Besold, Carl Ludwig Friedrich Albert - Nürnberg
Besold, Johann Andreas Ludwig - Nürnberg
   
1800

Carl Ludwig Friedrich Albert Besold (Pessolt), getauft am 11. November 1800, wird als Sohn des Kaufmanns Friedrich Ferdinand Besold († 20. September 1828) und dessen Frau Albertina Maria Besold in Nürnberg geboren.

Statt Volksschule erhält er Privatunterricht bei Johann Christoph Jakob Wilder (* 8. Dezember 1783; † 16. Januar 1838), dem Sohn des Pfarrers von Heilig Geist. Es folgt der Besuch des Gymnasiums und Höheren Bürgerschule in Nürnberg.

   
1817

Er beginnt eine Zinngießerlehre bei dem Zinngießermeister Christian Schweiger (* 1763; † 30. Mai 1829)

   
1820

Er wird zum Gesellen gesprochen und arbeitet bis 1821 bei seinem Lehrherrn und bei dem Zinngießermeister

Jacob Heinrich Otto († Mai 1828).

   
1821 Er geht auf die übliche Wanderschaft.
   
1823 Zurück in Nürnberg arbeitet er bei der Zinngießermeisterswitwe Sophia Magdalena Ammon.
   
1825

Ab September 1825 ist er wieder auf Wanderschaft. Zwei Jahre verbringt er in Esslingen, neun Monate arbeitet er bei dem Zinngießermeister Johann Wilhelm Gottschalk (* 20. Juni 1768; † 18. Februar 1843) im schweizerischen Aarau sowie noch einmal 50 Wochen in Esslingen.

   
1829

Wieder in Nürnberg zurück stellt er am 13. Oktober 1829 ein "Etablisementsgesuch" und legt am 10. November 1829 seine Meisterprüfung ab.

Probstücke, die er bei Johann Andreas Herbst fertigt, sind mehrere Schieferformen für Zinnfiguren und die dazugehörigen Abgüsse, die er auch bemalt und die "nach ihrer Fertigung für gut befunden" werden.

Dem Nürnberger Stadtmagistrat gibt er  am 17. November 1829 u. a. zu Protokoll: "... als ... Figurenarbeiter ..., davon es dahier nur zwei gibt, nämlich Eckerlein ... und Ammons Wittwe ..., meine Niederlassung als Zinngießermeister und Figurenarbeiter gewährte dem Handelsstand in allen Fällen Nutzen somit ihnen von diesen Figurenarbeitern mehr geliefert ..." werden können.

 

Am 20. November 1829 genehmigt der Nürnberger Magistrat seine Niederlassung nachdem Carl Ludwig Besold seine Vermögensverhältnisse nachgewiesen hat (100 fl. angelegt bei der Staatsschuldentilgungscassa aus dem Erbe seiner Großmutter und 150 fl. Erspartes).

   
1830 Er wird am 5. Februar 1830 zum Meister gesprochen und eröffnet seine eigene Offizin, die sich auf die Herstellung von Zinnfiguren spezialisiert.
   
1831

Am 16. Januar 1831 heiratet Carl Ludwig Besold die Marie Margaretha Krauß (* um 1807), Tochter des Bäckermeisters Georg Martin Krauß aus Burgfarnbach und dessen Ehefrau Elisabetha, geb. Brandner.

Das Ehepaar hat mindestens sieben Kinder: Johann Nikolaus Friedrich Besold (* 23. August 1832), Konrad Albert Besold (* 31. Dezember 1833; † 4. November 1841), Johann Andreas Ludwig Besold (* 15. April 1835), Leonhard Carl Besold (* 18. Juni 1837; † 13. Dezember 1838), Johann Wolfgang Friedrich Besold  († 30. Mai 1839), Leonhard Carl Besold (15. Mai 1841) und Barbara Henriette Friederike Albertina Besold (* 6. April 1845).

Er ist in S. 186 (Weißgerbergasse 35) ansässig.

   
1835 Carl Ludwig Besold kauft das Anwesen S. 244 (Hintere Nägeleinsgasse 19).
   
1845

Er stellt auf der Local-Industrie-Ausstellung der königlich bayerischen Stadt Nürnberg 22 Schachteln mit Bleisoldaten nebst 5 Stück Wagen und Kanonen aus.

Der Sohn Johann Nikolaus Friedrich Besold beginnt eine Flaschnerlehre.

   
1848

Vom 29. Mai 1848 bis 31. März 1851 lernt Johann Andreas Besold bei dem Zinngießermeister Johann Andreas Schmidt in Nürnberg das Zinngießerhandwerk.

Carl Ludwig Besold wird zum Geschworenen gewählt.

   
1850

Er stellt bei der deutschen Industrie-Ausstellung in der Central-Halle zu Leipzig ein Sortiment von Zinnfiguren aus.

   
1851

Johann Andreas Besold wird zum Gesellen gesprochen, nachdem er als Probstück eine Wärmflasche mit Bechern gefertigt hat. Er geht auf die obligatorische Wanderschaft.

   
1854

Bis 1857 arbeitet er als Geselle in Lübeck in der Zinngießerei von Carl Adolph Ferdinand Heidorn (* 1823; † 1893). [Schraudolph schreibt: "Eine bei Heidorn entstandene 18-teilige Stierkampfserie wird (unter anderem aufgrund der charakteristischen Fußbrettchen, die allerdings unsigniert sind) Besold zugeschrieben. Anscheinend arbeitete er in Lübeck hauptsächlich als Graveur."]

Auf der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung in München werden von Carl Ludwig Besold Zinnfiguren ausgestellt, für die er eine Ehrenmünze "wegen seiner mit besonderem Fleiße ausgeführten, äußerst leichten und dadurch billigen Zinnfiguren" bekommt.

   
1855    Anzeige im Fränkischen Kurier vom 26. April 1855
   
1857

Carl Ludwig Besold stirbt am 21. April 1857 und wird am 24. April 1857 begraben.

Johann Andreas Besold kommt wieder zurück nach Nürnberg.

   
1858

Am 28. September 1858 wird Johann Andreas Besold Geschäftsführer in der Firma seines verstorbenen Vaters, die seine Mutter Marie Besold weiter betreibt.

Sein zuvor abgeliefertes Meisterstück ist eine in Schiefer gravierte Figur von Louis Napoleon zu Pferd und ein Probeguß, den er fein bemalt.

   
1861

Johann Nikolaus Friedrich Besold heiratet am 5. April 1861 die Ester Margaretha Johanna Drechsel (* 5. Mai 1834). Das Ehepaar hat mindestens die Tochter Maria Margaretha Besold (* 29. November 1863).

   
1870

Die Gewerbekonzession wird von Marie Besold am 21. März 1870 zurückgegeben.

Johann Andreas Besold meldet das Gewerbe an und übernimmt die alleinige Geschäftsführung der Firma C. L. Besold, die immer noch im selben Anwesen, das jetzt durch Umbenennung in der Hinteren Nägeleinsgasse Nr. 19 etabliert ist.

Das Haus mit einer Grundfläche von 68,1454 qm und zwei Stockwerken ist aufgeteilt in die Werkstatt für die Zinnfigurenproduktion, der Wohnung der Witwe Marie Besold und von Johann Andreas Besold, der Wohnung des Bruders Johann Nikolaus Friedrich Besold und dessen Werkstatträume für seine Blechspielwarenfabrikation. 

Johann Andreas Besold  heiratet am 18. April 1870 Dorothea (Doris) Johanna Warbach (* 16. August 1845), Tochter eines Kaufmanns.

Das Ehepaar hat mindestens drei Kinder: Karl Ludwig Besold (* 17. März 1871), Friedrich Albert Besold (* 29. September 1872) und Maria Rosa Wilhelmina Besold (*4. Juni 1874).

 

Der Zinnspielwarenfabrikant Johann Andreas Besold und Inhaber der Firma C. L. Besold stellt "Fabrikate in Zinnsoldaten aller Nationen, in ländlichen Gegenständen als: Gärten, Jagden etc. in dünnem und massiven Guss in drei Grössen, dann in Anfertigung von Meublements, Eisenbahnen in Hohlguss etc." her.

   
1882

Auf der Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Nürnberg erhält die Firma "für sehr gut gearbeitete und bemalte flache Zinnfiguren" eine "Grosse Bronzene Medaille".

   
1889 Die Firma beschäftigt ein Dutzend Arbeiter.
   
1893

Johann Andreas Besold stirbt am 16. Mai 1893. Die Witwe Dorothea (Doris) Johanna Besold führt die Firma weiter.

   
1897 Dorothea (Doris) Johanna Besold gibt die Firma Anfang August 1897 auf.
   
1898

Das Inventar der Firma (Einrichtung und Formen) wird am 31. Januar 1898 an Otto Bing verkauft.

Ein Teil der Formen bzw. Figurenbestände erwirbt die Firma Conrad Schildknecht & Sohn.  

Eigentümer des Anwesens Hintere Nägeleinsgasse 19 bleiben Dorothea (Doris) Johanna Besold und Johann Nikolaus Friedrich Besold, die die Gewerberäume vermieten.

   
 

Figuren:

Spezialität von Carl Ludwig Besold sind 95 mm hohe Turnier-Ritter zu Pferd mit angelöteten, beweglichen Armen und Visieren und ca. 10 cm hohe Turnierreiter und Husaren (Spaltaufsitzer), zum Teil mit C. L. Besold signiert. Heinrichsen beschreibt die Zinnfiguren von Besold "mit mächtigen Nasen und hochwattierten Brüsten".

Es läßt sich eine frühe Serie aus der Zeit um 1830 und eine etwas gröbere um 1860 nachweisen.

   
 
   Fußbrettchen (Weg)
   
 

Quellen:

Adressbücher Nürnberg

Verzeichniß der Local-Industrie-Ausstellung der königlich bayerischen Stadt Nürnberg im Jahre 1845 (Google books)

Die deutsche Industrie-Ausstellung in der Central-Halle zu Leipzig, Leipzig 1850

Katalog der Industrie-Ausstellung Leipzig 1850

Nürnberg's Handel und Industrie mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart von Dr. Friedrich Mayer, Nürnberg 1852 (Google books)

Katalog der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahre 1854 (Google books)

Auszeichnungen bei der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München von der Beurtheilungs-Commission zürkannt, München 1854 (Google books)

Bericht der Beurtheilungs-Commission bei der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München 1854  (Google books)

Münchener Fremden-Blatt Nr. 65 & 66 vom 17. & 18. September 1854 (Google books)

Fränkischer Kurier (Mittelfränkische Zeitung) vom 26. April 1855 (Google books)

Handels-Adreßbuch von Nürnberg, herausgegeben von Sigmud Soldan, Nürnberg 1867 (Google books)

Nürnberg-Fürther Industrie-Almanach 1870 (Google books)

Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Nürnberg 1882. Verzeichniss der prämiierten Aussteller nebst Mittheilungen über das Preisgericht, München 1882, Verlag von Rudolf Mosse, Nürnberg-München

Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band II (Nürnberger Zinngießer), Leipzig,K. W. Hiersemann, 1921 - 1931

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

Erhard Schraudolph: Die Zinnspielwarenfabrik C. L. Besold in Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Band 83 (1996)

Erhard Schraudolph: C. L. Besold - Eine Nürnberger Zinnspielwarenfabrik, Figurina Helvetica 1998

Erhard Schraudolph: Zinnspielwarenhersteller in Nürnberg und Fürth in Paradestücke, W. Tümmels, Nürnberg 2000

 

 

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