Bäselsöder, Johann Andreas - Nürnberg
   
1835

Johann Andreas Bäselsöder (Beselsöder, Beselsieder) wird am 6. Januar 1835 als Sohn des Wurzelschneiders Johann Leonhard Bäselsöder (* ca. 1799; † 3. August 1870) und dessen Ehefrau Barbara Philippina, geb. Bäbel geboren.

   
1849

Vom 25. Juni 1849 bis zum 10. Mai 1852 lernt er bei dem Nürnberger Zinngießermeister Johann Andreas Schmidt (* ca. 1805).

   
1852

Sein Gesellenstück ist eine Wärmflasche mit Bechern. Er geht auf die vorgeschriebene Wanderschaft.

   
1859

Am 26. September 1859 legt er die Meisterprüfung ab. Er fertigt "eine Deckelform mit Ausguss und dazu ein Taufbecken nebst Kanne" und liefert damit eine "präzise Arbeit eines sehr schwierigen Probstücks".

   
1860

Er wird am 6. Februar 1860 zum Meister gesprochen und erhält die frei gewordene Konzession der Witwe des Zinngießermeisters Christoph Wagner, die am 14. Januar 1858 verstorben ist.

Er besitzt 85 fl. an Bargeld sowie Sachwerte in Höhe von 506 fl. (incl. Wäsche und Kleider im Wert von 258 fl., ein Bett im Wert von 25 fl. und 36 fl. in Gold und Silber). Außerdem besitzt er eine Drehbank mit dem dazugehörigen Werkzeug im Wert von

80 fl., einen Gießofen mit vier eisernen Löffeln und vier Lötkolben aus Kupfer im Wert von 15 fl., fünf Gußformen aus Messing im Wert von 36 fl. und zwanzig kleine Formen im Wert von 30 fl. Hinzu kommt noch Zinn-Rohmaterial, das 26 fl. wert ist.

Ab dem 5. Oktober 1860 beschäftigt er den Gesellen Leonhard Frank aus Mainz.

   
1863

Johann Andreas Bäselsöder heiratet am 3. Mai 1863 die Barbara (Babette) Elisabeth Maria Wenrich (* 30. Januar 1838 in Roth als Tochter eines Lehrers); sie besitzt 100 fl. Dem Ehepaar   werden mindestens fünf Kinder geboren: Johann Michael Jakob Bäselsöder (* 28. Oktober 1864), Wilhelm Bäselsöder († 2. Juni 1867), Johann Karl Bäselsöder (* 1. November 1868), Johann Michael Karl Bäselsöder, genannt Jean (* 4. November 1871) und Johann Heinrich Bäselsöder (* 18. April 1875).

   
1867 Er wohnt und arbeitet in S. 70 Winklerstraße.
   
1868 Er kauft von dem Drechsler Georg Wollrab das Haus L. 1111 (später Haus Nr. 6 Jakobstraße ).
   
1869

Johann Andreas Bäselsöder stellt Kirchensachen von Zinn, Altar-Geräte, Tafel- und Küchengeräte, Tee- und Kaffeeservice, Galanteriesachen von Zinn etc. etc. her.

   
1882

In der Werkstätte sind zwei Männer und drei Frauen beschäftigt. Diese verarbeiten jährlich für 6.000 bis 7.000 Mark Zinn und Blei. Der Wert der in einem Jahr hergestellten Waren beträgt ca. 15.000 Mark.

Auf der Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg 1882 erhält die Zinnspielwarenfabrik "für vollendete Arbeit in Zinnspielwaaren" eine Große Bronzene Medaille.

   
1883

Auf der Internationalen Ausstellung für Colonieen und Export zu Amsterdam stellt die Firma Zinnspielwaren aus und erhält eine Medaille.

   
1889 Das Nachbarhaus Jakobstraße 4 wird erworben.
   
1892 Johann Andreas Bäselsöder stirbt am 25. Februar 1892.
   
1893

Die Firma stellt angeblich auf der Columbischen Weltausstellung in Chicago 1893 aus [ist aber im Amtlichen Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches zur Columbischen Weltausstellung in Chicago 1893 nicht aufgeführt. Auf den Anzeigen 1907 und 1913 ist aber jeweils eine entsprechende Medaille abgebildet].

   
1895

Die Söhne Johann Bäselsöder und Jean Bäselsöder übernehmen am 8. Oktober 1895 offiziell die Firma und leiten sie gemeinsam. [Wer von den drei Söhnen mit dem Vornamen Johann Teilhaber ist, kann nicht festgestellt werden].

   
1896

Die Zinngießerei J. A. Bäselsöder stellt auf der Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg 1896 aus und bekommt eine Bronzene Medaille "für gute und geschmackvolle Ausführung von Zinnspielwaren".

   
1900

Auf der Weltausstellung in Paris stellt die Firma einen Hochaltar und verschiedene Puppenzimmerservices aus und bekommt eine Medaille.

   
     Anzeige 1907
   
     Das in der Anzeige 1907 auf dem linken Tablett abgebildete Kännchen
   
1906

Auf der Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1906 bekommt die Firma wiederum eine Medaille.

   
1908

Das Firmenzeichen JAB (Johann Andreas Bäselsöder) wird am 14. Mai 1908 gerichtlich eingetragen.

   
     Fabrikmarke
   
     Besteck für die Puppenstube
   
1910

Auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 ist die Firma vertreten. "Die Firma Bäselsöder wartet mit einer hübschen Zusammenstellung niedlicher Tischgeräte, Kaffee-, Teekännchen und Tassen, Altärchen usw. aus Zinn auf" und bekommt dafür eine Silberne Medaille.

   
     Reklamemarke
   
1913

Die Firma J. A. Bäselsöder stellt auf der Ausstellung des "Vereins Deutsche Zinngießereien und verwandter Berufe" in Nürnberg zum Thema Zinn aus. "Besondere Erwähnung verdienen die von Victor Weygang in Göttingen ausgestellten ungefähr 100 Jahre alten Zinnsoldaten, die nur bedauern lassen, dass dieser für Nürnberg so bezeichnende Kunstzweig von keiner Nürnberger Firma vertreten ist. Nur die von Bäselsöder ausgestellte Ludwigseisenbahn aus dem Jahr 1835 sowie eine mit Zinnsachen ausgestellte Puppenstube und das elektrisch beleuchtete Modell eines reich mit Zinngegenständen ausgestatteten Verkaufsstandes, wie ihn früher die Nürnberger Zinngießer auf den Jahrmärkten hatten, erinnern an Nürnberg  als die Stadt der "Spielzeuge und Zinnfiguren"".

   
     Erinnerungs-Medaille der Ausstellung 1913
   
     Anzeige 1913
   
1929

Ende der 20er-Jahre verstirbt Johann Bäselsöder. Seine Witwe Anna Bäselsöder und Jean Bäselsöder führen den Betrieb weiter.

Jean Bäselsöder ist Mitglied und zeitweise Vorstand des Verbandes Deutscher Zinngießereien von Bayern sowie Mitglied des Verbandes Deutscher Zinnfigurenfabrikanten.

   
1938

Die Firma feiert ihr 80jähriges Bestehen [obwohl eine Gründung erst 1860, als Johann Andreas Bäselsöder Meister wurde, möglich war].

   
     Anzeige 1938
   
1945 Am 25. März 1945 wird das Gewerbe von Anna Bäselsöder und Jean Bäselsöder abgemeldet.
   
1947 Ab dem 14. Juli 1947 ist die Firma am Unschlittplatz wieder gemeldet.
   
1955 Jean Bäselsöder stirbt; der Betrieb ist erloschen.
   
1956

Das Grundstück Jakobstraße 4 und 6 (die Gebäude sind im Krieg total zerstört worden) wird am 21. Januar 1956 von Anna Bäselsöder an Martin Kaindl und Erich Kaindl verkauft.

   
 

Zinnfiguren und Zinnspielzeug:

Zinnspielzeug für Puppenstuben und Puppenküchen, Miniaturkrüge, elektrische Lüster und Lampen für Puppenzimmer, Kinder-Altäre und Altargeräte, Glücksnüsse und Glücksfiguren (siehe virtuelles Depot des Spielzeugmuseums Nürnberg im Internet!), Zinnfiguren (Frankreich, Preußen, Deutschland

1870, Preußen, Deutschland um 1900, Frankreich, Österreich, Deutschland 1914, Russland, Bulgarien 1904 - 1917, Deutschland 1916 - 1918. Siehe Figurina Helvetica 2005)

   
 

Quellen:

Adressbücher Nürnberg

Einwohnerbuch der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg (UB Erlangen-Nürnberg)

Fränkischer Kurier Nr.154, Nürnberg, 4. Juni 1867 (Google books)

Nürnberg-Fürther Industrie-Almanach, Nürnberg 1870 (Google books)

Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Nürnberg 1882. Verzeichniss der prämiierten Aussteller nebst Mitteilungen über das Preisgericht, München 1882, Verlag von Rudolf Mosse, Nürnberg-München

Internationale Ausstellung für Colonieen und Export zu Amsterdam 1883 - Spezial-Katalog der Deutschen Abtheilung, herausgegeben von Werner Lange, Düsseldorf 1883

Columbische Weltausstellung in Chicago - Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches, 1893

Bayer. Landes-Industrie-, Gewerbe- u. Kunstausstellung Nürnberg 1896. Verzeichnis der prämiierten Aussteller nebst Mitteilungen über das Preisgericht, veröffentlicht am 20.8.1896, Verlag Bayer. Gewerbemuseum 1896 

Weltausstellung in Paris 1900 - Amtlicher Katalog der Ausstellung des deutschen Reiches

Deutsche Spielwarenzeitung 1913 

Erwin Hintze: Die Deutschen Zinngießer und ihre Marken Band II (Nürnberger Zinngießer), Leipzig,K. W. Hiersemann, 1921 - 1931

Theodor Hampe: Der Zinnsoldat - ein deutsches Spielzeug, Verlag Herbert Stubenrauch, Berlin 1924

Curt F. Kollbrunner: Zinnfiguren - Zinnsoldaten - Zinngeschichte, Hirmer-Verlag München 1979

Ulf Leinweber: Die kleine Figur - Geschichte in Masse und Zinn, Staatliche Kunstsammlungen Kassel, 1985

Heinz Schenzle: Sigel-Bestimmungsbuch, Freunde der Plassenburg e. V. Kulmbach, 1987

Erhard Schraudolph: Die Zinngießerei und Zinnspielwarenfabrik Johann Andreas Bäselsöder, in Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN) 1998 Jahrgang 85

Erhard Schraudolph: Zinnspielwarenhersteller in Nürnberg und Fürth, in Paradestücke, W. Tümmels, Nürnberg 2000

Erhard Schraudolph: Die Nürnberger Zinngießerei Johann Andreas Bäselsöder, in Figurina Helvetica 2003/2004 und 2005

   
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