Böhler, Ernst Ludwig (Louis) - Berlin
   
1750

Am 9. Juni 1750 zieht der aus Augsburg stammende, 29 1/2 Jahre alte luth. Zinngießer Johann Jakob Gerstmann, Sohn des Posamentierers Johann Friedrich Gerstmann, nach Berlin.

Er heiratet die Witwe des Zinngießers Christian Ludwig Würst mit 6 "unerzogenen Kindern; weil er, obgleich Ausländer, sich resolviert [entschlossen] hat, um keine Kol.-beneficia [?] anzuhalten".

   
1753

Von 1753 bis 1782 wird er im Ein- und Ausschreibebuch des löblichen Zinngießergewerks in Berlin und im Einschreibebuch der beim löblichen Zinngießergewerk hier in Berlin einwandernden Gesellen immer wieder als Meister aufgeführt.

   
1785 Johann Jakob Gerstmann ist verstorben.
   
1799 Seine Witwe Christiane Maria Sabina Gerstmann ist Eigentümerin des Hauses Jüdenstraße 13.
   
1801

Die Jüdenstraße 13 ist umnummeriert in Jüdenstraße 46.

Am 29. Januar 1801 beantragt  der aus Darmstadt stammende Georg Gottfried Böhler, Sohn des Paul Böhler, die Zulassung als Meister und wird am 28. Februar 1801 in die Berliner Zinngießerinnung aufgenommen.

   
     Stadt- und Meisterzeichen des Georg Gottfried Böhler
   
 

Er  heiratet die Witwe Christiane Gerstmann.

Das Ehepaar wohnt in der Stralauerstraße 39 (Eigentümer des Hauses sind die Schluh'schen Erben) unweit der Jüdenstraße 46 und bekommt drei Kinder: Gottfried Ernst Ludwig (Louis) Böhler (* 28. August 1802), Marie Luise Emilie Böhler (* 5. Juni 1804) und Florentine Friderique Henrietta Böhler (* 4. Mai 1810).

   
1802

Georg Gottfried Böhler übernimmt die Werkstatt des Johann Jacob Gerstmann und gründet damit seine eigene Zinngießerwerkstatt.

   
1803

Von 1803 bis 1813 führt Georg Gottfried Böhler für das Berliner Zinngießergewerk das Ein- und Ausgabenbuch.

   
1812 Das Haus Jüdenstraße 46 ist an den Viktualienhändler Wolff verkauft.
   
1815

Georg Gottfried Böhler ist gestorben.

Die Witwe betreibt die Zinngießerwerkstätte, die sich jetzt im Anwesen Jüdenstraße 49, das sie von dem Drechsler Oehme gekauft hat, weiter.

Ab 21. März 1815 arbeitet Joseph Herwert aus Wien bei ihr; Alten-Gesell ist Carl Schimmelmann.

Vom 8. September 1815 an findet Wilhelm Hey aus Alt-Strelitz Arbeit bei ihr; Alten-Gesell ist Friedrich Söhlke aus Hannover.

   
1819

Der Sohn Louis Böhler beginnt am 21. April 1819 die Zinngießerlehre bei Johann Georg Siercks.

   
1820

Die Witwe Christiane Marie Sabina Böhler wohnt lt. Adressbuch in der Lindenstraße 49 [dies dürfte wohl ein Druckfehler sein und müßte Jüdenstraße 49 heißen].

   
1822 Louis Böhler wird am 28. März 1822 als Geselle freigesprochen.
   
1826

Er wird am 13. Februar 1826 als Meister in die Zinngießerinnung aufgenommen.

Im Gesellenbuch wird Christiane Böhler noch am 3. Oktober 1826 als Arbeitgeber verzeichnet.

Louis Böhler heiratet Emma Pauline Emilie Gäde und hat mit ihr sieben Kinder: Ida Jacobine Maria Emilie Böhler (*11. Oktober 1838), Louis Albert Emil Böhler (* 8. Dezember 1841), Charlotte Louise Bertha Böhler (* 5. März 1844), Emilie Clara Anna Böhler (* 4. Februar 1846; † 25. Januar 1854 an "Gehirnentzündung"), Ernst Ludwig (Louis) Emil Böhler (* 3. Mai 1848), Clara Luise Emilie Böhler (* 30. April 1851) und Margarete Anna Emilie Böhler (* 11. November 1855).

Für das Jahr 1841 wird im Taufregister als Adresse der Große Jüdenhof 10 aufgeführt [im Adressbuch von 1843 ist Louis Böhler als Eigentümer dieses Hauses vermerkt, vorher und nachher nicht]; ab 1844 ist der Geburtsort wieder Jüdenstraße 49

   
1829

Im Adressbuch ist Louis Böhler als Zinngießer neben seiner Mutter mit der Anschrift Jüdenstraße 49 (die Mutter ist nach wie vor Eigentümerin) vermerkt.

   
1830 Louis Böhler ist Eigentümer der Jüdenstraße 49.
   
1834 Er firmiert jetzt als Zinn- und Bleiwaarenfabrik.
   
1847

Nach der Rangordnung des Geschäftsbetriebes ist Louis Böhler an zweiter Stelle von vierzehn Betrieben.

   
1854 Christiane Böhler stirbt am 10. Juli 1854 mit 85 Jahren.
   
1864 Ernst Ludwig (Louis) Emil Böhler tritt bei seinem Vater Louis Böhler am 8. Februar 1864 in die Lehre.
   
1865

Louis Böhler stirbt am 25./26. April 1865. Eigentümerin des Anwesens Jüdenstraße 49 und der Zinn- und Bleiwaarenfabrik Louis Böhler ist jetzt die Witwe Emma Böhler, geb. Gäde.

   
1867

Obwohl der Vater verstorben ist, beendet Ernst Ludwig (Louis) Emil Böhler die Lehre, wird am 8. Februar 1867 losgesprochen und leitet die Zinn- und Bleiwaarenfabrik und Handlung.

   
1869 Emma Böhler ist nicht mehr im Adressbuch verzeichnet.
   
1870 Louis Böhler wird am 7. November 1870 Meister und in die Zinngießerinnung aufgenommen.
   
1879 Zum 20. Januar 1879 wird der Lehrling Breitner wegen "Unlust" entlassen.
   
1880

Der Eintrag im Adressbuch ist "Louis Böhler - Zinn- und Bleiwaarenfabrik - Fabrik abyssinischer Brunnen, Jüdenstr. 49".

   
1882

Emma Böhler wohnt wieder im Haus Jüdenstraße 49.

Louis Böhler firmiert als Brunnenbaumeister. Er gründet zusammen mit Emil Metzkow die Firma Böhler & Co. - Engros-Geschäft für verzinnte und emaillierte Eisenblechwaren in der Holzmarktstraße 36 (der Gastwirt Friebel ist Eigentümer des Hauses).

Im Anwesen Jüdenstraße 49 sind nun zwei Firmen niedergelassen: Im Erdgeschoß Louis Böhler - Zinn- und Bleiwaarenfabrik und im ersten Stock Emil Böhler  - Fabrik abessinischer Brunnen.

   
1883 Emil Böhler heiratet die Helene Schulz.
   
1884

Spezialität der Zinn- und Bleiwaarenfabrik sind "Geaichte zinnerne Litermaaße, Trichter, Branntweinschenken, Wärmflaschen, Lazareth- und Wirthschaftsgegenstände".

Böhler & Co. ist jetzt Engros-Geschäft für englische Haus- und Küchengerätschaften.

Johannes Ernst Böhler, Sohn von Emil und Helene Böhler wird am 16. September 1884 geboren († 16. April 1940).

       
 
  Geeichtes Litermaß 0,1 Liter - 5,5 cm hoch   Bodengravur
       
1885

Vom 1. April 1885 bis 1. Oktober 1889 ist Gustav Theodor Max Kayser (* 8. Oktober 1870 in Berlin) bei Louis Böhler als Lehrling eingeschrieben, beendet seine Lehrzeit aber schon am 8. April 1889, da ihm Meister Louis Böhler ein halbes Jahr der Ausbildung schenkt.

Dem Lehrling Hermann Schultze werden am 18. April 1885 1 1/2 Jahre der Lehrzeit "wegen Tüchtigkeit" geschenkt.

Emil Böhler firmiert als Fabrik abessinischer Brunnen für Fabriken, Wasserstationen etc.Inhaber der Firma Böhler & Co. in

der Holzmarktstraße 36 sind jetzt Emil Böhler und Carl Metzkow.

   
1886

Die Fabrik abessinischer Brunnen führt auch Tiefbohrungen etc. aus.

Die Firma Böhler & Co. betreibt nun ein Engros-Geschäft für Molkerei-, Haus- und Küchengeräte.

   
1887

Die Firma Böhler & Co. verkauft nur noch Molkereigeräte.

Louis Böhler kauft das Anwesen Großer Jüdenhof 10 von dem Tischler Prahm.

   
     Situationsplan Jüdenstraße - Großer Jüdenhof
   
1891 Die Zinn- und Bleiwarenfabrik arbeitet jetzt mit Dampfbetrieb.
   
1897 Eigentümer das Hauses Jüdenhof 10 ist jetzt Emil Böhler.
   
     Großer Jüdenhof 1911, das linke Haus ist Nr. 10
   
1914 Ernst Böhler ist Kaufmann und wohnt Jüdenhof 10.
   
1915 Louis Böhler ist gerichtlicher Sachverständiger.
   
1922 Die 270 noch vorhandenen Formen für Zinnfiguren werden an die Firma Röders in Soltau verkauft.
   
1927 Die Firma Louis Böhler wird unter Branchen im Adressbuch nicht mehr bei Zinngießer aufgeführt.
   
1928 Emil Böhler stirbt am 7. Oktober 1928.
   
 
  Großer Jüdenhof 1930 - links das Haus ist die Nr. 10
   
1931 Eigentümer der Hauser Jüdenstraße 49 und  Jüdenhof 10 sind die Böhler'schen Erben.
   
1939

Das Anwesen Jüdenhof 10 gehört nun wieder Helene Böhler, der Witwe von Emil Böhler, die mit ihrem Sohn, dem Kaufmann Ernst Böhler in der Großbeerenstraße 84 wohnt.

   
1940 Das Haus Jüdenhof 10 wird an die Stadt Berlin verkauft.
   
1943 Eigentümerin des Hauses Jüdenstraße 49 ist immer noch Helene Böhler.
   
  nicht weiter eruiert!
   
 

Zinnfiguren:

Friedrich Schirmer schreibt 1930: "Während der Inflation nun kaufte Herr Albr. Röders in Berlin von einem Zinngießer Böhler dessen sämtliche Formen. Darunter sind nun auch für uns 30-mm-Sammler tadellos brauchbare Sachen. In fast zweistündiger Arbeit sahen wir sämtliche Formen durch. Da waren z. B. (zu unserer Größe passend) eine ganze Anzahl von Bäumen und Sträuchern (inländische und ausländische). Ferner sind vorhanden etwa 6 verschiedene Schafe, verschiedene Ziegen und Schweine, auch ein Wildschwein, eine Giraffe, ein Krokodil, viele, leider etwas kleine Kühe, Hunde usw. Zur neuen Heinrichsengröße passend 3 Türkenreiter (etwa 1877/78), Offizier, Trompeter und Standartenträger. Leider fehlen die Mannschaften.

Ganz hervorragend in der Gravur sind verschiedene Serien von größerer Höhe zu den Kriegen 1866 und 1870/71. Preußische Infanterie, Jäger, Ulanen, Kürassiere, Dragoner und Artillerie, ein wundervoller Stab, Gruppen mit Gefangenen. Selbstverständlich fehlen auch die Österreicher und Franzosen nicht. Von den Preußen sind auch fast alle Waffengattungen in Paradestellungen vorhanden. Von Paradetruppen sind auch Serien von 9 und 10 cm Höhe da.

   
 

Nachgüsse aus den Formen:

siehe http://www.zinnflori.de/

   

Quellen:

Adressbücher Berlin online unter Namen, Branchen und Straßen

Ernst Kaber: Die Bürgerbücher und die Bürgerprotokollbücher Berlins von 1701-1750, Verlag von Gsellius, 1934

Gerhart Nebinger: Berliner Einwanderer aus Bayer. Schwaben 1601-1851, Blätter des Bayer. Landesvereins für Familienkunde BBLF Nr. 3

Stadtmuseum Berlin: Meistertafel der Berliner Zinngießerinnung mit Stadt- und Meistermarken von 1755-1814 

J. G. A. Ludwig Helling (Herausgeber): Geschichtlich - statistisch - topographisches Taschenbuch von Berlin und seiner nächsten Umgebung, 1830 bei H. A. W. Logier, Berlin

Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band V (Südd. Zinngießer Teil I), Leipzig, K. W. Hiersemann, 1921 - 1931

Gerhard Nebinger: Berliner Einwanderer aus Bayer. Schwaben 1601 - 1851 in Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde Nr. 3/1962 

Friedrich Schirmer: Zinngießerei Röders in Soltau, in Der standhafte Zinnsoldat - Nachrichten für Liebhaber der Zinnfigur, 1930

Walter Stengel: Zeitvertreib, Verlag de Gruyter, 1969

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979 

Gerhard Hellwig: Vierzig Jahre Berliner Zinnfiguren Werner Scholtz 1934 - 1974

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Erhard Schraudolph: "Zopfzeit, Befreiungskriege und Gesellschaftsgarten - Zinnfiguren zwischen Aufklärung und Restauration" in 75 Jahre Deutsches

Zinnfigurenmuseum - Geschichte der Zinnfigur - Geschichte mit Zinnfiguren, Freunde der Plassenburg e. V. 2004

Manfred Fürst: Firma Louis Böhler, Berlin - Alte Formen wieder entdeckt in Figurina Helvetica 2007

Florian Wilke: Die Firma Louis Böhler in Berlin in Figurina Helvetica 2007

Gerhard Söhlke - Musterbuch für Spielzeug und Zinnfiguren - Berlin, um 1856, Verlag H. M. Hauschild GmbH, Bremen 2009

berliner-lindenblatt.de (2010)

stadtentwicklung.berlin.de (2010)

zinnfigur.com (2010)

Wolf Rüdiger Bonk: Zinnfiguren aus Berlin und Umgebung, Zeughaus-Verlag GmbH., Berlin 201

Ahnenforschung.net /2013)

genealogy.net (2013)

   
  Nachdem mir das Stadtarchiv Augsburg für die Recherche nach der Familie des Johann Jacob Gerstmann einen Kostenvorbescheid von € 88,00 zuzügl. Ablichtungen, Porto und Verpackung auf meine Anfrage hin zukommen hat lassen, verzichte ich auf Geburtsdatum und Eltern.  
   
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