Antonini, Francesco - Rom
   
1910

Francesco Antonini bezieht aus Deutschland Aluminiumformen der Gebrüder Schneider aus Leipzig/Gohlis und gießt daraus halbplastische Figuren (preußische Soldaten,englische Infanterie, Husaren, Tiere, eine Jagd, Bäume, Indianer und Büffeljagd, Cowboys, Beduinen, eine Weihnachtskrippe und kleine Segelschiffe).

   
1912

Durch den Erfolg ermutigt, erweitert er seine Aktivitäten und stellt eigene Formen aus Bronze für vollplastische Figuren her. Er gibt den Figuren den Markennamen "L.G.P. - Laboratorio giocattoli in piombo", d. h. Werkstätte für Spielzeug aus Blei. Nur auf den Etiketten der Packungen erscheint diese Marke. Die Soldaten selbst sind nicht gemarkt, haben aber eine ovale Fußplatte, die für die Produktion typisch ist.

Die ersten Soldaten-Serien sind ein Verkaufs-Erfolg; er produziert die verschiedenen Truppen der osmanischen und italienischen Armeen des italienisch-türkischen Krieges von 1912 - 1913 in Libyen. Hinzu kommen auch Soldaten anderer Länder, wie Schotten, Soldaten der napoleonischen Kriege, Zuaven und die Armeen des 18. Jahrhunderts. Auch die schöne Serie über die "Commedia dell'Arte" verkauft sich sehr gut.

Die Figuren, die lediglich zum Spielen gedacht sind, sehen naiv und etwas dicklich modelliert aus, werden scherzhaft "pettoni", d. h. große Brust, genannt und sind mit glänzendem Lack bemalt.

   
1927

Da die Nachfrage nach unzerbrechlichem und ungiftigem Kinderspielzeug immer größer wird, experimentiert Francesco Antonini mit einer speziellen Holz- bzw. Zellstoff-Masse, die sehr wiederstandsfähig und zäh ist und beginnt damit eine neue Figuren-Produktion. Die neuen Soldaten aus Masse sind größer als die bisherigen Bleifiguren und werden mit Handpressen in

Formen aus Bronze kaltgepreßt.

Das Verkaufsprogramm besteht aus Typen der italienischen Armee in feldgrauen Uniformen, Askaris, Dubats und Abessinier, Kolonialtruppen, Carabinieri zu Fuß und zu Pferd einschließlich der Musiker, Corazzieri, Schweizer Gardisten, Soldaten der Schweiz, kanadischen Rangers, Indianer, Cowboys und auch einer Serie mit Zootieren.

Die Figuren werden unter der Marke F.I.G.I.R. (Fabbrica Italiana Giocattoli Infrangibili Roma), d. h. Italienische Fabrik unzerbrechlichen Spielzeugs Rom, vertrieben. Das Markenzeichen steht auf der Unterseite der ovalen Figurenbasis.

   
     Etikett
   
1939 Der Sohn Luciano Antonini wird geboren.
   
1950

Aufgrund der vielen Anfragen von Sammlern werden auch wieder Bleisoldaten aus den vor dem zweiten Weltkrieg hergestellten Formen gegossen. Die Bemalung wird sorgfältiger und detailgetreuer ausgeführt.

Am erfolgreichsten sind die Serien der gesamten italienischen Armee von 1861 bis 1866 und von 1896.

   
1968

Die Produktion von Massefiguren wird eingestellt, da mittlerweile Figuren aus Kunststoff den Markt beherrschen.

Luciano Antonini, ausgebildeter Geometer und Kunsttischler führt nach dem Tod des Vaters die Firma weiter und bringt neue Figuren im Standardmaß 54 mm heraus. Die bisher sehr naiven Figuren werden zudem verbessert. Insbesondere die Pferde werden durch realistischere und vielfältigere Haltungen ersetzt. Die Figuren werden nun  mit modernen Maschinen im

Schleudergußverfahren mit heißvulkanisierten Gummiformen gegossen.

Die neuen Serien stellen Soldaten aus dem Großherzogtum Toskana, dem Königreich Sardinien, aus den verschiedenen Epochen vor Beginn der italienischen Einigungsbewegung (Piemont, Kirchenstaat, den beiden Königreichen Sizilien, Lombardo-Venetien, dem Kaiserreich Österreich und dem Königreich Neapel dar.

Der Künstler Dr. A. Pranzetti ist Modelleur von Figuren, die sich künstlerisch aus der Standardproduktion hervorheben. Er fertigt die Urmodelle für die Carabiniere Pastrengo und für Garibaldi.

   
1978

Luciano Antonini arbeitet mit dem Modelleur G. Del Vecchio zusammen und bringt auch Blank-Figuren als Bausätze heraus, die sich vor allem durch Realismus und Detailtreue auszeichnen. Soldaten des Königreiches Neapel unter Murat, das Dromedarreiterregiment des Ägyptenfeldzuges oder Napoleon bei Arcole werden in dieser Art vertrieben.

Bemalte Figuren sind mit matter Farbe lackiert und zeigen auch kleinste Details der Uniformen.

   
1984

Ein neuer Laden mit dem Namen "La Bottega del Soldatino" wird in Rom eröffnet. Es werden sechs Packungen mit Figuren aus der ehemaligen Produktion von Francesco Antonini neu aufgelegt: der italienisch-türkische Krieg in Libyen, Figuren des osmanischen Reiches, italienische Infanterie, Alpini und Bersaglieri.

Um die Neuauflage erkennen zu können, werden auf den Fußbrettchen die Buchstaben A.L. eingraviert.

   
1985 Luciano Antonini stellt erstmals auf der Zinnfigurenbörse in Kulmbach aus.
2005

Er stirbt an Lungenkrebs. Sein Sohn Lorenzo Antonini führt nun das Geschäft in der dritten Generation weiter. Das derzeitige Verkaufsprogramm wird sehr übersichtlich und attraktiv im Internet vorgestellt (www.labottegadelsoldatino.it).

   
 

Quellen:

Hans H. Roer: Bleisoldaten, Callwey-Verlag München, 1981

Henry I. Kurtz/Burtt R. Ehrlich: Spielzeugsoldaten, Motorbuch-Verlag Stuttgart, 1989

Monika Marchich-Obleser: Der Spielzeugsoldat - Vom Spielzeug zum Sammelobjekt, Diplomarbeit, Wien 1996   

Dr. Mario Marchich: Luciano Antonini - Ein Großer der Zinnfigurenwelt ist nicht mehr, Vereinsnachrichten - Die Neue Mölkerbastei 3-2007

Qualche cenno sulla Casa Antonini, Webseite www.labottegadelsoldatino.it

Antonini, lo scultore di soldatini, Webseite www.noiroma.com

I soldatini Antonini, Webseite www.toysoldier.it

Herzlichen Dank an Herrn Dr. Marchich für die Überlassung seines Nachrufes in den Vereinsnachrichten der Neue Mölkerbastei!

   
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