Gottlieb, Johann - Fürth
   
1833 Johann Gottlieb wird am 7. Oktober 1833 in Nürnberg im Haus No. L.1314 als 7. Kind des Drechslermeisters Johann Gottlieb und dessen Ehefrau Clara Sabina Gottlieb, geb. Hartländer geboren.
   
1856  Nach einer Flaschner-Lehre ersucht er als Geselle den Stadtmagistrat Nürnberg am 14. Januar 1856 um die Lizenz zur Verfertigung von massiven Compositionsfiguren. Er führt an, dass derartige Figuren in Fürth nicht gemacht werden, die Verfertigung zu den freien Erwerbsarten gehört und er die Formen selbst graviert.
Er wohnt und arbeitet im Haus No.  551.
Er erhält den Lizenzschein zur Verfertigung von massiv aus Metallcomposition gegossenen Kinderspielwaren am 16. Januar 1856.
Die Zinngießer Burkhard Christoph Rothe und Georg Friedrich Gundermann erheben in Vertretung der anderen Nürnberger Zinngießer am 29. Januar 1856 Einspruch und werfen Johann Gottlieb vor, sich einer Täuschung der Gewerbs-Polizeibehörde schuldig gemacht zu haben. Die "Artikel werden längst von den hiesigen Zinngießern gemacht" und er ist "nicht einmal im Stande, die Formen hiezu selbst zu verfertigen".
Die königliche Regierung von Mittelfranken - Kammer des Innern weist diesen Einspruch am 13. Mai 1856 zurück.  
   
1859  Am 31. Mai 1859 ersucht Johann Gottlieb um einen weiteren Lizenzschein für die Verfertigung massiver Zinn- und Compositionsfiguren sowie des dazu gehörigen Apparats aus Zinkblech [?], der ihm am 3. Juni 1859 ausgestellt wird.

Das Niederlassungsgesuch als Spielwarenmacher und Insasse gibt er am 19. Juli 1859 zu Protokoll mit dem Bemerken, dass er vorläufig noch ohne Gehilfen arbeite, wöchentlich 8 - 9 fl. verdiene und ein Vermögen von 150 fl. besitze, das er aber seinem Bruder, Drechsler in der Mohrengasse, zum Ankauf eines Hauses geliehen hat, wo er auch sein Geschäft eingerichtet habe (L. 1484). Außerdem sei er in einem Krnaken-Unterstützungsverein und würde im Falle Erkrankens wöchentlich 4 fl. erhalten.
Seine Verlobte Anna Keil hat ein Vermögen von 100 fl. und eine Ausstattung im Wert von 300 fl.

Seine Erzeugnisse liefert er u. a. an August Wahnschaffe am Josephsplatz und an die Manufakturwarengroßhandlung Johann Leonhard Röhser.

Der Magistrat lehnt das Niederlassungsgesuch am 26. August 1859 ab, da der Nahrungsstand des Johann Gottlieb für nicht  gesichert gehalten wird. 

Am 13. Oktober 1859 gibt Johann Gottlieb, der nun im Haus L. 1543 wohnt und arbeitet, erneut sein Niederlassungs-Gesuch zu Protokoll: Mittlerweile hat er seinen Bruder, der Buchbindergeselle ist, als Gehilfen angestellt, seine Verlobte arbeitet auch für ihn und er liefert seine Waren an die Manufakturwarenhandlungen Johann Friedrich Alt, August Wahnschaffe, Carl Paraviso und Gebrüder Rau & Benedikt. Sein Geschäft ist mit den 100 fl. seiner Braut erweitert und der Bruder Theodor Gottlieb schuldet ihm nach wie vor die 150 fl. 

Dieses Gesuch wird am 2. Dezember 1859 genehmigt.
   
1860 Am 4. Januar 1860 wird der Zinnfiguren- und Spielwarenmacher Johann Gottlieb "bei der Königlichen Landwehr dahier eingereiht und hat sich vollstänidg uniformiert und armiert bei dem Regiments-Kommando vorgestellt".

Er heiratet am 15. Januar 1860 die Anna Keil (* 24. Mai 1830; † 10. April 1863 durch Selbstmord), Tochter des Drechslermeisters Johann Christoph Keil (* 9. April 1802) und dessen späterer Ehefrau (∞ 12. Juli 1830) Katharina, geb. Arnold (* 17. August 1803).
Das Ehepaar hat die Tochter Anna Katharina Gottlieb (* 30. Dezember 1859; † 24. Februar 1866).
   
1863 Nach dem Selbstmord seiner ersten Ehefrau ersucht er den Stadtmagistrat um die Erlaubnis zur Wiederverehelichung. Seine Verlobte Margarethe Katharina Bickel (* 26. Mai 1834 in Lauf) schließt sich diesem Gesuch an und bemerkt, dass sie an Geld und Geldeswert 750 fl. besitzt.

Der Witwer heiratet am 1. November 1863 die Margarethe Katharina Bickel, Tochter des Maurergesellen Johann Georg Bickel und dessen Ehefrau Barbara, geb. Mittler.
Er arbeitet und wohnt mit seiner Familie im Haus Nr. L 797 Johannisgasse.
Margarethe Katharina Bickel bringt die uneheliche Tochter Elisabetha Bickel (* 17. Dezember 1857 in Lauf) mit in die Ehe.
Das Ehepaar hat die Kinder Margaretha Maria Rosina Gottlieb (* 11. Oktober 1864; † 22. April 1865), Johanna Margaretha Gottlieb (* 8. Juli 1866; † 5. Oktober 1866), Johann Karl Gottlieb (* 11. April 1868; † 1. Januar 1886 als ausgelernter Zinngießer), Sophie Marie Helene Gottlieb (* 1. April 1870; lebt 1944 noch, heiratet am 19. Februar 1893 den Buchbindergehilfen Franz Nikolaus Luppa (* 24. November 1862 in Lublinitz, Sohn des Maurerpoliers Joseph Luppa und dessen Ehefrau Agnes, geb. Stojetz; † 23. November 1936)), Sophia Carolina Margarethe Gottlieb (* 24. Mai 1873; † 11. Juli 1898) und Johann Martin Gottlieb (* 27. Februar 1876). 
   
1864 Die Familie wohnt und arbeitet im Haus No. 702.
   
1865 Johann Gottlieb, der im Landwehr-Regiment als Wachmann eingereit ist, wird am 9. März 1865 durch den Beschluß der Sanitäts-Commission vom 3. November 1864 auf die Dauer eines Jahres vom Dienst dispensiert.
   
1866 Die Familie ist in das Haus No. 301 umgezogen.
   
1868 Neue Anschrift ist Haus. No. S. 195,
   
1870 Die Adresse ist jetzt St. Johannis, Bucherstraße No. 46.
   
1872 Johann Gottlieb siedelt nach Fürth um.
   
1873 Im Mai wohnt und arbeitet Johann Gottlieb noch in der Bäumenstraße 13 [lt. Taufeintrag Sophia Carolina Margarethe Gottlieb; lt. Adressbuch in der Schlotfegergasse 26]
Später arbeitet er im Haus Mathildenstraße 18 in der ehemaligen Werkstätte des Zinnfigurenfabrikanten Johann Caspar Friedrich Engert.
   
1879 Er ersucht am 26. November 1879 in Fürth um die Verleihung des Bürgerrechts, das er am 16. Dezember 1879 erhält.

Beim kaiserlichen Patentamt Berlin meldet er ein Patent für gelenkige und zerlegbare Metallfiguren an.
   
     Patent Nr. 9161 vom 21. August 1879 ab
   
1882 Johann Gottlieb stirbt am 5. November 1882 in der Gothardstraße 13.
Der Betrieb ist nach seinem Tod aufgelöst.
   
1886 Die Witwe Margarethe Katharina Gottlieb lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Sie wird vom Sohn Johann Martin Gottlieb, dem Schwiegersohn Franz Nikolaus Luppa und der Armen-Kasse unterstützt.
Sie wechselt häufig den Wohnort:
Pfisterstraße 3 (1886), Gustavstraße 7 (1889), Königsplatz 6 H/II (1891), Marienstraße 13/III (1895), Blumenstraße 36/II (1896), Marienstraße 46/III (1899) und Mathildenstraße 28 H/II (1901 - 1904).
   
1894 Johann Martin Gottlieb, der Steindrucker gelernt hat,  übersiedelt in die Schweiz.
   
1904 Die Witwe Margarethe Katharina Gottlieb stirbt am 9. August 1904.
   
  Figuren und Zinnspielzeug:
nicht bekannt
   
  Quellen:
Adressbücher Nürnberg und Fürth
Erhard Schraudolph: Zinnspielwarenhersteller in Nürnberg und Fürth in Paradestücke, W. Tümmels, Nürnberg 2000
Stadtarchiv Nürnberg (C7_I_12987 und C7_II_15947)
Stadtarchiv Fürth (Fach 18a G No. 380)
Archion (Kirchenbücher Nürnberg St. Lorenz, Nürnberg St. Sebald, Nürnberg St. Johannis, Nürnberg St. Jakob, Fürth St. Michael)
   
  Kosten dieser Seite:
Stadtarchiv Fürth: Register der Fabriken; Verzeichnis des königl. Rentamts Fürth über die in der Stadt Fürth vorgekommenen Veränderungen am Häuserbesitz € 10,45 (Anteil)
Stadtarchiv Nürnberg € 70,00
Stadtarchiv Fürth EUR 7,00
Archion EUR 5,00 (Anteil)
   
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