Carette, Georges - Nürnberg
   
1886

Am 10. April 1886 wird die Nürnberger Spielwaaren-Industriegesellschaft Georges Carette & Co. in das Gesellschaftsregister des Amtsgerichtes Nürnberg eingetragen.

Teilhaber in offener Handelsgesellschaft seit dem 3. März sind der Großhändler Ignaz Bing, der Kaufmann Adolf Bing und der französische Kaufmann Georges Carette (Sohn des Mechanikers Théophile Charles Carette und dessen aus Diespeck in Mittelfranken stammende Frau Babette, geb. Engelschein), sämtliche in Nürnberg.

Jeder Gesellschafter ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt.

Die Firma arbeitet ausschließlich als Zulieferer für die Gebrüder Bing.

   
1888 Georges Carette heiratet am 9. März 1888 Margarete Pauline Lederer.
   
     Fabrikgebäude 1892 an der Schillerstraße 5
   
1899 Georges Carette meldet das Patent einer Schiebersteuerung für Spielzeug-Dampfmaschinen an, das ab dem 9. Juli 1899 gültig ist.
   
     Patentschrift Nr. DE 119076
   
1893

Man beteiligt sich auf der Columbischen Weltausstellung in Chicago ("Fabrik von optischen, mechanischen und physikalischen Waaren. Spezialitäten: Laterna magica, Scioptikons, Modelldampfmaschinen, elektrische Lehrmittel, Stereoskopen, Pantoskopen, Graphoskopen, photogr. Apparate, Lesegläser - Die Fabrik verarbeitet Glas, Holz und Metall, beschäftigt 200 Arbeiter, exportirt nur eigene Fabrikate nach allen Ländern und besteht seit 1886.")

   
1895

Die Gesellschaft hat sich durch den Austritt der Teilhaber Ignaz Bing und Adolf Bing per 1. März 1895 aufgelöst.

Das Geschäft ist mit allen Aktiven auf den Teilhaber Georges Carette übergegangen.

Passiven sind nicht vorhanden. Die bisherige Firma wird unter Weglassung des Zusatzes weitergeführt.

Vom 25. März 1895 an heißt die Firma Georges Carette & Co., Nürnberg, und ist in das Firmenregister des Amtsgerichtes Nürnberg eingetragen.

Inhaber ist der Kaufmann Georges Carette in Nürnberg.

 

Georges Carette spezialisiert sich auf die Anwendung der Chromolithographie bei dem Bedrucken von Blech. Er stellt Dampfspielzeug, Eisenbahnen mit Zubehör in den Spurweiten 0, I, II und III, elektrische Straßenbahnen, Schiffe, Autos usw. her.

   
     Firmenzeichen
   
1896

Per 4. August 1896 ist Leonhard Lang, Kaufmann in Nürnberg, Prokurist.

Das Geschäft wird seit 28. September 1896 in offener Gesellschaft unter unveränderter Firma weitergeführt und in das Gesellschafts-Register des Amtsgerichtes Nürnberg eingetragen.

Gleichberechtigte Teilhaber sind die Kaufleute Georges Carette und Paul Josephthal in Nürnberg, Prokurist ist weiterhin der Kaufmann Leonhard Lang in Nürnberg.

   
     Anzeige im Adressbuch Fürth 1896
   
     
   Firmenzeichen bis ca. 1905    Firmenzeichen ab ca. 1905
     
 

Auf der Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg wird der Firma eine Silberne Medaille "für hübsche Ausführung optisch und mechanischer Spielwaren und Modell-Dampfschiffe" verliehen.

   
     Silberne Staats-Medaille 1896
   
     Anzeige im Adressbuch Fürth 1899
   
1900

Georges Carette meldet am 25. Juni 1900 in England das Patent GB 190011511 an:

Verbesserungen der Schieber von Dampfmaschinen, insbesondere bei Spielzeug- oder Modell-Dampfmaschinen, das am 28. Juli 1900 akzeptiert wird.

   
     Patentschrift GB 190011511
   
1903

Die Deutsche Zinngießer-Zeitung meldet in der Nr. 4 vom 28. Januar 1903: "Das Lagergebäude der Fabrik mechanischer Spielwaren von Carette u. Co., wurde durch Feuer vollständig zerstört und sämmtliche Vorräte durch Feuer vernichtet. Das Maschinenhaus und das eigentliche Fabrikgebäude konnten gerettet werden."

   
1904

Geschäftsbeziehungen mit der Firma Bassett-Lowke Ltd. in Northampton werden aufgenommen; Georges Carette wird Zulieferer von Lokomotiven und Wagen nach englischem Vorbild.

   
    
  Fabrikkomplex an der Koberger-/Schillerstraße ca. 1910
   
1910 Am 25. Mai 1910  gründet sich das "Kartell Bayerischer Automobil-Clubs (e.V.)". Vorstand ist der Französische Handelsrat Georges Carette.
   
   
   
  Aus dem Katalog von ca. 1910 
   
1914  Am 27. August 1914 wird dem Gesellschafter und Fabrikbesitzer Georges Carette, der nach wie vor die französische Staatsbürgerschaft hat, im Wege der einstweiligen Verfügung bis zur rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache das Recht zur Geschäftsführung und Vertretung der Firma entzogen.
Er emigriert mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Frankreich und wird dort zum Kriegsdienst einberufen. Die Tochter Kunigunde Carette bleibt in Nürnberg.
 
   
1917 

Gemäß Bundesratsverordnung vom 26. November 1914 wird das gesamte im Inlande befindliche Vermögen der Kaufmanns- und Fabrikbesitzersehegatten Georges Carette und Margarete Pauline Carette per 12. Oktober 1917 zwangsweise unter Verwaltung gestellt und der Bankdirektor Friedrich Pergher in Nürnberg als Verwalter bestellt. Ferner wird auf Grund der Bundesratsverordnung vom 31. Juli 1916 die Liquidation des gesamten im Inlande befindlichen Vermögens der Ehegatten

Carette, insbesondere der Beteiligung an der offenen Handelsgesellschaft Georges Carette & Co. in Nürnberg angeordnet und zum Liquidator der bisherige Verwalter Friedrich Pergher ernannt.

   
1918 

Ab dem 19. Februar 1918 führt die Firma den Zusatz "in Liquidation".

Die Gesellschaft hat sich aufgelöst und ist in Liquidation getreten. Liquidatoren sind der Kaufmann Georg Soldan und der Bankdirektor Friedrich Pergher, beide in Nürnberg.

Jeder Liquidator ist allein zur Vertretung berechtigt. Die Prokura dess Leonhard Lang ist erloschen.

   
1921  Am 14. Dezember 1921 wird eingetragen: Der Liquidator Georg Soldan wohnt in Fürth. 
   
1936  Per 21. Oktober 1936 ist die Liquidation beendet, die Firma ist erloschen. 
   
 

Zinnfiguren:

Schiffs- und Eisenbahnfiguren von Georg Spenkuch 

 
 

Quellen:

Adressbuch Fürth online

Gesellschafts- und Firmenregister des Amtsgerichts Nürnberg

Website depatisnet

Columbische Weltausstellung in Chicago - Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches 1893

Bayerische Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1896, Verzeichnis der prämiierten Aussteller nebst Mitteilungen über das Preisgericht, veröffentlicht am 20.8.1896, Verlag Bayer. Gewerbemuseum 1896

Deutsche Zinngießer-Zeitung Nr. 4 vom 28. Januar 1903 ( www.ub.uni-koeln.de)

Allgemeine Automobil-Zeitung, Band 14, Teile 1-2, Seite 37 (Google books)

Gustav Reder: Mit Uhrwerk, Dampf und Strom, Alba Buchverlag, Düsseldorf 1969 

Kurt Harrer: Lexikon Blech-Spielzeug, Alba Buchverlag 1982

Roland Fuller: The Basset-Lowke-Story, New Cavendish Books , 1984 

P. Ertel, A. Körner, K. D. Wittmann: Blechspielzeug, Gondrom-Verlag Bindlach 1994

Website sammeln-sammler

  Ich danke Herrn Gerhard Jochem sehr herzlich für den Hinweis auf den Lebenslauf von Paul Josephthal (rijo - siehe Links!)
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Handelsregisterauszug Amtsgericht Nürnberg € 30,00
   
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