Hantke, Johann Christoph - Brieg (heute Brzeg, Polen)
Hantke, Daniel Gottlieb - Brieg
   
 

Rainer Sachs übersetzt gekürzt und zusammenfassend aus dem von Ewa Grochowska und A. Andrzejewski 1981 verfassten Ausstellungs-Katalog "Śląskie Tradycje Figur Cynowych" des Muzeum Dawnego Kupiectwa w Świdnicy (Kaufmannsmuseum Świdnica (ehem. Schweidnitz) u. a.:

"Die für Schlesien, wie auch für viele andere Gebirgsgegenden typische Herstellung von zinnernen Galanteriewaren fand unter den Wissenschaftlern bisher keine Beachtung.

Zinnfiguren wurden in Schlesien nicht nur, wie bisher bekannt, in Breslau und Schweidnitz, sondern zumindest auch in Brieg und Neisse hergestellt. In den Museen der beiden letztgenannten Städte erhielten sich drei Formengruppen, die im hier vorgelegten Katalog erstmals beschrieben werden.

Der ältere  der beiden aus Brieg stammenden Formenkomplexe besteht grösstenteils aus mit "Handke" signierten Formen aus dem zweiten und dritten Jahrzehnt des XIX. Jahrh. Anhand archivalischer Forschungen konnte festgestellt werden, dass der Zinnknopfgiesser Johann Christoph Handke (gest. am 30.9.1796) seit 1779 Zinnfiguren herstellte und sein Unternehmen zu einem rund 20 Arbeitskräfte beschäftigenden Betrieb ausbaute. Die erhaltenen Formen dieser Werkstatt wurden von seinen Söhnen und Nachfolgern Johann Carl Gottlieb und Daniel Gottlieb benutzt.

Die zweite, zeitgenössische preussische Soldatentypen zeigende brieger Formengruppe, deren Benutzer noch nicht ermittelt werden konnte, stammt aus dem letzten Viertel des XIX. Jahrh."

 
  Johann Carl Gottlieb Hantke war ein Sohn von Daniel Gottlieb Hantke, wurde am 11. Juli 1799 geboren und verstarb bereits am 8. September 1801.
Von den Kindern des Johann Christoph Hantke lebten nach den online derzeit (März 2017) vorhandenen Kirchenbüchern von Brieg lediglich die Söhne Daniel Gottlieb Hantke und Johann Gottfried Hantke noch 1817.
   
1742 Johann Christoph Hantke (Handke, Hanke, Hante, Handtke, Hancke, Hanne, Hanntke) wird am 4. September 1742 als Sohn des Mittwohners Christoph Hantke und dessen Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Hülbig, geboren.
   
1765 Er ist Zinnknopfgießer und heiratet am 28. Juli 1765 die Anna Rosina Dirlich (* 10 März 1737; lebt 1817 noch), Tochter des Bürgers und Gipsers Christoph Dirlich und dessen Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Scholtz.
  Das Ehepaar hat die Kinder: George Christoph Hantke (* 6. August 1766; † 11. Oktober 1766), Johann Benjamin Hantke (* 25. August 1767; † 30. Januar 1771), Daniel Gottlieb Hantke (* 8. Dezember 1769), Samuel Benjamin Hantke (20. April 1772; † 14. Mai 1772), Christian Gottfried Hantke (* 25. Dezember 1773; † 2. Februar 1774), Johann Gottfried Hantke (* 3. März 1775), Rosina Elisabeth Hantke (19. Juli 1777; † 9. März 1778), Johann Christian Hantke (* 9. Februar 1779; † 20. April 1779) und Friedrich Wilhelm Hantke (* 18. Dezember 1780; † 5. Januar 1781).
   
  Johann Christoph Hantke ist in den Kirchenbüchern unterschiedlich als Turetgießer [?] , als Knopfgießer, Zinnknopfgießer sowie Zinn und Silberplatten Knopfgießer eingetragen.
   
1779 Er stellt jetzt auch Zinnfiguren her.
   
1785 Im 12. Stück der Schlesischen Provinzialblätter vom Dezember 1785 steht u. a.:  
"Sr. Königl. Maj. haben denen bisher unzünftigen Zinn-Knopfgießern zu Brieg auf ihr Gesuch unterm 11. Sept. d. J. ein Privilegium unentgeldlich ausfertigen laßen. Sie werden dadurch berechtiget, alle Jahrmärkte zu besuchen, zu Brieg alle Tage feil zu haben, und mit sogenannter kurzer Waare handeln zu dürfen. Der Oberälteste dieses neuen Mittels, Namens Hantke, fertiget alle Sorten von Knöpfen, und, wie man rühmet, schöner, dauerhafter und in mindern Preise als die Schmalkalder."
   
1793 Daniel Gottlieb Hantke ist Knopfgießer und heiratet am 9. April 1793 die Johanna Eleonora Gebel (* 20. April 1772), Tochter des Sattlers Carl Friedrich Gebel und desses Ehefrau Anna Susanne, geb. Stancke.
  Das Ehepaar hat die Kinder: Rosina Friderique Hantke (* 6. April 1793; † 5. Mai 1793), Johanna Beate Hantke (* 15. August 1794; lebt 1817 noch), Carolina Fridericke Hantke (* 7. August 1796; heiratet am 28. April 1818 den Gold- und Silberarbeiter Aloysius Speck, 6. Sohn des Hofschneiders Franz Speck in Falkenberg), Carl Gottlieb Friedrich Hantke (* 21. Januar 1798; † 30. Mai 1799), Johann Carl Gottlieb Hantke (* 11. Juli 1799; † 8. September 1801), Wilhelmine Henriette Hantke (* 22. November 1803; lebt 1817 noch) und Ernst Ferdinand Hantke (* 10. Mai 1808; † 5. Mai 1793). 
   
  Daniel Gottlieb Hantke ist in den Kirchenbüchern unterschiedlich als Knopfgießer jun., Knopfgießer, Silberplatten Knopfgießer, Silber-, Zinn- u. Plattengießer sowie Knopfgießer-Meister eingetragen.
   
1796 Johann Christoph Hantke stirbt am 30. September 1796.
   
1817 Daniel Gottlieb Hantke lebt nach den online derzeit zur Verfügung stehenden Totenbüchern 1817 noch.

Johann Gottfried Hantke lebt nach den online derzeit zur Verfügung stehenden Totenbüchern 1817 noch.
Nach den online derzeit zur Verfügung stehenden Aufgebotsbüchern hat er bis 1844 nicht geheiratet.
   
     Beispiele von Schieferformen
   
 

Quellen:

Ewa Grochowska: "Śląskie tradycje figur cynowych" in Katalog Wystawy, Muzeum Dawnego Kupiectwa w Świdnicy, sierpień - wrzesień 1981

Kirchenbücher Brieg online (www.szukajwarchiwach.pl)

Schlesische Provinzialblätter 1785, Zwölftes Stück, December (Google books)

Physikalisch-ökonomische Zeitung, Juni 1786 (Google books)

Oekonomisch-technologische Encyklopädie, 41. Theil, Berlin 1787 (Google books)

Florian Wilke: Verzeichnis aller bisher bekannten Hersteller von Zinn-Spielzeugfiguren, Beiträge zur Geschichte der Zinnfigur herausgegeben mit Unterstützung des Zentralen Fachausschusses Zinnfiguren der Gesellschaft für Heimatgeschichte im Kulturbund der DDR von der offizin zinnfigur 1982

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e.V. Kulmbach, 1987

Erhard Schraudolph: Eisvogel trifft Klapperschlange, Verlag des Germanischen Nationalmuseums 2006

 
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