Bestelmeier, Georg Hieronimus - Nürnberg
   
1762

Der Rotbierbrauer Johann Michael Bestelmeier heiratet am 6. Dezember 1762 die Witwe Anna Barbara Margarethe Gefröher, Tochter eines Weißbierbrauers, die auch in erster Ehe mit einem Rotbierbrauer verheiratet war.

   
1764

Der Sohn Georg Hieronimus Bestelmeier wird am 30. September 1764 getauft.

   
1793

Das Haus auf der Lorenzer Seite Nr. 7, in dem er ein Versandhaus gründet, kauft er von dem Kunsthändler Johann Friedrich Frauenholz, der es von seiner Base Neidhardtin geerbt hat.

 

Es werden die ersten bebilderten Katalog-Magazine und -Verzeichnisse "Magazin der auserlesensten und nüzlichsten Spiel-Sachen zur angenehmen Unterhaltung für die Jugend: bestehend in einer Sammlung der schönsten Gärten, Palläste, Städte, Dörfer, Häußer &c. und noch vielen andern Mathematischen und Phisikalischen Gegenständen, alle nach der Natur getreu abgebildet und von denen besten Künstlern auf das zierlichste bearbeitet in den billigsten Preißen zu finden bey Georg Hieronimus Bestelmeier in Nürnberg" und "Pädagogisches Magazin zur lehrreichen und angenehmen Unterhaltung für die Jugend: es enthält solches eine Auswahl der schönsten Artikel, Städte, Dörfer, Palläste, Häußer, Gärten etc. ,,, zu finden in Nürnberg bey Georg Hieronymus Bestelmeier" herausgegeben.

   
 
   
  Georg Hieronimus Bestelmeier heiratet am 25. Dezember 1793 Catharina Christiana Lotzbeck, die Tochter eines Marktadjunkten. Zwei Söhne und drei Mädchen werden dem Ehepaar geboren: Johann Friedrich Carl Bestelmeier (* 1794), Johann Martin Christoph Bestelmeier (* 1796; † 1754), Magdalena Dorothea Bestelmeier (* 1798), Magdalena Caroline Wilhelmine Bestelmeier (* 1799) und Maria Johanna Magdalena Bestelmeier (* 1800).
   
     Georg Hieronimus Bestelmeier
   
1794

Das "Magazin von verschiedenen Sachen: sowohl zum gemeinnützlichen Gebrauch, als auch lehrreichen u. angenehmen Unterhaltung für d. Jugend" wird herausgegeben.

   
1795 Das "Magazin von verschiedenen Kunst- und andern nützlichen Sachen" erscheint erstmalig.
   
1798

Das Verzeichnis von 1798 zählt ohne Puppen, Puppenküchen und Spielzeug bereits 8000 Artikel auf.

   
1803
   
 

Die 8 Teile [der 7. Teil ist von 1801] des "pädagogischen" Magazin von verschiedenen Kunst- und anderen nützlichen Sachen, zur lehrreichen und angenehmen Unterhaltung der Jugend, als auch für Liebhaber der Künste und Wissenschaften, welche Stücke meistens vorräthig zu finden bei Georg Hieronimus Bestelmeier in Nürnberg listet 1111 Artikel einschließlich Abzeichnungen auf Kupfertafeln und ein systematisches Verzeichnis auf.

Er schreibt im Vorwort dazu: "Ich übergebe hiermit dem geneigten Publiko den Anfang des Verzeichnisses meines pädagogischen Magazins. Die in demselben enthaltene Artikel sind von denen hiesigen geschicktesten Künstlern mit der größten Akkuratesse und Schönheit verfertiget, und können, da sie sich auch durch die Billigkeit der Preiße bei ihren Vorgängern besonders auszeichnen, auf den gerechten Beifall jedes Liebhabers Anspruch machen. Dieses Verzeichnis soll jährlich fortgesetzt, mit vielen neuen Artikeln, und denen neuesten Erfindungen unserer Künstler vermehrt werden. Durch den Beifall des Publikums aufgemuntert, hoffe ich, ein vollständiges Magazin, aller hier fabrizirten Spiel-Sachen zu errichten, und durch eine geschmackvolle Auswahl den Wunsch eines jeden befriedigen zu können, der Auswärtige erhält dadurch eine allgemeine Übersicht, aller hier verfertigten und ohnehin schon im Auslande rühmlich bekannten Kunst- und Spielsachen, und kann jeder, da die meisten Artikel durch genaue Kupfer abgebildet, seinen eigenen Geschmack folgen, ohne seine Bestellung der Wahl des Verkäufers überlassen zu müßen.

Die Herren Pädagogen und Erzieher ersuche ich ergebenst, mir, wann Sie etwas zur mehrerer Vollständigkeit oder Verbesserung meines Magazins beitragen können, ihre Gedanken und Wünsche zu entdecken, auch Zeichnungen von neuen Erfindungen gefälligst einzusenden; ich werde, in Verbindung unserer geschicktesten Künstler alles aufs genaueste und zierlichste ausfertigen lassen, und ihre Erfindungen gewiß zu belohnen wissen. Jeder, der mir genaue Zeichnung, von Sachen, die nicht in dem Verzeichniße stehen, und sie zu haben wünscht, einsendet; kann sich die möglichst schleunige und accurateste Verfertigung derselben versprechen.

Diejenigen auswärtigen Freunde, so ich nicht die Ehre habe zu kennen, und mir kein sicheres Hauß allhier, wo sie bekannt sind anzeigen können, belieben bey Bestellung das Geld oder gute Wechsel mit einzusenden. Für Emballage haben Sie nicht nöthig etwas beyzulegen, dieß ist meine Sache, und ich werde sorgen, die Waare auf das Beste eingepackt, an ihre Bestimmung zu liefern.

Die Preiße sind alle in Reichsgeld, nach dem vier und zwanzig Gulden Fuß."

 

Die acht Teile des  Magazines sind im "Systematisches Verzeichnis" in zwölf Sachgebiete unterteilt:

  1. Bau- und Gartenkunst für junge Liebhaber.

  2. Spiel- und nützliche Sachen für Knaben und Mädchen. Hier werden auch Zinnfiguren angeboten.

   
     Zu den Zinnfiguren
   
 

  3. Unterhaltende und belehrende Spiele für Kinder und Erwachsene.

  4. Astronomie, Gnomonik und Meteorologie.

  5. Elektrizität.

  6. Geometrie und Arithmetik.

  7. Hydraulik und Hydrostatik.

  8. Magnet.

  9. Mechanik.

10. Optik.

11. Musik.

12. Oekonomie, Technologie und Luxus.

   
1808 Die zum Abbruch bestimmte Barfüsserkirche kauft Georg Hieronimus Bestelmeier und läßt in dem vorderen Teil ein modernes und sowohl wegen seiner Lage als auch wegen seiner übrigen Wohnlichkeit stets als Mietwohnung sehr gesuchte Haus dort aufbauen. Im Erdgeschoß etabliert er seinen Laden mit Galanterie- und Manufakturwaren (Königsstraße L. Nro. 7).
   
1810

Georg Hieronimus Bestelmeier ersteigert das ehemalige Armen-, Arbeits- und Zuchthaus der Stadt Nürnberg für 3600 Gulden und gründet eine Aktiengesellschaft, um den Bau eines Gesellschaftshauses für die "Gesellschaft Museum" zu ermöglichen.

   
1819 Nachdem er für sich selbst in der Nähe des Spittlertores aus einem Schuttplatz einen Privatgarten machte, veranstaltet er unter der Bürgerschaft eine Sammlung, um die sandige und unschöne Strecke rings um den Stadtgraben mit Bäumen und Buschwerk zu bepflanzen. Das Ergebnis dieser Sammlung war eine Summe von 1391 fl.
Mit diesem Betrag werden zunächst die kleinen Anlagen vor dem Spittler-, Haller-, Neuen- und Frauen-Tor hergestellt.
In den Folgejahren stellt der Magistrat jährlich eine bestimmte Summe für Anlagen und Verschönerungen zur Verfügung.
   
1823

Er bekommt vom Rat der Stadt Nürnberg die Erlaubnis, in seiner Firma ein Möbelmagazin zu etablieren sowie die Konzession für eine Tapetenfabrikation [Königsstraße L. Nro. 7a im fast unveränderten Chor der ehemaligen Barfüßerkirche].

"Das Bestelmeiersche Haus wurde an die Stelle, an der die ehemalige Franziskanerkirche stand, gebaut. Es ist durchaus in modernem Style aufgeführt. Nicht selten wurde es von fürstlichen Personen bewohnt; im Jahre 1816 stieg der verstorbene Kaiser Alexander von Rußland daselbst ab. In den unteren Räumen befindet sich ein großes Magazin etc."

   
1826

Die Manufaktur- und Galanteriekommission G. H. Bestelmeier wird an den zweitgeborenen Sohn Johann Martin Christoph Bestelmeier übergeben.

   
1829

Georg Hieronimus Bestelmeier stirbt am 2. Februar 1829 an Lungenlähmung und wird auf dem Johannisfriedhof begraben.

In der Stadtchronik heißt es: "Er war als Kaufmann eifrigst bemüht, seinem Geschäfte, das in hiesigen Manufaktur-Erzeugnissen besteht, die möglichste Vollkommenheit zu geben. Sein neu und geschmackvoll ausgebautes Wohnhauß [die ehemalige Barfüßerkirche]  das während der Anwesenheit des verstorbenen Kaisers Alexander von Russland zu dessen Aufnahme am geeignetsten befunden wurde, das unter seiner Leitung erbaute Museumsgebäude, seine zweckmäßigen Anordnungen als Comite-Mitglied des actionaire des Dutzendteichs, sind entsprechende Zeugnisse seiner ratlosen Tätigkeit.

Durch freiwillige, mitunter sehr spärliche Beiträge unterstützt, begann er die Gestaltung und Anpflanzung der Wege und Spaziergänge vor dem Spittler und Neuenthor, und hatte bald die Freude sein Werk gedeihen, und fortschreiten zu sehen. Dankbar ehren seine Mitbürger den Namen eines Mannes, der als erster Gründer der jetzt so schön heranwachsenden Anlagen vor der Stadt, noch in seinen Werken fortlebt."

 

Johann Martin Christoph Bestelmeier wird in das Renngericht für das Pferderennen am 25. August 1829 anläßlich des vierten großen Nationalfestes in Nürnberg am Allerhöchsten Geburts- und Namenstage Seiner Majestät des Königs Ludwig berufen.

   
  Johann Martin Bestelmeier veröffentlicht in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 7. April 1829 nachstehende Empfehlung:
"Empfehlung des Bestelmeier'schen Magazins in Nürnberg.
Durch den Tod meines geliebten Vaters ging dessen ausgebreitetes, rühmlichst bekanntes Geschäft, welches ich schon seit mehreren Jahren gemeinschaftlich mit dem Erblichenen leitete, ganz auf mich, seinen einzigen Sohn, über.
Dasselbe im Geiste seines Gründers fortzusezen und es stets zu vervollkommnen, damit es hinter den Ansprüchen des sich täglich ändernden Geschmaks nicht zuükbleibe, ist unstreitig die beste Art, meines Vaters Andenken zu ehren, also meine theuerste Pflicht.
Um ihr ganz zu genügen und würdig zu erscheinen, Erbe des meinem Vater geschenkten allgemeinen Vertrauens und Wohlwollens zu werden, bestrebe ich mich stets, mir die nöthigen Kenntnisse der verschiedenen Zweige eines so viel umfassenden Geschäfts zu erwerben. Sie sollen mich leiten, Alles aufzubieten, die Gunst derjenigen zu verdienen, die mich mit Aufträgen beehren, daher ich auch zu hoffen wage, deren recht viele zu erhalten.
Die bisherige Firma: G. H. Bestelmeier behalte ich unverändert bei.
J. M. C. Bestelmeier"
   
1838 Am 30. April 1838 Vormittag wurde von Königin Therese, am Vorabend von München über Donauwörth nach Nürnberg gekommen, die Ludwigs-Eisenbahn zum ersten mal befahren und nach der Rückkehr von dort das Bestelmeier'sche Magazin in Augenschein genommen.
   
1839    Anzeige im Regensburger Wochenblatt Nro. 14 vom 2. April 1839  
   
1843 Johann Martin Christoph Bestelmeier wird in den Ausschuß für das Museum (An der Königsbrücke) berufen.
   
1844 Er spendet am 1. Juni 1844 der Maximilian-Augenheilanstalt für Arme 2 fl. 42 kr.
   
1850 Am 3. August 1850 spendet er der Maximilians-Heilungs-Anstalt für arme Augenkranke 2 fl. 42 kr.
   
1853 Er ist Mitglied der Bauhütte in Nürnberg.
   
1854

Johann Martin Christoph Bestelmeier stirbt im August kinderlos an der Cholera.

Die Firma ist aufgelöst.

   
 

Anzeige in der Allgemeinen Zeitung Nr. 57 vom 14. September 1854 und in der Beilage zu Nr. 272 der Allgemeinen Zeitung vom
29. September 1854
   
  Quincaillerie-Waren sind Klein-, Kurzwaren (z. B. Messer, Scheren, Knöpfe, Schnallen, Uhrketten, Uhrschlüssel, Ferngläser und dergleichen), welche die Kurzwaren- und Putzhändler führen.
Eine Quincaillerie-Handlung ist eine Stahl-, Klingen- und Kurzwarenhandlung.
   
  Lesenswert:
Thomas Stauss (Autor) - Frühe Spielwelten. Zur Belehrung und Unterhaltung: Die Spielwarenkataloge von Peter Friedrich Catel (1747 - 1791) und Georg Hieronimus Bestelmeier (1764 - 1829), Librum Publishers & Editors LLC, Hochwald/Schweiz 2015, ISBN 978-3-9524038-9-1
   
 

Quellen:

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nro. 97 vom 7. April 1829 (Google books)

Unterhaltungen und Mittheilungen von und für Bayern zum Nutzen und Vergnügen Nro. 7 vom Juli 1829 (Google books)

Nürnbergs Handelsadreßbuch oder Verzeichniß aller Kaufleute und Fabrikanten der Stadt Nürnberg und ihres Burgfriedens, Nürnberg bei Gottlieb Bäumler, 1835 (Google books)

Die Bayer'sche Landbötin Nro. 54 vom 5. Mai 1838 (Google books)

Allgemeines Fremdwörter-Handbuch für Teutsche, Tübingen 1838 (Google books)

Regensburger Wochenblatt Nro. 14 vom 2. April 1839 (Google books)

Übersicht und Personalstand der Königlichen und städtischen Civil- und Militairbehörden ..., Nürnberg 1843 (Google books)

Einunddreißigster Jahres-Bericht der Maximilians-Augenheilanstalt für Arme in Nürnberg, Nürnberg 1845 (Google books)

Nürnberg und seine nächste Umgebungen, Nürnberg 1847, Verlag der v. Ebnerschen Buchhandlung (Google books)

Neues Adreßbuch der Stadt Nürnberg, Nürnberg bei Riegel und Wießner 1850

Siebenunddreißigster Jahres-Bericht der Maximilians-Heilungs-Anstalt für arme Augenkranke in Nürnberg, Nürnberg 1851 (Google books)

Nürnberg's Handel und Industrie mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart, Nürnberg, Verlag von Conrad Geiger, 1852 (Google books)

Vierteljahreschrift der Bauhütte zu Nürnberg Nr. 4 vom Oktober 1853 (Google books)

Allgemeine Zeitung Nr. 57 vom 14. September 1854 (Google books)

Beilage zu Nr. 272 der Allgemeinen Zeitung vom 29. September 1854 (Google books)

Die noch vorhandenen Abzeichen Nürnberger Häuser, Nürnberg, Verlag der v. Ebner'schen Buchhandlung, 1855 (Google books)

Geschichte der Schulen in Nürnberg, 4. Heft, Nürnberg 1856 (Google books)

Nürnberg und seine Merkwürdigkeiten - Ein Wegweiser für Fremde, Nürnberg 1861 (Google books)

Nürnberg historisch und topographisch nach den ältesten vorhandenen Quellen und Urkunden, München 1863 (Google books)

Nürnberg und seine Merkwürdigkeiten - Ein Wegweiser für Fremde, Nürnberg 1873 (Google books)

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

K. E. Fritzsch in Sächsische Heimatbilder, Jg. 11 (1965), Heft 6, Seite 501

Paul Ernst Rattelmüller: Zinnfiguren - Die Welt in der Spanschachtel, Süddeutscher Verlag München, 1971 

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Bestelmeier-Katalog - Magazin von verschiedenen Kunst- und anderen nützlichen Sachen mit 1111 Abbildungen, Edition Olms Zürich 1979

Manfred Bachmann: "Spielwarenbücher und -kataloge" in Arbeitskreis Bild Druck Papier Band 1: Tagungsband Chemnitz 1997, Waxmann Verlag Münster

Jerry Slocum/Dieter Gebhardt: Puzzles from Catel's Cabinet and Bestelmeier's Magazine, 1997

Museumsbulletin Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Ausgabe 2003-1

Presseinformation Museen der Stadt Nürnberg zur Ausstellung im Stadtmuseum Fembohaus (16. September bis 25. November 2009)

Nürnberger Spielzeugindustrie (nürnberginfos.de)

Die Entwicklung der Chemie-Experimentierkästen (pharmazeutische-zeitung.de)

Die Gesellschaft Museum - Geschichte (gesellschaft-museum.de)

   
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