist Habsburgergasse 10.
   
1865 Der Saitenmacher Karl Kietaibl wohnt in Hernals 373.
   
1870

Ab dem 1. Juli 1870 ist die Firma eine offene Gesellschaft mit dem Namen Franz Kietaibl's Söhne in der Habsburgergasse 10. Gesellschafter sind Franz Kietaibl, Nürnbergerwaren-Händler und Karl Kietaibl, beide in Wien wohnhaft. Jedem derselben steht das Vertretungsrecht der Gesellschaft zu. Unter Einem wurde die Firma Franz Kietaibl im Register für Einzelfirmen in Folge dessen Ablebens gelöscht.

   
1872

Karl Kietaibl, jetzt Gesellschafter bei Franz Kietaibl's Söhne, wohnt jetzt auch in der Habsburgergasse 10.

   
1873

Auf der Weltausstellung in Wien bekommen Franz Kietaibl's Söhne ein Anerkennungs-Diplom.

Franz Kietaibl wohnt in der Eßlinggasse 11. 

   
     Inserat im Adressbuch 1874
   
1874 Franz Kietaibl zieht in die Eßlinggasse 15 um.
   
1876 Die Firma Franz Kietaibl's Söhne zum Chinesen ist jetzt k. k. Hoflieferant.
   
     Inserat im Adressbuch 1878
   
1878 Franz Kietaibl wohnt wieder in der Habsburgergasse 10.
   
1879 Habsburgergasse 5 ist nun die neue Adresse von Karl Kietaibl.
   
1880 Es erfolgt ein weiterer Umzug von Franz Kietaibl in die Brandstätte 3.
   
1884 Karl Kietaibl zieht wieder in die Habsburgergasse 10.
   
1890

Ab 1890 ist die Spielwaren-Niederlage und Nürnbergerwarenhandlung im Adressbuch nur noch unter dem Namen Franz Kietaibl, k.u. k.-Hoflieferant aufgeführt.

   
1899 Letztmaliger Eintrag der Firma im Adressbuch.
   
1916

Im Adressbuch erscheint erstmalig Adele Bischof in Wien XVIII, Währingerstrasse 81 - 83.

Dieser Eintrag ist in den Adressbüchern bis mindestens 1942 verzeichnet.

   
     Innen-Etikett einer Bleifiguren-Packung mit Wollner-Figuren
   
 

Quellen:

Adressbücher Wien online

Allgemeiner Handlungs-Cremial-Almanach, Wien 1837 (Google books)

Der Adler Nr. 92 vom 16. April 1840 (Google books)

Sammlung der Gesetze für das Erzherzogthum Oesterreich unter der Ens - Jahr 1842, Wien 1844 (Google books)

Amtsblatt zur k.k. priv. Linzer-Zeitung Nr. 42 vom 26. Mai 1843 (Google books)

Raccolta degli Atti dei Governi die Milano e di Venezia, Milano 1843 (Google books)

Industrielles Album als Erinnerung für den Aussteller und den Besucher der Allgemeinen österreichischen Gewerbsprodukten-Ausstellung im Jahre 1845 (Google books)

Steiermärkisches Amtsblatt zur Gratzer Zeitung No. 141 vom 3. September 1846 (Google books)

Amtsblatt No. 155 vom 8. Juli 1846 (Google books)

Intelligenzblatt für Mähren No. 244 vom 5. September 1846 (Google books)

Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen Nr. 28 vom 29. Januar 1847 (Google books)

Beschreibung der Erfindungen und Verbesserungen für welche in den kaiserlich-königlichen österreichischen Staaten Patente ertheilt wurden und deren Privilegiums-Dauer nun erloschen ist, Wien 1847 (Google books)

Bericht über die Leipziger Gewerbeausstellung 1850 (Google books)

Commissions-Bericht über die Leipziger Industrie-Ausstellung vom Jahre 1850, München 1850 (Google books)

Ein Besuch der Gewerbe.Ausstellung in Leipzig im April 1850, Leipzig 1850 (Google books)

Die deutsche Industrie-Ausstellung in der Central-Halle zu Leipzig, Leipzig 1850 (Google books)

Amtlicher Bericht über die Industrie-Ausstellung aller Völker zu London im Jahre 1851, Berlin 1853 (Google books)

Official descriptive and illustrated catalogue. Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations 1851, Vol. III - foreign states, London 1851 (Google books)

Reports by the juries - Exhibition of de Works of Industry of All Nations 1851, London 1852 (Google books)

Travaux de la Commission Française - Exposition Universelle de 1851, Paris 1855 (Google books)

Katalog der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854, München 1854 (Google books)

Bericht der Beurtheilungs-Commission bei der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahr 1854, München 1855 (Google books)

Auszeichnungen bei der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München von der Beurtheilungs-Commission zuerkannt, München 1854 (Google books)

Gewerbzeitung - Organ für die Interessen des bayerischen Gewerbstandes No. 20/1855 (Google books)

Bericht über die allgemeine Agricultur- und Industrie-Ausstellung zu Paris im Jahre 1855, Wien 1857/58 (Google books)

Die zweite Welt-Ausstellung mit besonderer Berücksichtigung der Deutschen Industrie - Briefe aus Paris von Georg Schierges, Frankfurt a. M. 1855 (Google books)

Exposition des produits de l'Industrie de toutes les Nations 1855 - Catalogue Officiel, Paris 1855 (Google books)

Humoristisch-satyrischer Volks-Kalender für das Jahr 1856, Wien 1856 (Google books) 

Austria Wochenschrift für Volkswirthschaft und Statistik, Wien 1856 (Google books)

Verhandlungen und Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbe-Vereines, Wien 1859 (Google books)

Zeitschrift des österr. Ingenieur-Vereines, Wien 1860 (Google books)

Industrie und Handel im Kaiserthume Oesterreich, Wien 1861 (Google books)

Die Wieden mit den Edelsitzen Conradswerd, Mühlfeld, Schaumburgerhof und dem Freigrunde Hungerbrunn, Wien 1864 (Google books)

Neue Freie Presse Nr. 2146 vom 19. August 1870 (Google books)

Ich danke Earl Jorgensen für den Hinweis "Adele Bischof - Innen-Etikett" sehr herzlich!

Ich danke Prof. Reinhard Öhlberger sehr herzlich für das Foto der Werbemarke!

   
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